Sexuell übertragbare Krankheiten

Was sind sexuell übertragbare Krankheiten und wie werden sie übertragen?

Geschlechtsverkehr kann eine wundervolle Erfahrung und ein gesunder Teil des Lebens sein. Manchmal kann er aber auch ernst zu nehmende Folgen für deine Gesundheit und dein psychisches Wohlergehen haben.

Vertiefung

Wusstest Du schon?
Jede sexuell aktive Person geht das Risiko ein, sich mit einer sexuell übertragbaren Krankheit zu infizieren. Sich mit solch einer Krankheit zu infizieren hat aber nichts damit zu tun, wer du bist (deine finanzielle Situation, Ethnie oder ob du männlich oder weiblich bist). Stattdessen hat es etwas mit deinem Sexualpartner oder deiner Sexualpartnerin zu tun und den Handlungen, auf die du dich mit ihm oder ihr einlässt.



Sex kann das Leben eines jungen Menschen auf den Kopf stellen und sich unter Umständen negativ auswirken, wenn es zu einer ungewollten Schwangerschaft kommt. Eine Möglichkeit, wie Geschlechtsverkehr die Gesundheit einer Person gefährden kann, ist durch sexuell übertragbare Krankheiten. Dabei handelt es sich um Krankheiten oder Infektionen, die von einer Person durch intimen, sexuellen Kontakt auf eine andere Person übertragen werden. Manche dieser Krankheiten sind nicht mehr als ein Ärgernis und können sehr leicht behandelt werden. Andere hingegen haben sehr schwerwiegende Folgen und können letztlich sogar zum Tod führen.
Wahrscheinlich werden weder du noch die meisten deiner Freundinnen oder Freunde mit sexuell übertragbaren Krankheiten in Kontakt kommen, andere Gleichaltrige aber schon. Hoffentlich wirst du nie an den Folgen einer dieser Krankheiten leiden. Das Wissen, das du über diese Problematik erwirbst, wird dazu beitragen, die Wahrscheinlichkeit zu verringern, dass du dich infizierst.

Das sind unangenehme Themen, die dir unbehaglich sein können. Sie können insbesondere dann schwierig sein, wenn du bereits Erfahrungen damit gemacht hast. Auch kann es sein, dass du dich davor fürchtest, dass dir so etwas widerfahren könnte. Sollte das so sein, wende dich vertrauensvoll an deine Eltern, einen vertrauten Erwachsenen oder eine Beraterin oder einen Berater. Das Wissen über diese unangenehmen Themen ist hilfreich für deine eigene Sicherheit und Gesundheit, soll dir aber weder Angst noch Unbehagen bereiten.

Refexion

Überprüfe dich selbst!
Warum sind insbesondere junge Menschen stärker als ältere Menschen gefährdet, wenn es darum geht, sich mit einer sexuell übertragbaren Krankheit zu infizieren?

Arten sexuell übertragbarer Krankheiten

Sexuell übertragbare Krankheiten haben eine Gemeinsamkeit: Sie werden alle durch sexuellen Kontakt übertragen. Allerdings werden sie von einer Vielzahl an Mikroorganismen verursacht und lösen verschiedene Anzeichen und Symptome aus. Anzeichen können beispielsweise Hautläsionen (Verletzungen der Haut, wie etwa offene Wunden etc.) sein und für andere sichtbar sein. Die infizierte Person selbst erleidet Symptome, wie zum Beispiel Schmerzen. Sexuell übertragbare Krankheiten werden nach den Arten von Mikroorganismen gruppiert, die sie auslösen. Generell werden sie zwei Kategorien zugeordnet; dementsprechend gibt es sexuell übertragbare Krankheiten, die von Bakterien verursacht werden, und solche, die von Viren ausgelöst werden.

Aufgabe

Kampagne gegen sexuell übertragbare Krankheiten
Entwirf einen Button, einen Autoaufkleber und ein Schild, auf denen du jeweils für Sexualhygiene und die Prävention von sexuell übertragbaren Krankheiten wirbst. Stimmt in eurer Klasse gemeinsam über die besten Entwürfe ab und organisiert einen Thementag, an dem es um die Prävention von sexuell übertragbaren Krankheiten geht.

Sexuell übertragbare Krankheiten, die von Bakterien verursacht werden

Bakterien sind einzellige Organismen. Gonorrhö, umgangssprachlich auch als Tripper bezeichnet, ist ein Beispiel für eine sexuell übertragbare Krankheit, die durch Bakterien verursacht wird. Diese Krankheit war bereits zur Zeit der alten Ägypter und Griechen bekannt. Normalerweise wird Tripper während des Geschlechtsverkehrs übertragen. Das Risiko, sich bereits nach einem einzigen ungeschützten Geschlechtsakt mit einer infizierten Person zu infizieren, ist sehr hoch.

Die Symptome von Gonorrhö treten zwei bis zehn Tage nach der Infektion auf. Das Hauptsymptom bei Männern ist ein Ausfluss aus dem Penis. Dabei handelt es sich meistens um eine gelblich-eitrige Flüssigkeit, die während des Urinierens meistens von einem Brennen begleitet wird. Bei Frauen ist das Hauptsymptom ein vaginaler Ausfluss. Allerdings kann ein Ausfluss bei einer Frau auch auf andere, weniger ernste Infektionen zurückzuführen sein. Dementsprechend bedeutet ein Ausfluss bei einer Frau nicht unbedingt, dass sie Gonorrhö hat. Andere Symptome bei einer Frau können – im Gegensatz zu den sehr offensichtlichen Symptomen bei Männern – so unscheinbar sein, dass es sogar möglich ist, dass die Frau eine Infektion gar nicht bemerkt. In jedem Fall kann die Krankheit aber übertragen werden, ohne dass die Person von ihrer Krankheit weiß.

Gonorrhö kann mit Antibiotika behandelt werden und hat normalerweise keine Nachwirkungen. Allerdings kann es, insbesondere bei Frauen, zu ernsthaften Komplikationen kommen, wie etwa Unfruchtbarkeit (Unfähigkeit, Kinder zu bekommen). Soweit kann es kommen, wenn sich die Infektion auf andere Teile des Körpers auswirkt. In jedem Fall sollte umgehend eine Behandlung erfolgen.

Refexion

Überprüfe dich selbst!
Warum ist das Risiko, sich mit Gonorrhö zu infizieren, für Frauen höher als für Männer? (Tipp: Erinnere dich an das, was du in den letzten Abschnitten über sexuell übertragbare Krankheiten gelernt hast.)



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Chlamydien gehören zu den sexuell übertragbaren Krankheiten, mit denen sich Menschen häufig infizieren. Sie treten zur selben Zeit auf wie Gonorrhö. Die Symptome von Chlamydien sind nahezu identisch mit den Symptomen einer Gonorrhö bei Männern: Schmerzen beim Urinieren und Ausfluss. Frauen haben im Unterleib oder während des Geschlechtsverkehrs Schmerzen. Allerdings haben drei von vier infizierten Frauen keinerlei Symptome. Dasselbe gilt für einige Männer, was dazu führen kann, dass sie die Krankheit ohne ihr Wissen an den Sexualpartner weitergeben. Bleiben Chlamydien und andere sexuell übertragbare Krankheiten unbehandelt, können sie bei Frauen eine Beckenentzündung auslösen. Eine Beckenentzündung kann viele gefährliche Komplikationen mit sich bringen, einschließlich Unfruchtbarkeit (Unfähigkeit, sich fortzupflanzen).
Aus den USA ist schon seit längerem bekannt, dass etwa ein Fünftel aller jungen Frauen zwischen 12 und 19 Jahren mit Chlamydien infiziert sind. Frauenärzte befürchten, dass es auch in Deutschland so sein könnte[1].

Wie auch eine Gonorrhö können Chlamydien mit Antibiotika behandelt werden. Es ist allerdings sehr wichtig, dass so früh wie möglich nach dem Auftreten von Symptomen eine medizinische Behandlung einsetzt, damit Komplikationen vermieden werden können.

Der Mikroorganismus, der eine Syphilis verursacht, ist ein Bakterium, das die Form eines Korkenziehers hat. Vor der Erfindung von Antibiotika war Syphilis die schwerste aller sexuell übertragbaren Krankheiten. Sie führte bei einer großen Anzahl von Menschen zu schwerwiegenden Problemen und konnte sogar tödlich verlaufen. Mittlerweile kann eine Syphilis aber erfolgreich mit Antibiotika behandelt werden, zum Beispiel mit Penizillin.

Das erste Symptom einer Syphilis ist eine schmerzlose, rote, wunde Stelle, die normalerweise nach zwei bis sechs Wochen ohne Behandlung wieder verschwindet. Allerdings bedeutet das nicht, dass die Person dann wieder gesund ist. Eine derartige wunde Stelle tritt meistens an den Genitalien auf, kann aber auch an der Lippe oder überall dort auftreten, wo das Bakterium in die Haut eindringt.

Dieses erste Stadium der Syphilis entwickelt sich, falls eine Behandlung ausbleibt, zu einem weitaus gefährlicheren Stadium, das sich in Ausschlag, Rachenentzündung, Kopfschmerzen und Übelkeit äußert. Wenn eine Behandlung ausbleibt, kann sich eine Syphilis auf das Gehirn und andere lebenswichtige Organe auswirken und letztlich sogar tödlich enden.

Sexuell übertragbare Krankheiten, die durch Viren verursacht werden

Viren haben einen einfacheren Aufbau und sind, verglichen mit Bakterien, viel kleiner. Unter einem normalen Mikroskop kann man sie nicht sehen. Die wohl schwerwiegendste sexuell übertragbare Krankheit, die von Viren ausgelöst wird, ist AIDS.

Genitalherpes wird durch Hautkontakt verursacht und löst üblicherweise kleine, schmerzhafte Beulen oder Bläschen aus, die sich zu wunden Stellen entwickeln können. Normalerweise tritt Genitalherpes auf den Geschlechtsorganen auf und führt zu Schmerzen beim Urinieren und beim Geschlechtsverkehr. Für Frauen ist es schwieriger als für Männer, die wunden Stellen oder Bläschen zu sehen. Derzeit gibt es keine vollständige Heilung für Herpes. Hat man sich einmal infiziert, bleibt das Virus im Körper.

Es gibt Medikamente, die die Wahrscheinlichkeit eines Wiederauftretens und die Schmerzen verringern. Wenn die durch Herpes hervorgerufenen Wunden unauffällig sind, gibt es keine Symptome. Aus diesem Grund betrachten einige Menschen Herpes als eine Unannehmlichkeit, die aber gleichzeitig immer auch Bestandteil ihres Sexuallebens ist. Eine Person, die sich einmal mit Herpes infiziert hat, bleibt mit Herpes infiziert und muss dementsprechend Schritte ergreifen, um zu vermeiden, dass weitere Personen infiziert werden. Daher ist es sehr wichtig, keinen Körperkontakt oder Geschlechtsverkehr zu haben, wenn Bläschen sichtbar sind. Allerdings muss es nicht einmal zu Geschlechtsverkehr kommen: Es reicht bereits aus, wenn ein Bläschen Kontakt zu einer Hautstelle bekommt, um den Virus auf eine andere Person zu übertragen.

Eine weitere sexuell übertragbare Krankheit, die durch Viren ausgelöst wird, sind Genitalwarzen. Hierbei handelt es sich um Geschwülste der Haut, die vielen Menschen unter Umständen von anderen Körperregionen bekannt sind.

Genitalwarzen wachsen auf den Genitalien, sind normalerweise nicht schmerzhaft, können aber Juckreiz und Hautreizungen verursachen. Zwar gibt es viele Behandlungsmöglichkeiten für Warzen, jedoch bislang noch keine Möglichkeit, sie auf bequeme Weise wieder loszuwerden. Genau wie bei Herpes reicht es für eine Weiterverbreitung der Warzen aus, wenn man zuerst sie und dann eine andere Stelle des Körpers berührt.

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HIV (Humane Immundefizienz-Virus)

Ein Virus, das übersetzt als "menschliches Abwehrschwäche-Virus" bezeichnet werden kann.

Es schädigt die körpereigenen Abwehrkräfte so, dass in den Körper eindringende Erreger (Bakterien oder andere Viren) nicht ausreichend bekämpft werden können (Abb. 8.22). Dadurch können lebensbedrohliche Erkrankungen auftreten, zum Beispiel Lungenentzündungen. Ist dies der Fall, so spricht man auch von AIDS (Acquired Immune Deficiency Syndrome). Auf Deutsch bedeutet dies "Erworbenes Abwehrschwäche-Syndrom".

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Da sich dieses Virus sehr schnell verändert, ist es bisher nicht möglich, den Körper eines Infizierten ganz davon zu befreien. Heute gibt es zwar wirksame Medikamente, die eine Vermehrung des Virus im Blut verhindern können. Sie können aber auch schwere Nebenwirkungen haben. Viele Menschen leben sehr lange mit dem HIV-Virus, ohne an Aids zu erkranken.

Du kannst Dich mit HIV infizieren, indem Du mit Körperflüssigkeiten wie Blut, Scheidenflüssigkeit oder Sperma von bereits infizierten Menschen in Kontakt kommst. Durch die Benutzung von Kondomen kannst du dich am besten vor einer Infektion schützen.
Wenn man eine Bluttransfusion mit infiziertem Blut bekommt, so ist es sehr wahrscheinlich, dass das HIV-Virus übertragen wird; aber in Deutschland werden alle Blutkonserven vor der Übertragung auf HIV überprüft, sodass das Risiko sehr, sehr gering ist[2].
Im Vergleich mit anderen Krankheitserregern gilt HIV als schwerer übertragbar. Darum kann man sich nicht anstecken durch: Küsse, Zungenküsse, Körper- und Hautkontakte, Benutzung von Sauna, Schwimmbad, Toilette oder Waschraum, beim Arzt, Zahnarzt, Friseur, bei der Maniküre, beim Piercing, Tätowieren, Ohrlochstechen oder durch Insektenstiche[3].

Das HIV-Virus hat sich seit Anfang der 1980er-Jahre sehr verbreitet. Man schätzt[4], dass 2012 auf der Erde über 35 Millionen Menschen mit HIV infiziert waren. Über 3 Millionen davon waren Kinder, der Rest etwa gleich viele Männer und Frauen. Im Jahr 2012 starben ungefähr 1,6 Millionen Menschen weltweit an den Folgen einer HIV-Infektion.
Für Deutschland gibt es diese Schätzungen: 2012 haben sich 3400 Menschen neu mit HIV angesteckt, davon waren 3000 Männer. Wie kam es zur Ansteckung? Bei 2500 Männern beim Sex mit anderen Männern, bei 630 Menschen durch heterosexuelle Kontakte, 210 wurden über die infizierte Nadel einer Drogenspritze angesteckt und nur bei 10 wurde die Ansteckung von der Mutter auf ihr Kind übertragen[5].

Oft werden Menschen, die mit HIV infiziert sind, von der Gesellschaft ausgegrenzt. Viele, die ein Zeichen gegen diese Ausgrenzung setzen, tragen aus Solidarität eine rote Schleife (Abb. 8.23).

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Einzelnachweise

  1. Bayerisches Zentrum für Prävention und Gesundheitsförderung (ZPG) im Bayerischen Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit; http://www.zpg-bayern.de/aeggf-projekt.html (Zugriff: 25.12.13)
  2. DRK Blutspendedienst West;http://www.blutspendedienst-west.de/patienten/sicherheit.php (Zugriff: 25.12.13)
  3. Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung; http://www.machsmit.de/hiv_sti/uebertragungswege_hiv.php (Zugriff: 25.12.13)
  4. UNAIDS:Global summary of the AIDS epidemic 2012 http://www.unaids.org/en/media/unaids/contentassets/documents/epidemiology/2013/gr2013/201309_epi_core_en.pdf (Zugriff: 25.12.13)
  5. Robert-Koch-Institut: Epidemiologisches Bulletin 47/2012, S. 3. http://www.vergissaidsnicht.de/uploads/media/HIV-Zahlen_Deutschland_2012.pdf (Zugriff: 25.12.13)