Familienplanung, Enthaltsamkeit und Verhütung

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Wie entscheidet ein Mensch, ob und wann er Nachwuchs haben möchte?

Eine verantwortungsvolle und bereichernde Elternschaft setzt Hingabe voraus, bei der eine große Verantwortung für das Leben eines anderen übernommen wird. Sie erfordert einen großen Einsatz: Gedanken, Gefühle, Zeit, Geld und Anstrengungen. Insofern macht es Sinn, dass wir nur dann Eltern werden, wenn wir wirklich Nachwuchs möchten und auch angemessen für ihn sorgen können.

Trotz der vielen Schwierigkeiten, die eine Elternschaft mit sich bringt, ist oder wird der überwiegende Teil der Bevölkerung Eltern – über 90 % haben oder adoptieren Kinder. Somit ist die im Raum stehende Frage für die meisten weniger, ob sie Kinder haben werden, sondern eher, wann.

Es braucht eine wirksame Familienplanung, wenn es darum geht, wann und wie viele Kinder eine Familie haben möchte. Wenn Einzelpersonen oder Paare entschieden haben, dass zurzeit kein Baby gewünscht ist, haben sie zwei Möglichkeiten: Abstinenz oder Enthaltsamkeit ist der sicherste Weg, eine ungewünschte Schwangerschaft zu vermeiden. Eine andere, aber riskantere Herangehensweise, ist die Verwendung von Verhütungsmitteln. Die Verwendung von Verhütungsmitteln zur Reduzierung der Wahrscheinlichkeit einer Schwangerschaft hängt von den verschiedenen Methoden ab, von denen einige sicherer sind als andere. Völlige Sicherheit aber gibt es nur bei sexueller Enthaltsamkeit.

Warum sich einige Menschen dafür entscheiden, keine Kinder zu bekommen

Gerade weil eine Schwangerschaft in der Jugendphase so viele Probleme mit sich bringt, verwundert es kaum, dass die Mehrheit von Jugendlichen sich gegen eine Schwangerschaft entscheidet. Bei all unserer Sorge über die hohe Rate an Schwangerschaften in der Jugendphase sollten wir aber nicht aus dem Blick verlieren, dass die meisten Jugendlichen sich gegen eine frühe Schwangerschaft entscheiden. Während wir uns bisher damit beschäftigt haben, warum sich Menschen dafür entscheiden, Nachwuchs zu haben, richten wir den Fokus nun auf das Gegenteil: Lass uns einige mögliche Gründe dafür erforschen, die Jugendliche und Erwachsene dafür angeben, warum sie sich gegen Nachwuchs entscheiden.

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Die meisten Menschen, die nicht verheiratet sind oder sich nicht in einer tragfähigen Beziehung befinden, entscheiden sich dagegen, Kinder zu haben. Die Verantwortung und die Verpflichtungen, die mit der Elternschaft einhergehen, halten viele Paare solange davon ab, Nachwuchs zu bekommen, bis sie sich der Tragfähigkeit ihrer Beziehung oder ihrer finanziellen Situation sicher sind. Manche Paare verschieben den Kinderwunsch aus Karrieregründen. So kann es beispielsweise sein, dass eine Frau noch nicht bereit ist, die Entwicklung ihrer Karriere für eine Schwangerschaft und die Kindeserziehung zu unterbrechen. Andere Paare können es sich schlicht und ergreifend finanziell nicht leisten, für Kinder aufzukommen, ohne ihren Lebensstandard zu senken.

Dann wiederum gibt es auch Paare, die sich endgültig gegen Nachwuchs entscheiden. Diese argumentieren dann, dass sie ihre Zeit, ihr Geld und ihre Energie für andere Dinge nutzen wollen. Einige möchten auch keine Kinder in einer Welt großziehen, die den Anschein erweckt, als würde vieles nicht richtig laufen. Wiederum andere verzichten aus religiösen Gründen auf Kinder.

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Welche Verhütungsmethoden gibt es und wie funktionieren sie?

Abstinenz ist die sicherste Wahl bei der Schwangerschaftsverhütung, wenngleich sich viele junge Menschen dazu entscheiden, trotzdem Geschlechtsverkehr zu haben. Sollten wir sie auch dann die Risiken in Kauf nehmen und den Preis zahlen lassen, selbst wenn dieser so hoch ist? Oder sollten wir ihnen dabei helfen, sich zu schützen? Diese Einheit richtet sich insbesondere an diejenigen, die Informationen über Schutz vor Schwangerschaft (und sexuell übertragbare Krankheiten) suchen. Vielleicht betrifft dich das noch nicht. Da aber die meisten von uns irgendwann einmal Geschlechtsverkehr haben werden, können diese Informationen für jede und jeden zu einem bestimmten Zeitpunkt des Lebens von Bedeutung sein.

Bei einer Umfrage von 13–18-Jährigen gaben fast zwei von drei Befragten an, dass Mädchen, die sie kennen, sehr besorgt sind, wenn es darum geht, nicht schwanger zu werden. Ebenso zeigen sich zwei von fünf Jungen besorgt. Dennoch scheint diese Sorge nicht dazu zu führen, dass sich viele junge Menschen schützen: Fast 60 % der sexuell aktiven jungen Menschen geben an, dass sie nicht bei jedem Geschlechtsverkehr Mittel zur Schwangerschaftsverhütung einsetzen. Bedenke, dass es bereits ausreicht, ein einziges Mal nicht zu verhüten, um schwanger zu werden. Darüber hinaus hat ein Drittel nicht einmal mit dem jeweiligen Sexualpartner über die Verhütung einer Schwangerschaft gesprochen; eine von fünf Personen, die das doch getan hat, hat es nach dem Geschlechtsverkehr gemacht.

Präventives Verhalten

Menschen benötigen zwei Dinge, um Schwangerschaftsverhütung effektiv zu nutzen: Sie benötigen eine verlässliche und sichere Verhütungsmethode und sie brauchen eine bestimmte Haltung und ein Verhalten, das sie in die Lage versetzt, wirksam zu verhüten. Das Eine funktioniert nicht ohne das Andere.

Um die Wahrscheinlichkeit zu minimieren, schwanger zu werden, sollte der oder die sexuell aktive Jugendliche die folgenden Schritte einhalten.

  1. Akzeptiere deine Sexualität, also deinen Sinn für dich selbst als Lebewesen mit sexuellen Bedürfnissen und Gefühlen. Der großartige griechische Philosoph Sokrates hat einmal gesagt: "Erkenne dich selbst!" In allen Aspekten des Lebens sollte jeder eine klare Vorstellung davon haben, wer er oder sie ist und was er oder sie will. Es ist nicht immer einfach zu erkennen oder zu akzeptieren, dass man ein Lebewesen mit sexuellen Bedürfnissen und Gefühlen ist. Gerade weil es so viel Verwirrung und negative Gefühle bezogen auf Sexualität gibt, fällt das nicht immer leicht, und stattdessen kann es vielleicht verlockend sein, das zu bestreiten. Häufig tragen Erwachsene (auch Eltern) dazu bei, dass Jugendliche ihre aufkeimende Sexualität leugnen, weil sie vielleicht nicht wissen, wie sie damit umgehen sollen. Oder sie wollen nicht damit umgehen und wünschen sich stattdessen vielleicht, dass die sexuellen Bedürfnisse aufhören. Du kannst deinen Eltern dabei helfen, deine Gefühle zu verstehen, indem du mit ihnen darüber und über deine Befürchtungen sprichst. Es ist natürlich, dass Eltern sich gerade in dieser Zeit der Pubertät über ihre Kinder Gedanken machen. Eltern können herausfordernde Situationen auf viele unterschiedliche Weisen bewältigen. Und obwohl einige Eltern sich vielleicht sehr unwohl dabei fühlen, diese Themen anzusprechen, würden viele Eltern jede Hilfestellung begrüßen, die dazu beiträgt, dass sie Veränderungen, die ihre Kinder betreffen, verstehen. Ignoranz oder ein Mangel an Akzeptanz der eigenen Sexualität kann zu ungeplantem oder unvorhersehbarem Verhalten führen. Einige Jugendliche könnten sexuell aktiv werden, ohne dabei zu wissen, was sie eigentlich machen. Es "passiert irgendwie". Oder sie weigern sich, sich mit Themen wie Schwangerschaft und Verhütung auseinanderzusetzen, weil sie noch nicht sexuell aktiv sein "sollen". Sogar einige Erwachsene ergreifen keine Verhütungsmaßnahmen, weil ein "Vorbereitetsein" möglicherweise den Anschein hätte, dass sie planen, Sex zu haben. Dies könnte den Anschein erwecken, dass sie davon ausgehen, dass spontaner Geschlechtsverkehr romantischer oder weniger unmoralisch wäre. Das sind einige Beispiele dafür, wie Menschen sich selbst auf den Arm nehmen oder ihr Gesicht vor ihrem Partner bewahren. Jeder, der sexuell aktiv wird, sollte zumindest wissen, was er oder sie tut.
  2. Sei über präventives Verhalten informiert. Erstens: Lerne die Risiken einer Schwangerschaft einschätzen. Erinnere dich an frühere Kapitel: Das Risiko einer Frau schwanger zu werden, verändert sich während ihres Menstruationszyklus. Ein Mann hingegen ist immer fruchtbar oder in der Lage, sich fortzupflanzen. Zweitens: Sei dir über präventive Maßnahmen im Klaren, beispielsweise wann du dich zurückhalten solltest, wie du mit deinem Partner oder deiner Partnerin über Schwangerschaftsverhütung sprechen solltest, welche Verhütungsmittel ihr benutzen wollt, wie ihr diese richtig anwendet, wie du deinen Partner dabei unterstützen kannst, die richtigen präventionsbezogenen Entscheidungen zu treffen und wie ihr risikoreiche Situationen vermeiden könnt.
  3. Lerne, aktive und keine passiven Entscheidungen bezogen auf Sexualität zu treffen. Menschen sollten es nicht dem jeweiligen Partner überlassen, die Entscheidungen zu treffen. Um schwanger zu werden, braucht es immerhin zwei Menschen. Aus diesem Grund sollten sich beide Partner die Verantwortung über alle Entscheidungen teilen. Dabei sollte jeder die Möglichkeit haben, offen über Schwangerschaftsverhütung zu sprechen. Dieses Gespräch sollte möglichst frühzeitig stattfinden und nicht erst kurz vor dem Geschlechtsverkehr. Effektive Schwangerschaftsverhütung setzt ein Mindestmaß an Planung voraus.
  4. Schwangerschaftsverhütung erfordert Planung und auch einige öffentliche Handlungen, wie beispielsweise das Kaufen von Kondomen oder die Verschreibung der "Pille". Dies kann zunächst einmal peinlich wirken, da andere dann merken, dass Geschlechtsverkehr geplant wird. Das sollte aber niemanden davon abhalten, Vorkehrungen zu treffen.
  5. Sei konsequent. Um Schwangerschaften zu vermeiden, müssen Verhütungsmittel korrekt und jedes Mal eingesetzt werden, wenn es zum Geschlechtsverkehr kommt. Alles, was es braucht, um schwanger zu werden, ist eine einzige Unvorsichtigkeit. Benutzt ein Mann Kondome, reicht ein einziges Mal aus, bei dem er kein Kondom hat oder es nicht benutzen will, um seine Partnerin zu schwängern! Letztendlich ist das gesamte Wissen, all die Diskussionen und all die Verhütungsmittel, die Menschen haben, solange unnütz, bis sie all dies effektiv und jedes Mal einsetzen, wenn sie Geschlechtsverkehr haben.
  6. Sei flexibel. Verschiedene Paare nutzen zu verschiedenen Zeitpunkten in ihrer Beziehung unter Umständen auch verschiedene Methoden zur Empfängnisverhütung. Dabei ist es wichtig, die Methode zu nutzen, die unter den gegebenen Umständen am besten funktioniert. So kann beispielsweise eine Methode, die in der Vergangenheit gut funktioniert hat, in der Zukunft nicht mehr so gut funktionieren. Wenn sich die Lebensumstände einer Person verändern oder sie oder er eine neue Partnerin oder einen neuen Partner hat, sollte das Thema Schwangerschaftsverhütung wieder überdacht und neu verhandelt werden. Bedenke, dass auch Menschen, die bereits Geschlechtsverkehr hatten und verhütet haben, immer noch die Möglichkeit haben, abstinent zu sein.

Verhinderung des Eisprungs

Ohne eine Eizelle (oder eine Samenzelle) kann es nicht zu einer Schwangerschaft kommen. Die sogenannte Antibabypille verhindert, dass die Eierstöcke reife Eizellen produzieren. Die Pille ist eine Form von oraler Empfängnisverhütung, das bedeutet, dass es sich um eine Methode zur Empfängnisverhütung handelt, die über den Mund eingenommen wird. Es gibt verschiedene Arten, die aber alle entweder einzeln oder in verschiedenen Kombinationen die Hormone Östrogen und Progesteron enthalten.

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Wie viele Tabletten sind hier abgebildet? Warum sind es genau so viele und nicht weniger oder mehr?

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Die Hormone in der Pille verhindern, dass es zum Eisprung kommt, oder dass sich eine Eizelle aus einem Eierstock löst. Das Progestin verändert die Gebärmutterschleimhaut so, dass sich eine befruchtete Eizelle dort nicht einnisten kann, und es sorgt auch dafür, dass ein für Samenzellen undurchdringlicher Schleimpfropf im Gebärmutterhals gebildet wird. Hierdurch bietet die Pille auf verschiedene Weisen Schutz vor Schwangerschaft.

Vertiefung

Wusstest Du schon?
Die Pille ist seit den 1960er Jahren erhältlich und basiert auf den Erkenntnissen aus den 1930er Jahren, dass Progesteron den Eisprung verhindern kann. In Deutschland ist sie das beliebteste Verhütungsmittel.



Weniger als eine von 100 Frauen, die ein Jahr lang die Pille gewissenhaft nehmen, wird schwanger. Zum Vergleich: Von 100 sexuell aktiven Frauen im Alter von 20 Jahren, die nicht verhüten, werden etwa 85 innerhalb eines Jahres schwanger[1]. Die Funktionsweise der Pille macht dieses Verhütungsmittel zu einem der wirkungsvollsten. Das gilt aber nur, wenn man die Pille genau so einnimmt, wie die Anleitung es vorschreibt.

Die Pille hat – wie alle anderen Medikamente auch – Nebenwirkungen. Nebenwirkungen sind unangenehme oder schädliche Reaktionen auf ein Medikament, die nicht beabsichtigt sind (bei der Antibabypille ist nur die Wirkung "Empfängnisverhütung" beabsichtigt). Zu den geringeren Nebenwirkungen der Pille zählen beispielsweise vorübergehende und leichte Übelkeit, Gewichtszunahme, Empfindlichkeit der Brüste und Verfärbungen der Haut. Diese Nebenwirkungen ahmen frühe Symptome einer Schwangerschaft nach, also der Zeit, in der der Östrogenspiegel im Körper hoch ist. Nicht bei allen, die die Pille nehmen, treten diese Nebenwirkungen auf.

Vertiefung

Wusstest Du schon?
Zur Schwangerschaftsverhütung benutzen in Deutschland rund 54 % der Frauen die Pille, 13,4 % die Spirale. 19 % der Sexualpartner benutzen ein Kondom. 7 % lassen sich sterilisieren.



Wenngleich ernst zu nehmende Risiken oder Nebenwirkungen der Pille selten sind, kann deren Einnahme zu einem erhöhten Risiko für Herzinfarkt, Schlaganfall, Bluthochdruck und Blutgerinnseln führen. Raucherinnen und Frauen über 35 Jahre haben ein erhöhtes Risiko. Auch kann die Einnahme der Pille bei einigen Frauen das Brustkrebsrisiko erhöhen. Die Pille kann über einen längeren Zeitraum sehr teuer werden und führt dazu, dass die Frau die gesamte Verantwortung für die Empfängnisverhütung trägt.

Diese möglichen Nebenwirkungen der Pille sollten von allen bedacht werden, die darüber nachdenken, die Pille zu nehmen. Die Pille gilt als ein angemessen sicheres und hochgradig wirksames Verhütungsmittel, zumindest, solange sie korrekt und regelmäßig eingenommen wird.

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Die Antibabypille ist die häufigste, wenngleich nicht die einzige Form hormoneller Verhütung. Eine weitere anerkannte Form der hormonellen Empfängnisverhütung ist keine Pille, sondern ein Hormonimplantat. Hierzu pflanzt ein Arzt ein kleines streichholzähnliches Stäbchen unter die Haut, das Progestin enthält. Ein derartiges Implantat kann bis zu fünf Jahren unter der Haut bleiben und schützt durch eine hormonelle Depotwirkung mit einer Sicherheit von 99 % vor einer Schwangerschaft. Statistiken legen nahe, dass von 100 Frauen, die über den Zeitraum eines Jahres ein solches Implantat verwenden, nur eine von ihnen schwanger wird. Sobald sich eine Frau mit einem Hormonimplantat doch für eine Schwangerschaft entscheidet, lässt sie das Implantat einfach wieder von einem Arzt entfernen. Die Fruchtbarkeit normalisiert sich dann innerhalb weniger Monate wieder. Neben der Sterilisation (hierauf wird später eingegangen) ist das Hormonimplantat derzeit die sicherste Form von Empfängnisverhütung, gerade weil menschliches Fehlverhalten (zum Beispiel: Vergessen, die Pille zu nehmen) ausgeschlossen werden kann.

Der Nuvaring ist ein Hormonring, der in die Vagina eingeführt wird und dort wie die Pille wirkt – mit dem Unterschied, dass die Hormone nicht durch den gesamten Körper geschickt werden müssen, sondern lokal wirken, weshalb der Nuvaring deutlich weniger Hormone hat als die Pille.

Gibt es auch eine Pille für Männer? Es ist möglich, die Produktion von Samenzellen mit hormonellen Methoden zu unterdrücken. Allerdings ist es schwieriger, die Produktion völlig zu unterbinden, da bei Männern Milliarden Spermien produziert werden. Außerdem könnte sich eine solche Pille mit der Zeit negativ auf die Erektionsfähigkeit auswirken. Es ist aber durchaus denkbar, dass in einigen Jahren eine wirkungsvolle hormonelle Verhütung für Männer entwickelt wird.

Natürliche Methoden der Empfängnisverhütung

Wenn wir Samenzellen daran hindern könnten, eine Eizelle zu erreichen, würde niemand schwanger werden. Der Eisprung tritt in der Mitte des Menstruationszyklus auf (ungefähr am 14. Tag) und die Eizelle überlebt für etwa einen Tag im Eileiter. Warum wird dann nicht während dieser Zeit für ein bis zwei Tage auf Geschlechtsverkehr verzichtet und so auf natürliche Weise einer Schwangerschaft vorgebeugt? Diese Methode ist auch als Rhythmus- oder Kalendermethode bekannt, kostet nichts und hat auch keine schädlichen Nebenwirkungen.

Das klingt großartig, aber einen Haken hat diese Methode: Es ist schwierig herauszufinden, wann genau es zum Eisprung kommt. Das ist auch der Grund, warum diese Methode nicht besonders effektiv ist. Die Misserfolgsquote liegt bei 20 %, das bedeutet, dass von 100 Frauen, die diese Methode anwenden, 20 schwanger werden. Es kommt nicht immer genau am 14. Tag zum Eisprung und es ist eben nicht einfach, zu bestimmen, wann genau er stattfindet. Selbst dann nicht, wenn Hilfsmittel eingesetzt werden, wie beispielsweise ein Test zur Vorhersage des Eisprungs. Sollte es Forschern einmal gelingen, den genauen Zeitpunkt des Eisprungs vorherzusagen, kann die Rhythmus- oder Kalendermethode die beste Möglichkeit zur Empfängnisverhütung werden. Dieser Tag wird bestimmt einmal kommen, allerdings ist es jetzt noch nicht so weit.

In der Zwischenzeit werden viele junge Frauen schwanger, weil sie der festen Überzeugung sind, dass sie wissen, wann es "sicher" ist, ungeschützten Geschlechtsverkehr zu haben. Einige gehen davon aus, dass die Mitte des Zyklus (wenn es zum Eisprung kommt) der sicherste Zeitpunkt ist. Genau diese Zeit ist aber der unsicherste Zeitpunkt! Einige junge Frauen denken auch, dass während oder kurz nach ihrer Periode ein sicherer Zeitpunkt ist, aber auch das stimmt nicht immer. Eine Frau sollte bezogen auf ihren Zyklus nicht in Kategorien wie "sicher" oder "unsicher" denken, sondern eher von einem "geringeren Risiko" und einem "erhöhten Risiko" sprechen. Die Zeiten von geringerem und höherem Risiko werden in Abbildung 8.15 veranschaulicht. Hier wird ein 28-Tage-Zyklus gezeigt. (Beachte bitte, dass nicht jede Frau einen 28-Tage-Zyklus hat. So kann es sein, dass 36 Tage zwischen zwei Menstruationsperioden vergehen, obwohl nahezu immer 14 Tage zwischen Eisprung und der nächsten Periode vergehen.)

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Die Geburtenkontrollkette (Abb. 8.15) nach Maria Hengstberger ist trotzdem ein praktischer Menstruationskalender, der aber nicht exakt sicher ist. Aber die Kette kann einen Anhaltspunkt geben, wo die Frau im Zyklus steht. Die Kette besteht aus 30 tropfenförmigen Perlen. Sie haben verschiedene Farben und jede einzelne stellt einen Tag im Menstruationszyklus der Frau dar. Ein kleiner Gummiring wird täglich von einer Perle weiter auf die nächste geschoben. Durch die Tropfenform lässt er sich nur in eine Richtung schieben, vom schmalen über das breite Ende der Perle. So ist ein Richtungswechsel ausgeschlossen. Am Beginn steht eine rote Perle. Sie symbolisiert den ersten Tag der Menstruationsblutung. Von dieser Perle wird der Gummiring auf der Geburtenkontrollkette gestartet. Durch kleine rote Markierungen auf gelben Perlen wird die durchschnittliche Anzahl der Tage der Menstruation gekennzeichnet. Die Tage mit Menstruation dauern in der Regel 4–5 Tage. Gelbe Perlen bedeuten unfruchtbare Tage. Eine Metapher für die gelbe Farbe ist der unfruchtbare gelbe Wüstensand. Blaue Perlen bedeuten fruchtbare Tage. Das Blau steht für Wasser und Fruchtbarkeit. Zwischen den fruchtbaren und den unfruchtbaren Tagen gibt es eine Übergangsphase. In dieser Übergangsphase ist eine Schwangerschaft unwahrscheinlich, jedoch nicht unmöglich. Diese mögliche fruchtbare Zeit wird durch unterschiedliche blaue Markierungen auf den gelben Perlen gekennzeichnet. So können die Frauen leicht feststellen, in welcher Phase ihres Zyklus sie sich befinden. Zu Beginn der nächsten Menstruation wird der Gummiring wieder an den Anfang geschoben. Die Kette wird in 30 Ländern von 27 Entwicklungshilfeorganisationen verteilt. In den meisten Gegenden, in denen sie Verwendung findet, konnte die Geburtenrate um mehr als 50 % gesenkt werden. Die Kette ist keine sichere Art, eine Empfängnis zu verhindern, aber sie kann dabei helfen. Sie funktioniert aber nur, wenn man jeden Tag den Ring weiterschiebt.

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Nicht jede Frau hat einen 28-Tage-Zyklus. So kann es sein, dass 36 Tage zwischen zwei Menstruationsperioden vergehen. Die Länge eines Zyklus kann sich verändern. Gleichzeitig liegen aber nahezu immer 14 Tage zwischen Eisprung und der nächsten Periode. Es ist der erste Teil des Menstruationszyklus (1. bis 14. Tag), der variieren kann. An welchem Tag wird es wahrscheinlich zum Eisprung kommen, wenn eine Frau einen 36-Tage-Zyklus hat? An welchem Tag wird es wahrscheinlich zum Eisprung kommen, wenn eine Frau einen 21-Tage-Zyklus hat?



Eine andere natürliche Verhütungsmethode ist der Coitus interruptus oder kurz Interruptus. Hierbei wird der Penis rechtzeitig vor der Ejakulation aus der Vagina gezogen. Allerdings ist auch diese Methode nicht wirklich zuverlässig. Genau wie die Kalendermethode hat der Coitus interruptus eine Misserfolgsquote von etwa 20 %. In Phasen der sexuellen Erregung kann man sich nicht zweifelsfrei darauf verlassen, dass der Penis vor der Ejakulation rechtzeitig aus der Vagina gezogen wird. Darüber hinaus ist es wahrscheinlich, dass einige Samenzellen bereits vor dem Samenerguss "entkommen". Deswegen ist es umso wichtiger, dass ein Kontakt zwischen Penis und Vagina solange nicht stattfindet, bis ein entsprechendes Verhütungsmittel eingesetzt wird.

Barrieremethoden

Durch den Einsatz von Barrieremethoden können die Samenzellen effektiver davon abgehalten werde, eine Eizelle zu erreichen und zu befruchten. Hierbei werden Samen- und Eizelle durch eine Barriere am gegenseitigen Kontakt gehindert. Die am häufigsten verwendete Barrieremethode ist das Kondom, eine dünne Hülle, die meistens aus Latex besteht. Diese Hülle umschließt den Penis und fängt das Ejakulat auf.

Das Kondom wird über den Penis gezogen, bevor dieser mit der Vagina in Kontakt kommt. Doch das Kondom hat auch noch weitere Vorzüge und verhindert beispielsweise eine Infektion mit sexuell übertragbaren Krankheiten. Allerdings bieten nur Latexkondome Schutz gegen virale Infektionen wie HIV bzw. AIDS. Kondome sind nicht teuer, du brauchst für deren Kauf kein ärztliches Rezept, der männliche Partner übernimmt Verantwortung und es gibt keine Risiken und Nebenwirkungen. Kondome können aber auch reißen; sie müssen während einer Phase der sexuellen Erregung korrekt aufgezogen werden. Die ersten Versuche, ein Kondom richtig aufzuziehen, können ungewohnt und herausfordernd sein. Auch kann es sein, dass das Aufziehen eines Kondoms die Stimmung beim Geschlechtsverkehr kurzzeitig unterbricht. Wenn sie ohne Spermizide verwendet werden, haben Kondome eine ideale Misserfolgsquote von 2 %. Die tatsächliche Misserfolgsquote liegt hingegen bei 16 %.

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Spermizide enthalten Chemikalien, die Spermien abtöten. Sie funktionieren nicht als mechanische Barriere wie ein Kondom, sondern sorgen für eine chemische Barriere. In anderen Worten verhindern sie durch chemische Vorgänge eine Schwangerschaft. Allerdings ist der alleinige Einsatz von Spermiziden wenig effektiv. Bei der alleinigen Nutzung von Spermiziden wurden während eines Jahres durchschnittlich 30 % der Frauen schwanger. Werden sie jedoch mit anderen Verhütungsmitteln kombiniert, beispielsweise einem Kondom, einem Diaphragma oder einer Portiokappe, steigt die Zuverlässigkeit von Spermiziden. Die Kombination von Kondom und Spermizid ist sehr zuverlässig. Die niedrigste Misserfolgsquote, die beobachtet werden konnte, liegt bei 2 %. Gleichzeitig liegt die tatsächliche Quote immer noch bei 12 %.

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Spermizide gibt es in verschiedenen Formen. Meistens werden sie direkt in die Vagina eingebracht, zum Beispiel in Form von Tabletten, Schaum, Gel oder Cremes. Die Wirkung ist auf eine bestimmte Zeit begrenzt; einige wirken länger als andere. Manche Spermizide müssen mindestens zehn Minuten vor dem Geschlechtsverkehr eingebracht werden, alle müssen aber vor jedem Verkehr angewendet werden, ungeachtet der Tatsache, wie schnell eine Person erneut Geschlechtsverkehr hat. Spermizide sind mit detaillierten Gebrauchsanweisungen erhältlich, die ihren Benutzern dabei hilft, die effektivste Art und Weise der Verwendung herauszufinden.

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Gib für die folgenden beiden Methoden zur Empfängnisverhütung jeweils ein Beispiel dafür, wie sie falsch angewendet werden können und so zu der „typischen“ Misserfolgsquote beitragen:

  • Kondome
  • Spermizide



Einige Menschen fühlen sich bei der Verwendung von Spermiziden nicht wohl, finden, dass es schwer ist, diese korrekt anzuwenden, oder erleben Hautirritationen. Dennoch können Spermizide vor manchen sexuell übertragbaren Krankheiten und einer ungewollten Schwangerschaft schützen. Genau wie Kondome hat die Verwendung von Spermiziden im Wesentlichen keine gefährlichen Nebenwirkungen. Diese Barrieremthode ist kostengünstig und nicht verschreibungspflichtig.

Das Diaphragma ist ein weiteres Beispiel für Barrieremethoden. Das Diaphragma ist eine dünne Kappe aus Latex, die von einem Arzt verschrieben und angepasst wird. Vor dem Geschlechtsverkehr wird es mit einem spermizidhaltigen Gel bestrichen und dann in die Vagina eingeführt, um Gebärmutter und Gebärmutterhals zu verschließen. Das Diaphragma hat eine ideale Misserfolgsquote von 6 % und eine tatsächliche von 18 %.

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Um zuverlässig zu funktionieren, muss ein Diaphragma mit einem Spermizid kombiniert werden. Es kann bis zu sechs Stunden vor dem Geschlechtsverkehr eingeführt werden. Allerdings wird für weitere Geschlechtsakte mehr Spermizid benötigt, das aber aufgetragen werden kann, ohne das Diaphragma zu entfernen. Abgesehen von einer Reaktion auf das Spermizid gibt es wenige Nebenwirkungen.

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Was sind drei Vorteile, die für die Verwendung von Kondomen sprechen? Was sind drei Gründe, die gegen den Einsatz von Kondomen sprechen? Welche zwei Gründe sprechen für die Verwendung von Spermiziden, welche dagegen?



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Die Portiokappe ist – abgesehen davon, dass sie kleiner ist und den Gebärmutterhals enger umschließt – mit dem Diaphragma fast identisch. Sie saugt sich am Gebärmutterhals fest. In Kombination mit einem Spermizid ist sie genauso zuverlässig wie ein Diaphragma, mit einer idealen Misserfolgsrate von 6 % und einer tatsächlichen Misserfolgsrate von 18 %. Eine Portiokappe kann doppelt so lange in der Vagina bleiben wie ein Diaphragma, maximal aber 48 Stunden.

Letztlich ist der auf Dauer sicherste Weg, Samen- und Eizelle an der Verschmelzung zu hindern, die Sterilisation. Bei einem Mann wird hierfür eine einfache Operation vorgenommen, bei der die Samenleiter abgebunden oder durchtrennt werden (Vasektomie). Obwohl die Hoden weiterhin Spermien produzieren, gelangen sie dann nicht mehr durch den Penis, sondern werden vom Körper abgebaut. Bei Frauen wird bei einer Sterilisation ein Stück der Eileiter entfernt oder die Eileiter werden abgebunden, damit Ei- und Samenzelle nicht mehr aufeinandertreffen können. Eine Sterilisation wirkt sich nicht auf die Hormonproduktion in Hoden oder Eierstöcken aus. Auch wirkt sich dieser Eingriff nicht auf die Sexualfunktion aus.

Vertiefung

Wusstest Du schon?
Diaphragma, Portiokappe und Kondom wurden Mitte des 19. Jahrhunderts erfunden, nachdem Gummi massenhaft produziert wurde. Sie alle werden seitdem benutzt.



Sterilisation und Vasektomie sind häufig nicht umkehrbar, also irreversibel. Wenngleich durch einen weiteren chirurgischen Eingriff versucht werden kann, die Eileiter wieder zu reparieren, funktioniert dies nur in rund 60 % aller Fälle. Solche Eingriffe erfordern komplizierte Operationen. Sterilisation ist etwas für Menschen, die sich sicher sind, dass sie niemals mehr auf natürlichem Weg Kinder bekommen wollen.

Einzelnachweise

  1. Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung: http://www.familienplanung.de/service/lexikon/p/pearl-index/ (Zugriff: 25.12.13)