Sexuelle Reifung

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Mit welchen Veränderungen sollten Jungen und Mädchen rechnen?

Dein Körper durchläuft in deinem Leben zwei Abschnitte des schnellen Wachstums. Der erste Abschnitt ist von der Geburt bis zum Alter von etwa drei Jahren. Der zweite Abschnitt ist während der Pubertät. Die Pubertät ist auch eine Zeit, in der sich die Geschlechtsorgane – sowohl von Mädchen als auch von Jungen – schnell entwickeln. Die Veränderungen, die in der sexuellen Reife resultieren, ermöglichen es, die biologische Hauptfunktion der menschlichen Spezies zu verwirklichen: Die Fähigkeit zur Fortpflanzung.

Vertiefung

Wusstest du schon?
Lebenswichtige Organe – wie das Herz oder die Lunge – erhalten jeden einzelnen von uns am Leben. Geschlechtsorgane ermöglichen es uns, als Art zu überleben.



Sexuelle Reifung umfasst zwei Arten von Veränderungen: "Primäre" Veränderungen betreffen die Geschlechtsorgane selbst, wie zum Beispiel die Hoden und die Eierstöcke. In diesen Geschlechtsorganen werden bei Männern Spermien und bei Frauen Eizellen produziert.

Zusätzlich kommt es zu weiteren, damit verbundenen Veränderungen, wie beispielsweise dem Wachstum der Brüste bei Mädchen und dem Wachstum von Haaren unter den Achseln bzw. in den Intimzonen von Jugendlichen beider Geschlechter. Diese Geschlechtsmerkmale gelten als "sekundär", weil sie die Geschlechtsorgane nicht direkt betreffen. Diese Merkmale sind geschlechtsspezifisch, da sie auf sexuelle Reife hindeuten und männlich von weiblich unterscheiden.

Ich habe das Gefühl, dass das, was mit mir passiert, nicht nur das, was man an meinem Körper sehen kann, sondern alles, was darin passiert, ganz wundervoll ist. Ich spreche niemals mit jemandem über mich oder diese Dinge; und das ist der Grund, warum ich mit mir selbst darüber reden muss.

Sexuelle Reifung bei Mädchen

Für Mädchen ist das Einsetzen der Menstruation eine der wichtigsten Erfahrungen in der Pubertät. Die Menstruation ist der Blutfluss, der aus der Vagina austritt, wenn die Schleimhaut der Gebärmutter einmal im Monat abgestoßen wird. Die meisten Mädchen haben ihre erste Periode (Menarche) im Alter von 11 bis 13 Jahren. Genauso gut und normal kann es aber sein, wenn sie bereits früh, im Alter von 9, oder gar erst im Alter von 16 bis 17 Jahren auftritt.

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Während einer Menstruationsperiode, die normalerweise mehrere Tage andauert, fließt Menstruationsflüssigkeit von der Gebärmutterschleimhaut aus der Vagina. Diese Flüssigkeit besteht aus Blut und abgestoßenem Gewebe der Gebärmutter (Uterus). Die meisten Frauen haben von Beginn der Pubertät bis zum Alter von etwa 50 Jahren jeden Monat ihre Periode, außer, wenn sie schwanger sind. Während dieser Zeit sind Frauen im gebärfähigen Alter. Wenn eine ältere Frau ihre Periode nicht mehr bekommt und entsprechend nicht länger gebärfähig ist, sagt man, dass sie die Menopause (oder Wechseljahre) erreicht hat. Auch das ist ein normales Stadium des Erwachsenenalters.

Anmerkung

Was meinst du?
Wie findest du es, wenn Mädchen früh schwanger werden? Was spricht für die Austragung des Kindes, was dagegen? Begründe deine Meinung!



Während der Pubertät zeigt sich das Wachstum der Brüste normalerweise zunächst dadurch, dass der Bereich unter den Brustwarzen knospt oder ein wenig anschwillt. Dann kann es sein, dass der Bereich vorübergehend berührungsempfindlich ist. Im nächsten Entwicklungsschritt vergrößern sich die Brüste und die Vorhöfe der Brustwarzen. Die Brustwarzenvorhöfe sind der dunklere Hautbereich um die Brustwarzen.

Wie es mit allen Teilen und Bereichen während des Wachstums in der Pubertät der Fall ist, kann die Geschwindigkeit, mit der die Brüste wachsen, variieren, sodass zeitweise eine Brust größer als die andere ist. Auch wenn das nur vorübergehend der Fall ist, sorgen sich einige Mädchen über diesen Unterschied. Sogar erwachsene Frauen haben teilweise unterschiedlich große Brüste, wenngleich dieser Unterschied nur ihnen selbst auffällt. Jeder Größenunterschied ist hauptsächlich auf die Menge an Körperfett zurückzuführen, die im Brustgewebe eingelagert wird, und nicht auf die Milchdrüsen. Insofern hat die Brustgröße einer Frau nichts mit ihrer Fähigkeit zu tun, einen Säugling zu stillen. Kleinere und größere Brüste funktionieren in gleicher Weise.

Sexuelle Reifung bei Jungen

Die Anzeichen für die sexuelle Reifung bei Jungen sind nicht so offensichtlich wie bei Mädchen. Wahrscheinlich werden die frühesten Veränderungen gar nicht auffallen, wie beispielsweise die Vergrößerung der Hoden, also der Organe, in denen die Samenzellen produziert werden. Eine Veränderung am Hodensack hingegen, in dem die Hoden sind, ist ein wenig auffälliger, da die Haut gröber wird. Ungefähr ein Jahr, nachdem die Hoden begonnen haben zu wachsen, fängt auch der Penis an, länger zu werden, während Hoden und Hodensack sich weiter vergrößern. Der Penis ist das Organ, durch das Sperma und Urin geleitet werden.

Während sich die Hoden vergrößern, beginnt die Produktion von Samenzellen. Die Produktion von Samenzellen setzt während der Pubertät ein und dauert für den Rest des Lebens eines Mannes an. Diese Produktion ist für die Fortpflanzung notwendig, weil sich eine männliche Samenzelle mit der Eizelle einer Frau vereinigen muss, um ein Embryo zu erzeugen. Samenzellen und Nährflüssigkeit bilden dann das Sperma. Sperma ist das, was während einer Ejakulation (Samenerguss) aus dem Penis kommt.

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Männliche Jugendliche finden heraus, dass sie Sperma produzieren, wenn sie anfangen, "feuchte Träume" oder nächtliche Samenergüsse zu haben. Hiervon spricht man, wenn während des Schlafes Sperma aus dem Penis ejakuliert wird. Meistens kommt es ab einem Alter zwischen 13 und 14 Jahren zu nächtlichen Samenergüssen. Manche haben sie früher, andere haben sie später oder gar nicht. Jede dieser Erfahrungen ist normal. Auch wenn ein nächtlicher Samenerguss ein unbedenkliches Ereignis ist, machen sich einige Jungen Sorgen. Sie denken dann, dass sie vielleicht krank sind, oder schämen sich, wenngleich feuchte Träume ganz normal sind und viele männliche Jugendliche feucht träumen. Ein Junge kann seine erste Ejakulation allerdings auch erleben, wenn er seinen Penis selbst stimuliert (Masturbation).

Refexion

Überprüfe dich selbst!
Was ist die Funktion der Hoden?



Anmerkung

Was meinst du?
Kannst du dir einen Grund dafür vorstellen, dass Haarwachstum in unterschiedlichen ethnischen Gruppen variiert? Männer aus Asien haben einen dünneren und weniger dichten Bartwuchs, während Männer aus südländischen oder mittelöstlichen Gebieten einen eher dunkleren und dichteren Bartwuchs haben.



Bei den sekundären Geschlechtsmerkmalen setzt zum Beispiel das Wachstum der Schambehaarung bei Jungen relativ früh in der Pubertät ein, meistens im Alter zwischen 10 und 15 Jahren. Das Wachstum der Schambehaarung beginnt an der Peniswurzel. Zunächst wachsen nur wenige, glatte Haare, die erst später dunkler und dicker werden. Die Schambehaarung wächst kontinuierlich weiter und breitet sich zunehmend in Richtung Bauch aus.

Etwa zwei Jahre nach dem ersten Wachsen der Schambehaarung beginnen auch die Haare unter den Achseln zu wachsen. Ungefähr zur selben Zeit bilden sich auch Flaumhaare an der Oberlippe aus. Nach und nach breitet sich der Bartwuchs in Richtung Wangen aus, während die Haare dicker und schließlich zu einem Bart werden. Je nach Veranlagung entwickeln manche Jungen einen stärkeren und andere einen schwächeren Bartwuchs. Dasselbe gilt für die Brustbehaarung: Einige entwickeln eine starke Brustbehaarung, während andere so gut wie keine haben. Das Wachstum der Brustbehaarung tritt allerdings erst vergleichsweise spät in der Pubertät auf.

Männer haben generell tiefere Stimmen als Frauen. Spät in der Pubertät wird die Stimme eines Jungen tiefer, wenn der Kehlkopf (Larynx) zu wachsen beginnt. Dieser größere Kehlkopf wird häufig auch als "Adamsapfel" bezeichnet. Dabei durchlaufen Jungen während des Stimmbruchs eine Zeit, in der ihre Stimme während eines Satzes zwischen hohen und tiefen Tönen schwankt. Während das bei Jungen viel auffälliger ist, kommt es auch bei Mädchen zu einem gewissen Grad an Stimmbruch.

Einige Veränderungen, die wir mit der Entwicklung von Mädchen verbinden, können aber gleichermaßen bei Jungen auftreten, wenngleich auch weniger stark ausgeprägt. So kann es beispielsweise sein, dass manche Jungen eine gewisse Druckempfindlichkeit im Bereich der Brustwarzen verspüren, die mit einer kurzzeitigen Vergrößerung des Brustgewebes einhergeht. Ein Junge, der zu Übergewicht neigt, kann so zum Beispiel den Anschein erwecken, Brüste zu haben. Dieses Wachstum des Brustgewebes ist nicht selten und betrifft etwa zwei von drei Jungen im Alter von 14 Jahren. Nach ein bis zwei Jahren bilden sich die Brüste aber zurück. Falls das einmal nicht so sein sollte, können Ärzte diesen Zustand aus optischen Gründen behandeln.

Anmerkung

Was meinst du?
Warum sprechen wir mehr über die erste Menstruation (Menarche) eines Mädchens als über die erste Ejakulation (Ejakularche) eines Jungen? Handelt es sich dabei um ähnliche oder gänzlich verschiedene Ereignisse?



Unter Vererbung versteht man die Übertragung von biologischen Merkmalen von den Eltern auf das Kind. Für die Vererbung sind Gene verantwortlich, die alle Informationen darüber enthalten, wie sich der Körper entwickeln und wie er funktionieren soll. Jede Spezies hat dabei einen eigenen Zeitplan für die Reifung zur Fruchtbarkeit. Bei Menschen erfolgt die sexuelle Reifung während der Pubertät. Die genetische Vielfalt und die verschiedenen Umweltfaktoren sorgen aber dafür, dass jeder von uns einzigartig ist. Zwar entwickeln wir uns alle in einer vorhersagbaren Art und Weise, aber nicht nach einem exakten oder identischen Zeitplan.

Gene bestimmen auch, dass du dich in einer bestimmten Geschwindigkeit entwickelst. Beispielsweise erleben Mädchen, die miteinander nicht verwandt sind, ihre erste Periode (Menarche) mit einem durchschnittlichen Zeitunterschied von 19 Monaten. Schwestern hingegen, die von ihren Eltern einige derselben Gene geerbt haben, haben ihre erste Periode innerhalb von 10 Monaten nach Erreichen desselben Alters. Eineiige Zwillinge, die genau dieselben Gene teilen, haben ihre erste Periode mit einem ungefähren Abstand von drei Monaten.

Bestandteile unserer physischen und sozialen Umwelt:

Umwelt
physisch sozial
Luft Freunde
Lebensmittel Familie
Sonne Lebensgemeinschaft



Umwelt bezieht sich auf alles, was uns umgibt, oder die Welt, in der wir leben. Sie beinhaltet die physische Umwelt, beispielsweise die Luft, die wir atmen, die Nahrung, die wir zu uns nehmen, die Sonne, die auf uns scheint, und all das, womit wir in Kontakt kommen, egal, ob wir uns dessen bewusst sind oder nicht. In der Umwelt ist aber auch unsere soziale Umwelt enthalten, also die Menschen, mit denen wir in Kontakt sind. Zu diesen Menschen zählen unsere Freunde, unsere Familie, die Menschen in unserer Schule, in unserer Stadt, in unserem Land und der gesamten Welt.

Umweltbedingte Einflüsse auf die Pubertät

Vererbung ist schwer zu beeinflussen und erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass du ein bestimmtes Aussehen hast und dich manchmal in einer bestimmten Weise verhältst. Deine Umwelt ist demgegenüber jedoch veränderlich, auch wenn du das nicht immer kontrollieren kannst. Das Wachstum deines Körpers und dessen Entwicklung reagieren sehr sensibel auf deine Umwelt, besonders auf Ernährung, physische und emotionale Gesundheit. Wenn ein junges Mädchen beispielsweise unterernährt oder krank ist, wird sein Körper Nahrung und Energie dafür verwenden, am Leben zu bleiben. Mädchen, die in Gebieten mit einer unzureichenden oder unsicheren Nahrungsversorgung leben, neigen zu einem späteren Eintritt in die Pubertät, als dies gewöhnlich der Fall wäre. Das hat auch seinen Sinn, wenn du bedenkst, dass der Körper einen Schutzmechanismus haben sollte, der das Mädchen davor bewahrt, schwanger zu werden, solange sein Körper die physischen Voraussetzungen nicht erfüllt, um einen Säugling zu füttern oder zu versorgen.

Anmerkung

Was meinst du?
Wie kannst du deine Umwelt am besten einschätzen und kontrollieren? Gib ein Beispiel für einen Bestandteil deiner Umwelt, den du nicht nur gerne ändern würdest, sondern den du auch ändern kannst.



Zahlreiche Studien weisen auf einen direkten Zusammenhang zwischen Ernährung und Gesundheit sowie einer normalen Entwicklung und einem normalen Wachstum während des Kindesalters und der Pubertät hin. Kinder, die unter extremen Bedingungen aufwachsen, in denen Nahrung und medizinische Versorgung rar sind, wachsen unter Umständen weniger oder in einem anderen Tempo als solche Kinder, die eine bessere Ernährung und Fürsorge erhalten. Aus diesen und anderen Gründen variiert die Geschwindigkeit, mit der die sexuelle Reifung unter verschiedenen Umweltbedingungen voranschreitet. Bei Mädchen in Kuba tritt die Menarche beispielsweise im Durchschnitt sechs Jahre früher auf als bei Mädchen in Ruanda (Zentralafrika).

Anmerkung

Was meinst du?
Bei all den technischen Fortschritten, die uns heutzutage zur Verfügung stehen, ist es möglich, Kinder medizinisch zu behandeln, die dem Altersdurchschnitt entsprechend noch nicht in der Pubertät sind. Sollten wir die Kinder, die vom Altersdurchschnitt abweichen und noch nicht in der Pubertät sind, medizinisch behandeln? Oder sollten wir darauf warten, dass die Entwicklung auf natürlichem Wege stattfindet? Warum oder warum nicht? Begründe deine Meinung. Wie lange sollten wir gegebenenfalls warten?





Ein weiterer Faktor, der sich darauf auswirken kann, wann es zur ersten Monatsblutung kommt, ist die körperliche Betätigung. So tendieren sehr sportliche Mädchen dazu, ihre Menarche später zu haben, als solche, die weniger sportlich sind. Bei Frauen, die sehr anstrengende Sportarten ausüben, beispielsweise Marathonläuferinnen, kann die Monatsblutung vorübergehend aussetzen. Dabei kann es sein, dass das Verhältnis von Körperfett zur Körpermasse sich auf die Steuerung der Menstruation durch das Nervensystem auswirkt. Da sportliche Betätigung dazu führt, dass Fett verbrannt wird, wirken sich große Mengen an bestimmten Aktivitäten auf den gewöhnlichen Entwicklungsverlauf der Pubertät aus.

Schließlich können sich auch emotionale Faktoren (Bestandteile deiner sozialen Umwelt) auf das Wachstum auswirken. Kinder aus sozial benachteiligten Verhältnissen, die an Orten aufwachsen, an denen sie keine Zuneigung von ihren Bezugspersonen erfahren, wachsen nicht mit derselben Geschwindigkeit wie andere Kinder. Wenn diese Kinder allerdings in eine andere Umgebung kommen, in der sie Liebe und Zuneigung erfahren, passt sich ihr Wachstum wieder dem normalen Maß an.

Vertiefung

Wusstest du schon?
Vor hundert Jahren setzte bei Mädchen in Nordeuropa die erste Monatsblutung durchschnittlich mit 17 Jahren ein. Heutzutage liegt das Eintrittsalter der ersten Monatsblutung bei 12,8 Jahren. Die fallende Tendenz hat sich abgeschwächt, sodass ein Mädchen heute etwa im gleichen Alter wie ihre Mutter ihre Menarche hat. Die früher einsetzende Reifung wird auf bessere Ernährung und bessere medizinische Versorgung zurückgeführt.



Aufgabe

Fragen zur Überprüfung

  1. Was ist der Unterschied zwischen primären und sekundären Geschlechtsmerkmalen?
  2. Gib jeweils zwei Beispiele für primäre Veränderungen bei Jungen und Mädchen.
  3. Gib jeweils zwei Beispiele für sekundäre Veränderungen bei Jungen und Mädchen.
  4. Welche Körperteile und Organe gehören zum weiblichen Fortpflanzungssystem?
  5. Erläutere einige Gründe, warum es bei einer Frau zu unregelmäßigen Monatsblutungen kommen kann.

Einzelnachweise

  1. http://www.forschung.sexualaufklaerung.de/fileadmin/fileadmin-forschung/pdf/Jugendsexualit%C3%A4t.pdf Herausgeberin : Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) Ostmerheimer Straße 220, 51109 Köln JUGENDSEXUALITÄT 2010 Trenduntersuchung von 14- bis 17jährigen und ihren Eltern im Auftrag der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung Ergebnisse der aktuellen Repräsentativbefragung Mai 2010 Repräsentative Wiederholungsbefragung von 14- bis 17-Jährigen und ihren Eltern – aktueller Schwerpunkt Migration, S. 99