Sexualfunktion und Verhalten

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Wie reagiert der Körper auf sexuelle Erregung und was sind einige normale sexuelle Verhaltensweisen bei Menschen?

Warum interessieren sich Menschen für Sex? Im Gegensatz zu Nahrung ist Sex oder Geschlechtsverkehr nicht notwendig für das Überleben eines Individuums; gleichwohl aber für den Erhalt der Spezies Mensch. Warum verhalten sich einige Menschen also so, als ob sie "hungrig" nach Sex wären?

"Sexualität ist ein tabuisiertes Thema."



In der Vergangenheit beschrieben Wissenschaftler das Bedürfnis nach Sex als Sexualinstinkt. In diesem Zusammenhang ging man davon aus, dass das natürliche Bedürfnis nach Sexualität dazu führte, dass Menschen irgendwie sexuell aktiv wurden. Es konnte aber niemand sagen, woher dieser Instinkt kam oder wie genau er funktionierte. Mittlerweile wird der Begriff Sexualtrieb verwendet, um etwas Vergleichbares auszudrücken, das aber weniger mysteriös klingt. Ein Trieb lenkt ein Individuum in eine bestimmte Richtung; er erhöht die Chancen, dass sich eine Person auf eine bestimmte Art und Weise verhält. Dementsprechend führt der Sexualtrieb dazu, dass wir sexuelles Interesse entwickeln und nach sexueller Erfüllung streben.

Die Fähigkeit zur sexuellen Erregung besteht bereits im Kindesalter. Die Intensität des Sexualtriebs verstärkt sich während der Pubertät. Dies ist auch der Grund, warum wir vom Erwachen der sexuellen Interessen in der Adoleszenz sprechen. Darüber hinaus kann Geschlechtsverkehr wegen des ausgereiften Fortpflanzungssystems dann auch zu einer Schwangerschaft führen.

Warum nimmt der Sexualtrieb während der Pubertät zu? Einige Wissenschaftler gehen davon aus, dass ein Anstieg des Niveaus an Sexualhormonen, insbesondere des Testosterons, sowohl bei Mädchen als auch bei Jungen zu stärkeren sexuellen Bedürfnissen führt.

Vieles, was wir über die Auswirkungen von Hormonen auf das Sexualverhalten wissen, basiert auf Studien mit Tieren. Wenn du einmal Tiere auf einem Bauernhof oder Haustiere bei dir zu Hause beobachtet hast, weißt du vielleicht, dass diese nur zu bestimmten Zeiten sexuell aktiv werden - meistens dann, wenn das weibliche Tier brünstig ist. Während dieser Zeit fühlt sich das männliche Tier sehr zu dem weiblichen Tier hingezogen und das weibliche Tier lässt sich darauf ein. Dieser Zeitraum der sexuellen Attraktivität und Paarungsbereitschaft der weiblichen Tiere wird Brunst genannt. Er fällt mit dem Eisprung zusammen oder dem Lösen einer Eizelle aus dem Eierstock (Geschlechtsdrüse, die weibliche Eizellen und Hormone produziert) und wird durch ansteigende Niveaus an weiblichen Sexualhormonen verursacht. Das ist kein Zufall: Der grundsätzliche Zweck von Sex zwischen Tieren ist es, Nachwuchs zu produzieren. Das wird Fortpflanzung genannt. Das zeitliche Zusammenfallen des Anstiegs des Sexualtriebes mit dem Eisprung erhöht die Chancen einer Schwangerschaft.

Vertiefung

Wusstest Du schon?
Manche Organismen pflanzen sich sexuell fort, andere asexuell. Sexuelle Fortpflanzung erfordert die Befruchtung einer weiblichen Eizelle durch eine männliche Samenzelle. Diese Befruchtung kann im Körperinneren geschehen (zum Beispiel bei Menschen) oder außerhalb des Körpers (zum Beispiel bei Fischen). Sexuelle Fortpflanzung erlaubt genetische Vielfalt, indem jeweils Besonderheiten von einem Männchen und einem Weibchen zu einem neuen Individuum kombiniert werden. Für die asexuelle Reproduktion wird hingegen nur ein Exemplar der jeweiligen Art benötigt, das dann identische Kopien von sich selbst herstellt (zum Beispiel Bakterien). Wenngleich diese Form der Reproduktion einfacher und schneller ist, so sieht sie doch keine genetischen Unterschiede oder Wege der Anpassung an die sich verändernden Umweltbedingungen vor.



Einige deiner Mitschülerinnen oder Mitschüler haben vielleicht Tiere, denen die Gonaden (Eierstöcke oder Hoden) von einem Tierarzt entfernt wurden, um die Fortpflanzung zu verhindern. In diesem Zusammenhang wird auch von Kastration oder Sterilisation gesprochen. Indem man bei einem Tier die Gonaden entfernt, kann es nicht mehr zu einer Schwangerschaft kommen. Gleichzeitig wird dadurch aber auch der Sexualtrieb gehemmt, weil ja die Quellen der Sexualhormone entfernt werden.

Was wissen wir über Menschen? Werden unser Sexualtrieb und unser Verhalten auf vergleichbare Art von Hormonen gesteuert? Hormone beeinflussen unseren Sexualtrieb, aber menschliches Sexualverhalten ist viel komplexer. Zum einen ist menschliches Sexualverhalten keine Funktion eines weiblichen Individuums, das brünstig ist. Wenngleich der Ovarialzyklus durchlaufen wird, so ist das sexuelle Interesse einer Frau doch nicht an die Zeit des Eisprungs gebunden, und sexuell ausgereifte Mädchen und Frauen können davon unabhängig jederzeit sexuell erregbar sein. Auch bei männlichen Individuen hängt das sexuelle Interesse nicht von einer bestimmten Phase des weiblichen Zyklus ab, sondern kann jederzeit auftreten.

Eine direkte Folge der Pubertät ist beispielsweise der nächtliche Samenerguss, der wiederum durch Hormone verursacht wird. Mehr darüber findest Du in Kapitel 7.3.
Wenngleich Masturbation schon vor Beginn der Pubertät auftreten kann, ist sie während und nach der Pubertät häufiger. Entsprechend kann Masturbation mit Hormonen in Verbindung gebracht werden.

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Menschliches Sexualverhalten wird maßgeblich durch unsere intimen Beziehungen und unsere Gefühle füreinander beeinflusst. Wie wir uns im Hinblick auf die Sexualität verhalten, wird nicht nur durch die Hormone bestimmt, sondern auch maßgeblich dadurch, wie wir über Sexualität denken und wie wir fühlen. Unsere Erziehung und die Gemeinschaft, in der wir aufwachsen, formen unser Denken und Empfinden in Bezug auf Sexualität. Dementsprechend kann es sein, dass ein Junge oder ein Mädchen unabhängig von der Phase der biologischen Entwicklung oder dem Hormon-Level relativ früh damit beginnt, sich zu verabreden, weil dies viele andere auch tun. Weiterhin sind Menschen häufig nicht nur darauf bedacht, wie sie sich verhalten wollen, sondern auch darauf, wie sie sich – bezogen auf ihre Sexualität – verhalten sollten. Das kann auch bedeuten, dass sie manchmal etwas, das sie gerne machen würden, nicht machen. Diese moralischen Überlegungen führen wir später weiter aus.

"Manchmal ist es unheimlich, Gefühle zu haben und nicht zu wissen, was man damit anfangen soll."



Viele Eltern besprechen sexualbezogene Themen frei mit ihren Kindern. Andere tun das nicht. Manche Eltern sehen, wie ihr Kind sich an seine oder ihre Geschlechtsorgane fasst und sagen dann "Das macht man nicht!" oder "Lass das!"; allerdings begründen sie dies nicht weiter. Oder ein anderes Beispiel: Ein Kind fragt: "Wie ist Mutti schwanger geworden?", und es erhält die Antwort: "Mama und Papa haben sich geliebt.". Durch solche Erklärungen wird ein Kind nicht schlauer und erfährt nichts über Fortpflanzung. In anderen Fällen erhält ein Kind aber auch falsche Informationen, wie beispielsweise "Wenn du nicht aufhörst, mit deinem Penis zu spielen, wirst du krank." Solche Einstellungen tragen dazu bei, dass Kinder verunsichert werden oder führen dazu, dass die Annahme entsteht, dass Sexualität etwas "Falsches" ist.

Selbst wenn Eltern bereit sind, Sexualität zu thematisieren, kann es sein, dass ihre Kinder sich schämen und ungeduldig darauf warten, den Raum verlassen zu können. Dementsprechend kann es passieren, dass sowohl Eltern als auch Kinder es als unangenehm erleben, über Sexualität zu sprechen. Doch warum ist das so?

Anmerkung

Was meinst du?
Warum kann es unangenehm sein, sich über Sexualität zu unterhalten?

Sexuelle Stimulation

Sexuelle Erfahrungen beinhalten zwei grundsätzliche Aspekte: eine sexuelle Stimulation und eine sexuelle Reaktion. Jeder Aspekt hat sowohl eine physische (körperbezogene) als auch eine psychische (mentale) Komponente. Gewöhnlich arbeiten beide zusammen.

Anmerkung

Was meinst du?
Was sind einige der häufigsten erotischen Reize in unserer Kultur? Reagieren wir von Geburt an auf diese Reize oder lernen wir, darauf zu reagieren?



Physische Stimulation erfolgt über die Sinne. Menschen können also durch etwas, das sie sehen, hören, fühlen oder riechen, sexuell erregt werden. Diese Quellen der Stimulation wirken als erotische Reize oder sexuelle Auslöser, die uns "anmachen". Zu den visuellen Reizen können Körper, Bilder, Filme oder Vergleichbares zählen. Akustische Reize beinhalten Töne und Geräusche, wie beispielsweise Musik, oder wenn jemand spricht. Ein olfaktorischer Reiz kann zum Beispiel der Geruch eines bestimmten Parfüms sein. Taktile Stimulation besteht aus Berührungen an empfindlichen Körperstellen.

Psychische Stimulation kann auf zwei Arten erfolgen: Einerseits kann sie völlig mental erfolgen, beispielsweise wenn über sexuelle Themen nachgedacht wird oder erotisch fantasiert wird, was dann zu sexueller Erregung führt. Zugleich hängt es aber auch stark von psychischen Faktoren ab, welche physischen Reize der Außenwelt als sexuell anregend empfunden werden. Dies ist der Grund, warum ein bestimmter optischer oder akustischer Reiz auf eine Person anregend wirkt, auf eine andere Person hingegen nicht.

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Sexuelle Reaktion

Eine sexuelle Reaktion ist eine Reaktion auf sexuelle Stimulation. Genauso wie die sexuelle Stimulation kann die Reaktion physisch und/oder psychisch sein.

Die physischen Zeichen einer sexuellen Reaktion hängen von zwei Arten von Veränderungen im Körper ab: Das erste Anzeichen einer sexuellen Reaktion ist der erhöhte Blutfluss in den Geschlechtsorganen. Das wohl auffälligste Zeichen eines erhöhten Blutflusses bei Männern ist die Erektion des Penis. Der erhöhte Blutfluss führt dazu, dass der Penis anschwillt, größer und dicker wird. Denk an einen Wasserschlauch: Wenn der Wasserhahn geöffnet wird, fließt Wasser in den Schlauch und sorgt dafür, dass dieser steif wird. Etwas Vergleichbares passiert beim Penis. Die Erektion ist eine Funktion, bei der mehr Blut in den Penis hineinfließt, als wieder herausfließt. Somit hat die Versteifung eines erigierten Penis nichts mit Muskeln oder Knochen zu tun.

Die weiblichen Geschlechtsorgane machen genau dieselben Veränderungen durch. Aufgrund der anatomischen Unterschiede gibt es bei Frauen jedoch kein so offensichtliches Anzeichen wie bei Männern. Stattdessen schwellen die weiblichen Geschlechtsorgane leicht an und das Innere der Vagina wird feucht. Dies wird als vaginale Lubrikation bezeichnet. Genau wie die Erektion beim Mann ist dies das erste Anzeichen dafür, dass eine Frau sexuell erregt ist.

Das zweite Anzeichen für sexuelle Reaktion ist eine erhöhte Muskelspannung. Dies ist aber nicht zu vergleichen mit einer Situation, in der du deine Muskeln bewusst bewegst, um etwas hochzuheben. Es sind vielmehr sehr kleine Muskeln in der Genitalregion, die sich anspannen, ohne dass du darüber nachdenkst. Wenn die Anspannung groß wird, ziehen sich diese Muskeln rhythmisch zusammen (kontrahieren) und führen zum Orgasmus. Bei Männern wird dies von einer Ejakulation begleitet, während das Sperma, das aus Spermien und Flüssigkeit besteht, aus dem Penis stoßweise herausspritzt. Der biologische Zweck einer Ejakulation ist es, Sperma in die Scheide zu ejakulieren, um eine weibliche Eizelle zu befruchten. Meistens streben Menschen allerdings nicht nach einem Orgasmus, um sich fortzupflanzen, sondern vielmehr, um ihre Lust auszuleben. Frauen haben genauso wie Männer Orgasmen, allerdings ejakulieren sie nicht auf die gleiche Art; auch müssen sie keinen Orgasmus haben, um schwanger zu werden.

Anmerkung

Was meinst du?
Wenn sexuelle Erregung eine natürliche Reaktion ist, warum führt dies bei einigen Menschen dazu, dass sie sich schämen oder schuldig fühlen?



Sexuelle Erregung und ein Orgasmus werden von weiteren Veränderungen in anderen Teilen des Körpers begleitet. Der Blutdruck steigt, Puls und Atem beschleunigen sich vorübergehend. Nach dem Orgasmus normalisiert sich das wieder.

Die psychischen Komponenten von sexueller Erregung und Orgasmus sind schwieriger zu beschreiben. Während der Erregung wird eine sexuelle Anspannung aufgebaut, die durch den Orgasmus gelöst wird. Diese Erfahrung ist äußerst intensiv und angenehm und ein Grund, warum Sex als eines der stärksten Verlangen angesehen wird. Dieser Umstand führt nicht zuletzt dazu, dass Menschen sexuell aktiv sind. Jedoch hängt die Art und Weise, ob und wie Menschen sexuell aktiv werden, von vielen anderen psychischen und sozialen Bedingungen ab.

Der Wunsch nach Kindern ist nur einer der Gründe, warum Männer und Frauen Sex haben. So wichtig Geschlechtsverkehr für einige Menschen sein mag, so ist er doch nur eine Form von Sexualverhalten, und nicht jeder praktiziert diese auch. In diesem Abschnitt wirst du etwas über die verschiedenen Formen von Sexualverhalten lernen.

Nach traditionellen kulturellen und moralischen Vorstellungen in der westlichen Welt gilt der Geschlechtsverkehr zwischen Männern und Frauen als Ideal, die nicht zu eng miteinander verwandt, wohl aber miteinander verheiratet sind. Wenngleich dies als Norm oder als einzig gesundes, moralisches und legales Sexualverhalten verstanden wird, so entspricht diese Sichtweise nicht unbedingt dem, was viele Menschen tatsächlich machen.

Überlegungen zu Gesundheit, Moral und Legalität in Hinblick auf Sexualität sind wichtig und werden später in diesem Kapitel aufgegriffen. An diesem Punkt brauchen wir ein differenziertes Verständnis davon, was Menschen in ihrem Sexualleben machen, anstatt nur zu überlegen, was sie tun oder lassen sollten. Oder noch genauer: Wir müssen beachten, wie sich junge Menschen hinsichtlich ihrer Sexualität verhalten.

Sexualverhalten kann in zwei Hauptgruppen unterteilt werden: einerseits Verhaltensweisen, die sich auf einen selbst beziehen und andererseits Verhaltensweisen, die andere Menschen mit einschließen.

Verhaltensweisen, die sich auf Personen beziehen

Die häufigste sexuelle Aktivität, die nur eine Person betrifft, ist das sexuelle Fantasieren. Fantasien können entweder flüchtige sexuelle Gedanken sein oder aber lange, ausgiebige erotische Tagträume.

Nahezu jeder Mensch hat von Zeit zu Zeit sexuelle Fantasien. Manche Menschen fantasieren mehr als andere und das auf verschiedene Art und Weise. Fantasien können dabei Gedanken an jegliche Art von sexuellen Aktivitäten umfassen. In Anbetracht der Tatsache, dass du eigene Fantasien entwickelst, spiegeln diese deine sexuellen Interesse und Bedürfnisse wieder. Manchmal können diese Bedürfnisse und Interessen verbotene Wünsche oder Interessen sein, von denen du nicht wusstest, dass du sie hast. Dementsprechend können sie, wenngleich Fantasien normalerweise Spaß machen können, befremdlich sein und dazu führen, dass du dich schuldig fühlst. Bedenke dabei aber stets, dass Fantasien nur Gedanken sind, von denen die meisten wahrscheinlich nie eintreten werden. Das liegt daran, dass du sie entweder nicht umsetzen kannst, oder gar nicht willst, dass sie wahr werden.

Sexuelle Fantasien erfüllen wichtige Funktionen, da sie sexuellen Wünschen, die nicht befriedigt werden können, Ausdruck verleihen. Weil du deine Fantasien bestimmst, kannst du die Kontrolle behalten.

Fantasien können auch als Probe für das dienen, von dem du dir wünschst, dass es eintritt. Wenn eine Person beispielsweise über eine Verabredung oder die Flitterwochen nachdenkt, kann sich diese Person in ihrer Fantasie auf dieses Ereignis vorbereiten.

Sexuelle Fantasien können sich aber auch als problematisch erweisen, wenn sie zu viel Zeit und Aufmerksamkeit einer Person vereinnahmen. Indem sich jemand in die Fantasie zurückzieht, verringert sich die Wahrscheinlichkeit, mit anderen zu interagieren und Freundschaften zu schließen. Fantasien sind gesund, solange sie die soziale Entwicklung und ein gesundes Maß an Interaktion nicht beeinträchtigen.

Bei Fantasien, die Furcht auslösen oder dazu führen, dass du dich schuldig fühlst, kann es hilfreich sein, wenn du sie mit einem Berater, einer Beraterin oder einer anderen Vertrauensperson besprichst. Dies kann besonders dann wichtig sein, wenn du glaubst, dass eine Fantasie dazu führen könnte, dass du dich in einer Weise verhältst, die für dich oder andere schädigend wäre.

"Plötzlich wachte ich auf. Es war Morgen. Ich fühlte mich feucht und mein Schlafanzug war klebrig. Oh Gott! Da stimmt was nicht mit mir ... Warte mal. Warte mal einen Augenblick. Vielleicht hatte ich einen feuchten Traum. Ja ... das wird‘s sein. Wie cool ist das?"



Sexuelle Träume sind eine Form von Fantasie, die während des Schlafes auftritt. Sie können, wie andere Träume auch, schwer zu verstehen sein. Manchmal ist die träumende Person sexuell erregt, obwohl die Traumhandlung gar nicht offensichtlich in eine sexuelle Richtung geht. Manchmal führt die sexuelle Erregung während der Träume zum Orgasmus. Diese werden nächtliche Orgasmen genannt und werden sowohl von Jungen also auch von Mädchen erlebt. Bei Jungen ist es allerdings wahrscheinlicher, dass sie sich daran erinnern, da die Ejakulation die Bettwäsche oder den Schlafanzug durchnässt (deswegen auch "feuchte Träume"). Auch Mädchen können während des Schlafs Orgasmen haben, allerdings ejakulieren sie dabei nicht. Dies alles sind Wege, wie der Körper sexuelle Anspannung abbaut.

Sexuelle Fantasien können auch während der Selbststimulation der Genitalien auftreten. Die Selbststimulation wird auch Masturbation genannt. Viele Menschen befriedigen sich selbst – manchmal, weil sie keinen Sexualpartner haben, oder aber als weitere Möglichkeit, einen Orgasmus zu haben. Masturbation ist auf viele Arten wie eine Fantasie. Normalerweise handelt es sich dabei um eine Aktivität, bei der man allein ist. Neben sexuellen Fantasien ermöglicht die Masturbation sexuelle Befriedigung, ohne dabei auf eine andere Person angewiesen zu sein oder sich riskant zu verhalten. Wenngleich viele Menschen masturbieren, muss dies niemand tun; es ist deine Entscheidung.

In der Vergangenheit ging man davon aus, dass Selbstbefriedigung physisch schädlich ist. Ärzte behaupteten, dass Selbstbefriedigung den Körper schwächen würde, insbesondere dann, wenn ein Körper noch im Wachstumsprozess ist. Doch auch viele andere Arten abenteuerlicher Gefahren wurden Selbstbefriedigung zugeschrieben: Das Gehirn könnte weich werden und die Person verrückt, das Herz könnte stehen bleiben, der Atem schlecht riechen und so weiter. Davon ist nichts wahr. Masturbation führt zu keinerlei körperlichen Schädigungen.

Selbstbefriedigung ist der sicherste Weg, zum Orgasmus zu kommen. Sie verursacht keine Schwangerschaft und keine Infektion mit sexuell übertragbaren Krankheiten. In Zeiten der AIDS-Epidemie ist sie eine der sichersten Formen von Sexualität. Nichtsdestotrotz gibt es Menschen, die nicht aufhören, gegen Selbstbefriedigung auf der Basis von psychologischen oder moralischen Gründen zu argumentieren.

Selbstbefriedigung allein kann aber nicht alle sexuellen Bedürfnisse der meisten Menschen befriedigen: Im Vergleich zum Geschlechtsverkehr mit einer geliebten Person kommt es bei der Selbstbefriedigung nicht zu einer reichhaltigen emotionalen Befriedigung. Auch kann es durch Masturbation allein nicht zu einer Schwangerschaft kommen. Selbstbefriedigung kann aber auch bei verheirateten Paaren eine gelegentliche Quelle sexueller Befriedigung sein.

Soziosexuelle Verhaltensweisen

Die meisten wichtigen menschlichen Aktivitäten beziehen andere Menschen mit ein. Sexualität ist keine Ausnahme. Soziosexuelle Verhaltensweisen sind Akte, die mit anderen Menschen stattfinden. Die häufigste Form soziosexueller Interaktion ist Geschlechtsverkehr. Es gibt viele, teilweise auch umgangssprachliche Arten, diese Form zu beschreiben, wie beispielsweise „Sex haben“ oder „miteinander schlafen“.

Geschlechtsverkehr ist eine Aktivität, die in allen Kulturen anerkannt ist. Gleichzeitig ist sie aber auch immer abhängig von Regeln und Einschränkungen, mit wem man Sex haben sollte und mit wem nicht. Diese Regeln können etwa darauf basieren, wie alt eine Person oder ihr Partner ist, wie eng der Verwandtschaftsgrad ist; ob man miteinander verheiratet ist oder nicht und so weiter.

Bezogen auf das Körperliche umfasst Geschlechtsverkehr, dass der Penis in die Vagina eindringt und hinein- und herausbewegt wird. Gleichzeitig ist Geschlechtsverkehr aber nicht nur ein physischer Akt. Für viele Paare ist er gleichzeitig Ausdruck von Intimität und Liebe und der Erfahrung sexueller Befriedigung. Dabei kann Geschlechtsverkehr aber auch schädlich sein, zum Beispiel dann, wenn jemand getäuscht oder gegen den eigenen Willen zum Verkehr gezwungen wird. Ungeschützter Verkehr ist darüber hinaus mit Risiken behaftet, wie etwa einer ungewollten Schwangerschaft oder einer Infektion mit sexuell übertragbaren Krankheiten.

Normalerweise wird Geschlechtsverkehr durch ein sogenanntes Vorspiel eingeleitet, das Aktivitäten wie Küssen, zärtliches Streicheln und andere Formen sexueller Stimulation beinhaltet. Natürlich können sich Paare auch gegenseitig stimulieren, ohne dass es zu Geschlechtsverkehr führt; diese Verhaltensweisen heißen dann Knutschen, Petting und so weiter.

Vertiefung

Wusstest Du schon?
Gleichgeschlechtliche Schwärmereien während der Adoleszenz sind normal und weit verbreitet. So können Jungen neugierig auf andere Jungen sein und Mädchen neugierig auf andere Mädchen. Es kann dann sogar soweit gehen, dass sie gegenseitig ihre Körper anfassen oder voneinander träumen. Das bedeutet aber nicht, dass sie homosexuell sind, sondern zeugt eher von einem aufkommenden Sinn für Sexualität.



Diejenigen, die sich auf romantische oder sexuelle Weise zum anderen Geschlecht hingezogen fühlen, haben eine heterosexuelle Orientierung. Diejenigen, die sich auf diese Weise zu Menschen des gleichen Geschlechts hingezogen fühlen, haben eine homosexuelle Orientierung. Die Mehrheit der Menschen haben eine heterosexuelle Orientierung. Gleichzeitig gibt es aber keine genauen Erhebungen darüber, wie groß der Anteil von Menschen ist, die homosexuell orientiert sind. Die derzeit zuverlässigsten Zahlen legen nahe, dass 2–3 % der Männer und etwa 1 % der Frauen ausschließlich homosexuell orientiert sind, wenngleich doppelt so viele homosexuelle Erfahrungen gemacht haben oder sich während ihres Lebens sexuell zu einer Person des gleichen Geschlechts hingezogen gefühlt haben.

Einige Wissenschaftler erklären die Entwicklung der sexuellen Orientierung mit genetischer Veranlagung und hormonellen Gründen, während andere psychologische und soziale Faktoren (wie jemand aufwächst) als ausschlaggebend erachten. Es ist wahrscheinlich, dass alle dieser Faktoren in die Entwicklung der sexuellen Orientierung mit hineinspielen.

Vertiefung

Du hast gerade herausgefunden, dass jemand, den du kennst und respektierst, homosexuell orientiert ist. Bisher hattest du den Eindruck, dass diese Person sehr heterosexuell orientiert war. Du bist sehr überrascht und musst erst einmal deine Gefühle sortieren. Schreibe einen Tagebucheintrag oder einen Brief an deinen Freund oder deine Freundin, in dem du deine Gedanken und Einstellungen erforschst.



In unserer Kultur wurde Homosexualität lange als abnormal betrachtet und auf der Basis von moralischen und rechtlichen Gründen verurteilt. Mittlerweile gehen Psychologen und Psychiater jedoch nicht mehr davon aus, dass eine homosexuelle Orientierung psychisch abnormal ist, und auch die rechtlichen Grundlagen haben sich in vielen Ländern verändert, sodass beispielsweise gleichgeschlechtliche Ehen anerkannt werden. Dennoch gibt es immer noch Menschen, die dies aus moralischen oder anderen Gründen für anrüchig halten. Die soziale Einstellung hat sich in den vergangenen Jahren in positiver Weise verändert und verändert sich stets weiter.

Es gibt aber einige sexuelle Verhaltenswesen, die unter allen Umständen inakzeptabel sind. Hierzu zählen beispielsweise: Jemanden zum Geschlechtsverkehr zu zwingen oder mit einer Person Geschlechtsverkehr zu haben, die noch nicht erwachsen ist. Diese und andere Themen werden noch einmal später in diesem Kapitel im Zusammenhang mit anderen sexuellen Problemen aufgegriffen.

Aufgabe

Fragen zur Überprüfung

  1. Inwieweit unterscheidet sich menschliches Sexualverhalten von tierischem Sexualverhalten?
  2. Zeichne ein Schaubild, in dem du die Beziehung von sexueller Erregung, sexueller Reaktion und den physischen und psychischen Komponenten verdeutlichst. Erläutere, was eine sexuelle Reaktion auf Erregung beinhaltet.
  3. Was sind Beispiele für sexuelle Reize?
  4. Beschreibe drei sexuelle Verhaltensweisen, die sich nur auf eine Person beziehen, und die Rolle, die sie in dem Leben einer Person spielen.
  5. Wovon wird die sexuelle Orientierung bestimmt?

Einzelnachweise