Vom Mund zum Magen in einem Schluck

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Wie wird ein Sandwich mit Schinken, Salat und Tomaten vom Verdauungssystem in seine Einzelteile zerlegt?

Da du gelernt hast, was du für eine gute Ernährung brauchst, sollten wir uns nun anschauen, was dein Körper mit den von dir gegessenen Lebensmitteln macht. Um etwas über diesen Prozess zu lernen, solltest du zunächst an Fabriken und Fließbänder denken. Dein Verdauungssystem reicht von deinem Mund bis zum Anus. Es arbeitet wie eine lange Fertigungsstraße oder ein Montageband, nur in umgekehrter Richtung. Lass uns aber zuerst schauen, wie so ein Montageband funktioniert.

Angenommen, du bist in einer Autofabrik angestellt. Die Fabrik ist mit vielen verschiedenen Maschinen und Angestellten ausgestattet, die Autos richtig zusammenbauen. In der Position A landet die Karosserie auf dem Fließband. Das Fließband bewegt sich im Uhrzeigersinn. Bis das Auto die Position B erreicht hat, sind Türen und Motorhaube angebracht. Wenn das Auto Position C erreicht hat, werden die Räder anmontiert, und auf dem Weg zu D wird das Lenkrad eingebaut. Das Fließband bewegt das unfertige Auto im Uhrzeigersinn, und von Station zu Station werden immer mehr Teile montiert.

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Dein Verdauungstrakt arbeitet wie ein Montageband, nur umgekehrt. Lass uns das an einem einfachen Bild zeigen. Nehmen wir an, du würdest Autos statt Lebensmittel essen. Dann würde das Verdauen des Autos genau in die entgegengesetzte Richtung verlaufen wie das Zusammenbauen.

Du nimmst an Position A das Auto in den Mund. Dein Verdauungstrakt bewegt das Auto wie das Fließband und demontiert zunächst das Lenkrad, dann die Windschutzscheibe, dann die Räder und die Türen. Diese Autoteile werden über die Wände deines Verdauungstraktes in deinen Körper aufgenommen. Was von dem Auto übrig bleibt, wird zusammengepresst (wie in einer Müllpresse). An Position D, deinem Anus, werden die unbenutzten Überreste des Autos aus deinem Körper geschoben.

Du verdaust Essen, indem du es in seine Einzelteile zerlegst. Eine hilfreiche Eselsbrücke hierbei ist, dass dein Verdauungstrakt wie ein Montageband funktioniert, nur in umgekehrter Richtung. Die Zerlegung des Essens fängt mit dem Kauen in deinem Mund und dem Durchkneten im Magen an. Bei der chemischen Zerlegung werden komplexe Moleküle des Essens in einfache chemische Einheiten aufgespalten, die dann von den Zellen des Verdauungstrakts aufgenommen und als Bausteine weiterverwendet werden können.

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Anmerkung

Was meinst du?
Warum, meinst du, verschlucken Vögel Steine, um ihre Verdauung zu unterstützen? Denke daran, was Vögel fressen. Beschreibe, wie ihr Verdauungstrakt deiner Meinung nach funktioniert.



Lass uns nun eine Reise durch den Verdauungstrakt unternehmen, um herauszufinden, wie dieses Verdauungs-Fließband wirklich funktioniert. Hierfür können wir eine Mahlzeit bei ihrem Weg durch den langen Verdauungstrakt, den sogenannten Magen-Darm-Trakt (oder Gastrointestinaltrakt), begleiten. Der Verdauungstrakt bzw. Magen-Darm-Trakt erstreckt sich von der Mundhöhle über die Speiseröhre und den Magen bis zum Darm und endet mit dem Anus. Du wirst in Kürze erfahren, was mit dem Essen während dieser Reise durch den Verdauungstrakt passiert.

Stell dir vor, du wärst ein Reisender in einer Kapsel, die so groß ist wie eine Vitamintablette. Zuerst musst du dich schrumpfen lassen, um in die Kapsel zu kommen. Schau dir Abbildung 3.4. an, um dir vorzustellen, wie du in der Vitaminkapsel aussehen könntest.

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Karte deines Verdauungstrakts Teil I

Bevor du die dunkle, turbulente Reise durch den Verdauungstrakt beginnst, musst du dir die Karte anschauen, um dich zu orientieren und zu wissen, durch welche Organe du hindurchreisen wirst. Diese Karte verzeichnet nur die groben und wichtigsten Reiseziele.

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Vertiefung

Wusstest du schon?
Eine durchschnittliche Person isst eine halbe Tonne Lebensmittel pro Jahr. Welche Menge Lebensmittel wirst du in deinem Leben gegessen haben, wenn du 87 Jahre alt wirst?



Was, meinst du, wirst du durch die Kapsel alles sehen? Du brauchst den Scheinwerfer, um etwas sehen zu können und dich zu orientieren. Du kannst durch die Wände deiner Kapsel hindurchsehen. Du hast ein Druckmessgerät (P), um den Knetdruck der Muskeln zu messen. Du hast auch einen Greifarm für Proben und einen Säuremesser. Du solltest die wichtigsten Stationen auf deiner Reise in einem Diagramm festhalten, um deine Untersuchungen aufzuzeichnen.

Anmerkung

Was meinst du?
Hast du jemals eine Fernsehwerbung für eine heiße, dampfende Pizza gesehen, die dich hungrig gemacht hat, obwohl du kurz vorher eigentlich gar nicht hungrig gewesen bist? Ein russischer Wissenschaftler, Dr. Pavlov, hat ein Experiment zum Thema Speichelfluss mit einem Hund gemacht. Immer wenn der Hund gefüttert wurde, klingelte Dr. Pavolv mit einer Glocke. Der Hund hatte eine erhöhte Speichelproduktion, wenn er sein Essen roch und schmeckte. Nach vielen Fütterungen, die immer von einem Glockenklingeln begleitet wurden, fing der Hund mit der Speichelproduktion an, sobald die Glocke geklingelt wurde – selbst wenn gar kein Essen serviert wurde. Was, meinst du, sagt dieses Experiment über die Verbindung von unserem Gehirn und unserem Verdauungstrakt aus? Warum sind wir davon überzeugt, hungrig zu sein, auch wenn unser Magen anderer Meinung ist? Oder warum sind wir überzeugt, nicht hungrig zu sein, wenn wir es aber in Wirklichkeit sind? Ist dies ein gesundes Verhalten? Warum oder warum nicht?

Die Mundhöhle

Jetzt sind wir bereit, die Reise anzutreten. Ein Freund hilft dir und legt deine Kapsel in die Mitte eines Sandwichs mit Schinken, Salat und Tomaten. Du wirst zu einem Mund gehoben und spürst eine plötzliche Beschleunigung, wie in einem Aufzug. Plötzlich wird es dunkel. Dann hörst du Schneide- und Mahlgeräusche. Deine Kapsel gleitet über eine gummiartige Oberfläche, die sich auf und ab bewegt. Es ist eine Zunge! Mayonnaisekleckse, Tomatenstückchen, Salatfetzen und Brotbröckchen hüpfen an deiner Kapsel entlang. Durch dieses Getümmel siehst du, wie die Schneidezähne arbeiten und große Stücke des Sandwichs abbeißen.

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Aufgabe

Kannst du verschiedene Arten von Zähnen nennen?
Finde die Schneidezähne. Welches sind die Eckzähne? Welches sind die vorderen Backenzähne (Prämolaren) und die hinteren Backenzähne (Molaren)?



Vertiefung

Wusstest du schon?
Deine Zähne wachsen nicht mehr, nachdem sie durch dein Zahnfleisch gestoßen sind und ihre volle Größe erreicht haben. Der Zahnschmelz hält sie davon ab weiterzuwachsen. Während deines Lebens wachsen dir zwei Arten von Zähnen. Im Alter von etwa 6 Jahren fallen dir deine ersten Zähne, die Milchzähne, aus. Die Milchzähne lockern sich und fallen aus, wenn die Zähne des bleibenden Gebisses nachrücken.

Die Zähne

Mit den Zähnen wird das Essen zermahlen. Die vorderen Zähne sind die Schneidezähne. Sie beißen das Essen ab. Die oberen und unteren Schneidezähne arbeiten wie kleine Scheren und schneiden kleine Stücke aus dem Sandwich heraus. Seitlich befinden sich die scharfen, leicht gespitzten Eckzähne. Man nennt sie in der Fachsprache auch Canini (vom Lateinischen = hündisch), da sie wie die langen, spitzen Zähne der Hunde aussehen. Mit den Eckzähnen kannst du das Fleisch von Hühnchenknochen knabbern. Hinter den Eckzähnen befinden sich die vorderen Backenzähne und dahinter die hinteren Backenzähne. Die Prämolaren (vordere Backenzähne) und Molaren (hintere Backenzähne) sind dazu da, die Essensstücke, die von Schneide- und Eckzähnen abgebissen wurden, zu zerkleinern und zu zermahlen. Die Prämolaren haben zwei Höcker (oder Spitzen). Die Molaren haben mehr.

Refexion

Überprüfe dich selbst!
Kannst du herausfinden, welche unterschiedlichen Ernährungsweisen verschiedene Tiere haben, indem du ihre Zähne anschaust? Beschreibe einige Unterschiede von verschiedenen Tierzähnen und wie die Zähne zu der Ernährung des Tieres passen.



Lass uns nun wieder zu unserer Reise zurückkehren. Deine Kapsel befindet sich noch in der Mundhöhle. Die Schneide- und Mahlgeräusche werden immer lauter. Deine Kapsel befindet sich in der Nähe der flachen Molaren, die damit beschäftigt sind, die Sandwichstücke zu zermahlen. Du kannst dabei zuschauen, wie Tomate, Brot und Salat zerstampft werden.

Speicheldrüsen

Nun schaltest du den Scheinwerfer an, um die schleimige, sich bewegende Wand in der Nähe des zweiten, oberen Molars anzuschauen. Du kannst eine Öffnung sehen. Ab und zu spritzt eine Flüssigkeit aus dem Loch, wie bei der Scheibenwischeranlage eines Autos. Diese Flüssigkeit spritzt gegen deine Kapselwand. Mit dem Greifarm sammelst du eine Probe dieser Substanz auf, bei der es sich, wie du wahrscheinlich schon erraten hast, um Speichel handelt.

Refexion

Überprüfe dich selbst!
Der Anblick und Geruch von leckerem Essen kann deinen Speichelfluss anregen. Eine anderer Zustand, bei dem Speichelfluss angeregt wird, ist Übelkeit (wie z.B. bei der Seekrankheit). Welche Rolle könnte der Speichel deiner Meinung nach bei Übelkeit spielen?



Speichel, der von den Speicheldrüsen produziert wird, enthält ein spezielles Enzym, die Amylase. Ein Enzym ist ein Protein (Eiweiß) in den Zellen, das chemische Reaktionen auslösen bzw. beschleunigen kann. Amylase ist ein Enzym des Speichels, das Stärke in Zucker aufspaltet. Du kannst das Produkt der Amylase schmecken, wenn du etwa fünf Minuten auf einem Stück Weißbrot kaust, da die in dem Brot enthaltene Stärke in deinem Mund langsam in Zucker umgewandelt wird.

Die Stärke in dem Stück Brot ist ein sehr langes Molekül – eine Kette von vielen Zuckermolekülen. Deine Geschmacksknospen auf der Zunge, die Süße wahrnehmen, können dieses lange Stärkemolekül nicht schmecken. Du kannst Zucker nur schmecken, wenn er in kleinere Teile zerschnitten oder aufgespalten wird. Das Enzym Amylase zerschneidet die lange Stärkekette in kleinere Stücke, von denen manche nur 2 Zuckereinheiten haben.

Bei deiner Beobachtung kannst du feststellen, dass die Verdauung von Stärke bereits in der Mundhöhle anfängt, da dort das lange Stärkemolekül in kleinere Stücke zerschnitten wird. Bei den kleinen Doppeleinheiten von Zucker handelt es sich um Maltose. Später spaltet ein anderes Enzym die beiden Zuckereinheiten der Maltose auf, wobei zwei Einfachzucker Glukose entstehen.

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Übung

Übung 3-3: Verdauungsenzyme in Aktion

Einführung
In dieser Übung kannst du das Resultat von Enzymaktivität beobachten, bei der das Enzym Laktase Laktose, einen Milchzucker, bildet.

Materialien pro Gruppe

  • normale und laktosefreie Milch
  • Glukose-Teststreifen (4)
  • Laktasetabletten (2)
  • Zwei kleine Becher
  • Kreppband
  • Tätigkeitsbericht


Durchführung

Schritt 1: Verwende das Kreppband, um einen Becher mit Nr. 1 zu beschriften. Gieße eine kleine Menge normale Milch in den Becher Nr. 1.

Schritt 2: Verwende das Kreppband, um den zweiten Becher mit Nr. 2 zu beschriften. Gieße eine kleine Menge laktosefreie Milch in den Becher Nr. 2.

Schritt 3: Teste den Glukosegehalt beider Milchsorten mit dem Glukose-Teststreifen. Notiere die beobachteten Ergebnisse in deinem Tätigkeitsbericht.

Schritt 4: Zerbrich zwei Laktasetabletten und gib je eine in einen Becher. Rühre um.

Schritt 5: Teste die Milch in den beiden Bechern mit dem Glukose-Teststreifen. Notiere die Ergebnisse in deinem Tätigkeitsbericht.

Karte deines Verdauungstrakts Teil II

Enzyme

Du konntest die Arbeit eines Verdauungsenzyms in Übung 3-3 beobachten. Aber was sind Enzyme eigentlich? Enzyme sind Proteine, also Eiweiße. Sie brauchen häufig die Hilfe von Mineralien und Vitaminen, um ihre Arbeit zu erledigen. Immer wenn Energie im Körper freigesetzt wird, braucht man Enzyme. Immer wenn ein Molekül verändert wird, entweder größer oder kleiner wird, braucht man Enzyme. Es gibt mehrere Tausend Enzymtypen in deinem Körper, und jedes hat eine spezielle Aufgabe. Sie haben meist lange Namen, die mit "ase" enden. Der Name eines Enzyms verrät dir, woher es kommt und was es macht. Beispielsweise kommt die Speichel-Amylase aus den Speicheldrüsen und spaltet Stärke (aus dem griechischen Amylon = Stärkemehl).

Vertiefung

Wusstest du schon?
Deine Speicheldrüsen produzieren rund 4 Tassen Speichel pro Tag. Speichel besteht zu 99% aus Wasser. Der Rest ist aus chemischen Substanzen, wie zum Beispiel Enzymen, zusammengesetzt, die bei der Verdauung helfen. Speichel hält deinen Mund und Rachen feucht. Er hilft dabei, dass das Essen deine Speiseröhre gut herunterrutschen kann. Außerdem trägt er dazu bei, dass die Nahrung je nach Bedarf gekühlt oder erwärmt wird und der Verdauungsprozess in Gang kommt. Hast du jemals gemerkt, dass saures oder trockenes Essen deinen Speichelfluss anregt?



Eine Funktion von Enzymen ist es, die Nahrungsmoleküle aufzuspalten und Energie im Körper frei zu setzen. Wenn all die Energie aus dem Essen auf einmal freigesetzt würde, dann gäbe es eine Explosion. Zum Beispiel: Der Energiegehalt von einem Stück Schokoladencremetorte würde ausreichen, um die Körpertemperatur einer 50kg schweren Person auf 47,2°C zu erwärmen. Wenn diese Erhöhung der Körpertemperatur plötzlich geschehen würde, würde die Person sterben. Enzyme bauen Dinge Stück für Stück ab, indem sie Molekülverbindungen auftrennen. Enzyme veranlassen auch, dass Energie in Molekülen gespeichert wird, statt sie als Wärme freizusetzen. Chemiker sagen, dass Enzyme Katalysatoren sind. Katalysatoren lassen chemische Reaktionen einfacher und schneller ablaufen. Auch werden Enzyme und Katalysatoren nicht bei einer Reaktion verbraucht. Deshalb kann ein kleines Enzym viele Reaktionen katalysieren und beispielsweise immer wieder Stärkemoleküle in Einfachzucker aufspalten. Der Körper braucht keine riesigen Speicheldrüsen, da bereits ein kleines Enzym eine große Menge an Arbeit leisten kann und eine Menge Stärke, die du isst, spaltet. Du produzierst täglich etwa einen Liter Speichel, wovon das meiste Wasser ist.

Vertiefung

Wusstest du schon?
Wenn Essensreste in die Luftröhre statt in die Speiseröhre gelangen, verschluckt man sich. Hierbei kann man weder sprechen, da das Essen die Stimmbänder blockiert, noch atmen, da die Luftwege blockiert sind. Es ist wichtig, der erstickenden Person schnell zu helfen, da die Lunge immer weniger Sauerstoff an das Blut abgeben kann. Wenn die Person versucht zu atmen, kann es sein, dass sich die Essensreste noch tiefer in die Luftröhre saugen und die Atemwege noch mehr verschließen. Hier kann man den sogenannten Heimlich-Handgriff (auch Heimlich-Manöver genannt) anwenden, den man z.B. beim Erste-Hilfe-Kurs lernt. Er wurde von dem amerikanischen Arzt Dr. Heimlich entwickelt. Mit dieser lebensrettenden Sofortmaßnahme kann man den verschluckten Fremdkörper mit Hilfe der in der Lunge befindlichen Restluft wieder aus den Atemwegen befördern.



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Speiseröhre

Zurück zu unserer Reise: Deine Kapsel wird heruntergeschluckt und beginnt eine Achterbahnfahrt. Die Speiseröhre ist eine Röhre, die von der Mundhöhle bis zum Magen reicht. Sie liegt hinter Luftröhre, Herz und Lunge und geht durch das Zwerchfell. Die Röhre ist geschlossen, wenn nicht gerade etwas heruntergeschluckt wird oder Gase nach oben befördert werden.

Der Schluckakt

Bevor du in deiner Kapsel heruntergeschluckt wirst, befindest du dich in der Zungenmitte. Die Werte auf deinem Druckmessgerät erhöhen sich und die Kapsel wird mit der Zunge an die Mundhöhlendecke gepresst. Die Kapsel rutscht in den hinteren Teil der Mundhöhle. Der weiche Teil des Rachens verschließt die Verbindung zwischen Mund und Nase, sodass du nicht in die Nasenhöhle gelangen kannst. Der sogenannte Kehldeckel liegt über der Luftröhrenöffnung. Beim Schluckakt wird der Kehldeckel geschlossen, um die Luftröhre zu verschließen. Luftbläschen umgeben dich, während du beobachtest, wie der Kehldeckel über der Luftröhre zuklappt. Bevor man schlucken kann, muss die Atmung für einen Augenblick anhalten. Während deine Kapsel an der Luftröhrenöffnung vorbei gleitet, tut sich eine große Öffnung auf. Die Kapsel rutscht durch diese Öffnung. Nun befindest du dich in der Speiseröhre hinter der Luftröhre. Dein Druckmessgerät zeigt immer noch einen hohen Druck an.

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Vertiefung

Wusstest du schon?
In deinem Verdauungstrakt befinden sich viele Schließmuskeln, die die Bewegung der Nahrung durch den Magen-Darm-Trakt kontrollieren. Forme einen Ring mit deinem Zeigefinger und Daumen. Nun krümme den Zeigefinger so, dass die Öffnung kleiner und kleiner wird. So funktioniert auch ein Schließmuskel.



Die Speiseröhre ist wie ein dunkler, schlapper Gummitunnel, der es deiner Kapsel erlaubt, nach unten zu rutschen, sich aber hinter dir wieder verschließt. Dadurch dass sich die Speiseröhre hinter dir schließt, wirst du heruntergepresst. Am Ende der Speiseröhre liegt der Magen. Dein Druckmessgerät misst einen hohen Druck, bis du durch die Speiseröhre in den Magen fällst. Die Druckbarriere, durch die du dich gerade bewegt hast, nennt man den unteren Schließmuskel der Speiseröhre (oder Ösophagussphinkter). Ein Schließmuskel ist ein Muskelschlauch. Der untere Schließmuskel der Speiseröhre bewirkt, dass das, was sich im Magen befindet, nicht mehr hoch in die Speiseröhre kann. Dies wird erreicht, indem der Schließmuskel stets komplett verschlossen ist und sich nur kurz öffnet, wenn Nahrung von der Speiseröhre zum Magen befördert wird.

Magen

Nun befindest du dich im Magen. Deine Kapsel liegt in einem blubbernden, schleimigen Speisebrei. Der Speisebrei im Magen ist eine halbflüssige Mischung aus Verdauungssäften und teilweise verdautem Essen. Du kannst durch deine Kapsel zwar immer noch Salat-, Tomaten- und Brotstückchen sehen, doch sind sie viel kleiner geworden. Dein Druckmessgerät misst einen geringeren Druck als in der Speiseröhre. Der Druck ist geringer, da der Magen sich gut ausdehnen kann, wenn die Nahrung von oben angeliefert wird. Dein Säuremesser zeigt einen hohen Säuregrad an. Warum ist dein Mageninhalt säurehaltig?

Magensäure

Die Säure hilft dem Magen dabei, Essen in kleinere Stücke zu zerlegen. Die Magenwand grenzt den Magen von den umgebenden Organen ab, sodass die Säure deinen restlichen Körper nicht zerlegt und verdaut. Auch die Magenwand muss vor der Säure geschützt werden. Zellen der Magenwand, die Magenschleimhaut, sondern eine schleimige Substanz ab. Schleim beschützt die Magenwand vor der Magensäure. Wenn die Magenschleimhaut beschädigt wird, greift die Säure die Magenwand an, was Schmerzen und Krämpfe verursacht. Hast du schon mal von einem Magengeschwür gehört? Bei Magengeschwüren ist die Magenschleimhaut beschädigt. Manchmal bluten Magengeschwüre, wobei das Blut sich mit der Magensäure vermischen kann. Wenn das Hämoglobin in diesem Blut mit der Magensäure vermischt wird, färbt es sich dunkelbraun oder schwarz. Jeder, der schwarzen, klebrigen Stuhl hat, der aussieht wie Öl oder Teer, sollte sofort zum Arzt gehen, da es ein Symptom für eine Magenblutung oder ein Magengeschwür sein könnte. Magengeschwüre werden häufig durch Bakterieninfektionen verursacht. Eine weitere Ursache könnte aber auch die Überproduktion von Magensäure sein, die bei Menschen auftritt, die verkrampft oder sorgenvoll sind oder entzündungshemmende Medikamente nehmen. Rauchen, Stress, Alkohol, Kaffee (auch entkoffeinierter), Aspirin, oder Koffein können den Schutzmechanismus des Magens schädigen und blutende Magengeschwüre verursachen. Magengeschwüre können häufig mit einer Kombination aus Antibiotika und Medikamenten behandelt werden, die die Säure neutralisieren. Darüber hinaus sollte auch auf den Lebensstil geachtet werden, da Leute, die unter Magengeschwüren leiden, aufpassen müssen, dass es nicht zu einem Rückfall kommt. Dieses bedeutet, dass sie lernen müssen, wie man gesund lebt, isst und auf Stress reagiert. Stress kann eine höhere Produktion von Magensäure bewirken und Sodbrennen verursachen. Sodbrennen entsteht, wenn der untere Schließmuskel (Ösophagussphinkter) nicht richtig schließt und Magensäure in die Speiseröhre kommt. Dies kann ein Brenngefühl in der Speiseröhre verursachen. Man kann auch Sodbrennen bekommen, wenn man zu viel isst, zu enge Kleidung trägt oder einen Defekt an der Magenschließmuskulatur hat.

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Vertiefung

Denke darüber nach, wie du dich fühlst, wenn du gestresst bist. Wie fühlt sich dein Magen an? Erkläre, wie es deiner Meinung nach bei sehr gestressten Personen zu einem Magengeschwür kommen kann. Beschreibe mehrere Wege, wie du mit Stress in deinem Leben umgehen kannst, sodass du dich entspannt und nicht verkrampft fühlst.



Die Magensäure beschützt dich ebenfalls vor eindringenden Organismen. Es ist unmöglich, etwas zu essen, ohne dabei auch manchmal Bakterien oder Keime aufzunehmen. Allerdings werden die meisten Keime durch die Magensäure im Magen abgetötet.

Die Verdauung von Eiweiß

Lass uns nun wieder zurück zu deiner Reise gehen. Das Sandwich wird mehr und mehr in deinem Magen zerstückelt und verdaut. Deine Kapsel schwimmt in einer Mischung aus Verdauungssäften und Lebensmitteln, dem Speisebrei, auf und ab. Die Verdauungssäfte bestehen aus Säure, Enzymen und Schleim, die von den Zellen in der Magenwand gebildet werden. Die Enzyme, die vom Magen gebildet werden, fangen an, die Eiweiße im Schinken, Salat und in der Tomate herunterzubrechen. Das Magen-Enzym Pepsin verdaut Eiweiße, indem es die langen Eiweißketten in kürzere Stücke schneidet. Wenn Eiweiße (Proteine) abgebaut werden, schwimmen die kurzen Kettenstücke mit all den anderen Dingen im Speisebrei. Später im Verdauungstrakt werden diese kurzen Ketten in einzelne Aminosäuren heruntergebrochen bzw. ‚zerschnitten’. Diese sind die Bausteine von Eiweißen.

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Vertiefung

Wusstest du schon?
Was ist ein Rülpser? Dein Magen durchmengt den Speisebrei mit Aminosäuren und Enzymen, damit die Verdauung in Gang bleibt. Gasblasen lösen sich aus dem Speisebrei. Diese Gase sind im Grund nichts anderes als die Luft, die du beim Essen heruntergeschluckt hast. Wenn die Gasblase, die sich aus dem Speisebrei löst, größer wird, drückt sie gegen den unteren Magenschließmuskel. Gelegentlich lässt der untere Magenschließmuskel ein bisschen von diesem Gas nach oben in die Speiseröhre entweichen. Wenn das passiert, musst du rülpsen. Rülpser können ziemlich stinken, je nachdem, was du vorher gegessen hast und was die Magensäure mit dem von dir Gegessenen gemacht hat. Es ist höflich, sich die Hand vor den Mund zu halten, wenn du rülpsen musst.

Peristaltik

Peristaltik bezeichnet den Prozess, bei dem das Essen sich durch den Verdauungstrakt bewegt. Dein gesamter Verdauungstrakt hat Schichten von Muskelgewebe in seinen Wänden. Wenn diese Muskelwand den Verdauungstrakt zudrückt, wird er schmaler und kürzer. Die Muskeln deines Magen-Darm-Trakts ziehen sich der Reihe nach zusammen und drücken, sodass das verdaute Essen sich in eine Richtung bewegt. Im Magen wird der Speisebrei durch die kontrahierenden Muskeln der Magenwand durchgemengt, damit die Lebensmittel in kleinere Teile heruntergebrochen werden können. Die Muskeln drücken sich der Reihe nach wie Kontraktionswellen zusammen und bewegen so das Essen durch den Verdauungstrakt - vom Mund in Richtung Anus. In Übung 3-4 werden deine Finger die Rolle dieser Muskeln übernehmen, um Essen durch eine lange Verdauungsröhre zu pressen.

Einzelnachweise


Der Dünndarm

Deine Kapsel verlässt den Magen, indem sie sich durch den Magenpförtner (Pylorus) presst. Diese ringförmige Schließmuskulatur hält den Speisebrei lange genug in deinem Magen, sodass die langen Eiweißketten in kleinere heruntergebrochen werden können. Der Pylorus verhindert, dass der Speisebrei den Magen zu schnell wieder verlässt. Nun befindet sich deine Kapsel im Dünndarm. Hier findet die meiste Verdauung und Absorption von Nährstoffen statt. Was passiert mit der Magensäure im Speisebrei? Welche chemischen Substanzen verdauen das Essen im Dünndarm? Du wirst diese Themen im nächsten Abschnitt behandeln.

Aufgabe

Fragen zur Überprüfung

  1. Die drei großen Bestandteile deines Essens, Kohlenhydrate, Fette und Eiweiß, müssen verdaut werden. Inwieweit ähneln sich die Verdauungsprozesse dieser drei Nährstoffgruppen und worin unterscheiden sie sich, bis sie zum Pylorus gelangen?
  2. Warum ist es wichtig, das Essen gut durchzukauen?
  3. Welche Rolle spielen Enzyme in der Verdauung? Nenne zwei Beispiele. Erkläre, wo welches Enzym gebildet wird, wo es arbeitet und was es tut.
  4. Wie wird das Essen durch den Verdauungstrakt bewegt? Wie wird das Essen in die richtige Richtung bewegt?