Essstörung

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Bild rechts: CC BY-Armin Kübelbeck SA 3.0 http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/deed.en http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Underweight_01.jpg


Wenn nicht mehr lustvoll und mit Genuss gegessen wird, wenn sich betroffene Menschen stark mit Figur und Gewicht beschäftigen und auch in ihrem sonstigen Verhalten oder Wesen wandeln, wenn sie stark oder schnell an Gewicht verlieren, können das Anzeichen für eine Essstörung sein. Auch aus merkwürdigen Verhaltensweisen oder einer Diät kann ein Dauerzustand werden, der die Einstellung zum Essen verändert. Dann kann es zu einer krankhaften Essstörung kommen.

Das rechtzeitige Erkennen der Störung und die Begleitung der Betroffenen ist sehr entscheidend für die Heilung, denn: Essstörungen sind zwar vergleichsweise seltene, aber schwere seelische Krankheiten, die auch dem Körper massiv schaden. Zentral für solche Menschen ist die ständige gedankliche und emotionale Beschäftigung mit dem Thema "Essen". Sie betrifft die Nahrungsaufnahme oder deren Verweigerung und hängt mit psychosozialen Störungen und mit der Einstellung zum eigenen Körper zusammen (Psychosomatik).

Die Betroffenen beeinflussen ihre Energiebilanz:

  • Zu hohe Energiezufuhr bei zu geringem Energieverbrauch, z. B. durch mangelnde Bewegung, führt zu Übergewicht durch dauerhafte Plusbilanz → es kommt zu Übergewicht.
  • Zu geringe Energiezufuhr bei relativ zu hohem Energieverbrauch führt zu Mangelernährung durch dauerhafte Minusbilanz → es kommt zu Untergewicht.
  • Falsche Ernährung führt zu Vitaminmangel, Mineralmangel und zu einer Störung des Elektrolythaushalts im Körper → führt zu unausgewogener Ernährung mit streng bilanziertem Speiseplan.

Der BMI als Orientierungswert

Der BMI dient als Orientierungswert für die Beurteilung des Ernährungszustandes. Es wird das Körpergewicht (in Kilogramm) durch die Körpergröße (in Meter zum Quadrat) geteilt. Daraus ergibt sich die Bewertung des Körpergewichts eines Menschen in Relation zu seiner Körpergröße.

Formel

 BMI = \frac {m}{l^2}
In dieser Formel gibt m die Körpermasse und l die Körpergröße an.



Zum Beispiel hat ein Jugendlicher mit einer Körpergröße von 1,65 m und einem Körpergewicht von 61,6 kg einen BMI von 22,6.

Definition BMI-Wert
hochgradiges Untergewicht < 16 kg/m²
mäßiges Untergewicht 16–16,99 kg/m²
leichtes Untergewicht 17–18,49 kg/m²
Normalgewicht 18,50–24,99 kg/m²
Übergewicht 25–29,99 kg/m²
Adipositas Grad I 30–34,99 kg/m²
Adipositas Grad II 35–39,99 kg/m²
Adipositas Grad III ≥ 409 kg/m²



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Körperliche Regelmechanismen können den Energieumsatz des Körpers über einen gewissen Zeitraum und in einem begrenzten Ausmaß an das Energieangebot anpassen. Wenn es zu einem Mangel an Energie kommt, werden Stoffwechselregulationen eingesetzt, um z. B. vorhandene Energievorräte besser auszunutzen und Energie einzusparen.

Hauptformen

Die bekanntesten, häufigsten und anerkannten Essstörungen sind die unspezifische Esssucht, die Magersucht (Anorexia nervosa), die Ess-Brech-Sucht (Bulimia nervosa) und die Fressattacken (englisch "Binge Eating").

Die einzelnen Störungen sind nicht klar voneinander abgrenzbar. Oft wechseln die Betroffenen von einer Form zur anderen, und die Merkmale gehen ineinander über und vermischen sich. Zentral ist immer, dass die Betroffenen sich zwanghaft mit dem Thema Essen beschäftigen. Bei allen chronisch gewordenen Essstörungen sind lebensgefährliche körperliche Schäden möglich (Unterernährung, Mangelernährung, Fettleibigkeit). Frauen sind verstärkt betroffen. Bei ihnen treten auch Störungen im Menstruationszyklus auf, bis zum totalen Aussetzen der Menstruation (Amenorrhoe).

Die Übergänge zwischen "normal" und "krankhaft" sind von vielen Faktoren abhängig. Ein Mensch, der aus religiösen oder ideologischen Gründen besondere Ernährungsformen pflegt, ist nicht unbedingt essgestört. Manche Esssüchtige sind körperlich und in ihrem Verhalten unauffällig – die Sucht spielt sich bei ihnen ausschließlich im Kopf ab.

Esssucht

Esssüchtige essen zwanghaft und denken dauernd an "Essen" und an die Folgen für ihren Körper. Sie essen entweder zu viel oder sie kontrollieren ihr Gewicht mit komplizierten Systemen von Essen, Diäten, Fasten und Bewegung. Esssucht führt häufig zu Übergewicht oder Fettleibigkeit (Adipositas), mit den zugehörigen gesundheitlichen und sozialen Problemen. Übergewichtige fühlen sich oft als Versager und Außenseiter. Fehlernährung kann zu zusätzlichen Problemen führen.

Magersucht

Magersucht ist durch einen absichtlich und selbst herbeigeführten Gewichtsverlust gekennzeichnet. Durch Hungern und Kalorienzählen wird versucht, dem Körper möglichst wenig Nahrung zuzuführen, durch körperliche Aktivitäten soll der Energieverbrauch gesteigert werden. Die betroffene Person sieht dabei den eigenen körperlichen Zustand häufig nicht, sie empfindet sich als zu dick, auch noch mit extremem Untergewicht (Körperschemastörung). Folgen der Magersucht sind Unterernährung, Muskelschwund und Mangelernährung. Langzeitfolgen sind beispielsweise Osteoporose und Unfruchtbarkeit.

Ess-Brech-Sucht

Bei der Ess-Brech-Sucht sind die Betroffenen meist normalgewichtig, haben aber große Angst vor der Gewichtszunahme, dem "Dickwerden"; man kann das als "Gewichtsphobie" umschreiben. Sie ergreifen deshalb ungesunde Gegenmaßnahmen wie Erbrechen, exzessiven Sport, Abführmittelgebrauch, Fasten oder Einläufe. Dadurch kommt der Körper in einen Mangelzustand und es kommt zu so genannten Ess-Attacken, wobei große Mengen Nahrung auf einmal verzehrt werden. Das Überessen und Erbrechen wird häufig als entspannend erlebt.

Binge-Eating-Störung

Essattacken treten im Zusammenhang mit suchtartigen Heißhungergefühlen auf. Von Binge Eating wird gesprochen, wenn während mindestens sechs Monaten an zumindest zwei Tagen pro Woche ein Anfall von Heißhunger auftritt, bei dem in kürzester Zeit ungewöhnlich große Mengen an Nahrungsmitteln aufgenommen werden. Der Betroffene verliert die Kontrolle über die Nahrungsaufnahme.

Außerdem müssen mindestens drei der folgenden sechs Bedingungen zutreffen:

  • essen, ohne hungrig zu sein
  • besonders schnelles Essen
  • essen, bis ein unangenehmes Gefühl einsetzt
  • allein essen, um Gefühle von Schuld und Scham zu vermeiden
  • die Ess-Anfälle werden als belastend empfunden
  • nach dem Ess-Anfall treten Gefühle von Ekel, Scham oder Depressionen auf

Wie kann bei Ess-Störungen geholfen werden

Erfolgreiche Behandlungen gehen meist so vor, dass unterschiedliche Behandlungsstrategien gleichzeitig eingesetzt werden. Im Zentrum steht oft eine Psychotherapie, bei manchen Essstörungen sind auch familientherapeutische Behandlungsprogramme sinnvoll. Gleichzeitig kann ein Ernährungsprotokoll geführt werden. Bei bestimmten Essstörungen ist ein regelmäßiges Wiegen notwendig, aber auch Unterstützung bei einer ausgewogenen Ernährung.

Einzelnachweise