Die Geschlechtsorgane

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Wie arbeiten das männliche und das weibliche Fortpflanzungssystem?

In diesem Abschnitt beschäftigen wir uns mit den Fortpflanzungsorganen. Für viele von uns sind die Genitalien nicht "neutral" wie andere Teile des Körpers. Häufig ist es schwierig, über sie zu sprechen, ohne dass wir darauf achten, wie wir uns diesbezüglich fühlen. Du solltest dir über deine eigenen Gedanken und Gefühle im Klaren sein, während du diesen Text liest und die Abbildungen betrachtest. Bedenke dabei bitte, dass deine Einstellungen und deine Sprache sich auf deine Mitschülerinnen und Mitschüler auswirken.

Die männlichen Geschlechtsorgane

Das Fortpflanzungssystem besteht aus einer integrierten Einheit. Die Teile, die sich außerhalb des Körpers befinden, werden als äußere Geschlechtsorgane oder Genitalien bezeichnet. Die Teile, die sich innerhalb des Körpers im Unterbauch befinden, werden als innere Geschlechtsorgane bezeichnet. Die männlichen Genitalien beinhalten den Penis, das Organ, das zum Geschlechtsverkehr verwendet wird und durch das Sperma und Urin geleitet werden. Hierzu zählt auch der Hodensack, der die männlichen Fortpflanzungsdrüsen (Hoden) enthält.

Anmerkung

Was meinst Du?
Welche Gründe gibt es dafür, dass Menschen in den meisten Kulturen ihre Genitalien verdecken, selbst wenn sie sonst nicht viel Kleidung tragen?



Oft verbinden Menschen die inneren Geschlechtsorgane mit Fortpflanzung und die Genitalien mit sexuellen Aktivitäten. Das ist der Grund, warum die äußeren Genitalien bei einigen Menschen Unbehagen auslösen, wie etwa Scham oder Verlegenheit. Das öffentliche Zeigen von Genitalien oder Fotos, auf denen Genitalien abgebildet sind, wird in verschiedenen Gesellschaften durch unterschiedliche Gesetze und Traditionen geregelt.

Die folgenden Abbildungen zeigen die männlichen Geschlechtsorgane von vorne und von der Seite.

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Um den Übersichtsplan des Fortpflanzungssystems zu verstehen, hilft es, sich vorzustellen, dass er aus drei Teilen besteht. Ein Teil produziert und bevorratet die Spermien. Ein weiterer Teil transportiert die Spermien. Der dritte Teil liefert die Spermien ab. Das Ziel der miteinander in Beziehung stehenden Teile ist es, dafür zu sorgen, dass eine Samenzelle mit einer Eizelle verschmilzt. Alles ist darauf ausgerichtet, dieses Ziel bestmöglich zu erreichen.

Der erste Teil des Systems, die Hoden, produziert die Spermien. Jeder Hoden ist mit kleinen, fadenförmigen Röhrchen oder Kanälchen gefüllt. In den Wänden dieser hohlen Kanälchen werden die Samenzellen produziert. Je reifer die Samenzellen werden, desto weiter gelangen sie in Richtung des Hohlraums in der Mitte der Kanälchen. Diese Kanälchen sind eng zusammengerollt, um wenig Platz einzunehmen; würde man alle ausrollen und hintereinander legen, so hätten sie eine Länge von knapp 402 Metern! Die Hoden können von Beginn der Pubertät an täglich bis zu 300 Millionen Spermien produzieren.

Die Hoden fungieren gleichzeitig auch als endokrine Drüsen, die das männliche Hormon Testosteron produzieren. Testosteron wird von Zellen produziert, die sich zwischen den spermientragenden Kanälchen befinden. Die Drüsen sind dabei nicht in direktem Kontakt mit den Samenzellen. Das Testosteron, das sie produzieren, gelangt über den Blutfluss zum Sperma. Testosteron ist notwendig für die Entwicklung von Spermien.

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Der zweite Teil des männlichen Fortpflanzungssystems speichert und transportiert das Sperma. Die Samenzellen in den Kanälchen in jedem Hoden bewegen sich nach und nach in eine zusammengerollte Speichereinheit, die Epididymis oder Nebenhoden genannt wird. Die Epididymis wird dann zu einer einzelnen Röhre, dem Samenleiter. Dieser transportiert die Samenzellen aus den Hoden heraus. Von jedem Hoden führt ein Samenleiter aus dem Hodensack in den Unterleib. Jeder der beiden Samenleiter biegt sich über die Harnblase und mündet in die Prostata ein. Die Prostata ist ein Organ an der Rückseite der Blase, das die Samenzellen zusätzlich mit einer Flüssigkeit versorgt. In der Prostata vereinigt sich schließlich der Samenleiter mit der Harnröhre, also der Röhre, die entweder Urin oder Sperma transportiert. Die Harnröhre durchzieht den Penis und führt schließlich nach außen. Sobald Samenzellen durch dieses System transportiert werden, werden sie mit einer nährstoffreichen Flüssigkeit gemischt und bilden dann das Sperma. Diese Flüssigkeiten stammen aus der Prostata und aus zwei kleinen Säckchen, den Samenbläschen. Das Sperma wird während des lustvollen Höhepunktes sexueller Erregung (Orgasmus) aus dem Penis ejakuliert.

Bei männlichen Individuen wird bei der Blasenentleerung Urin aus der Harnblase (dem Ort, an dem Urin gespeichert wird) durch die Harnröhre aus dem Körper transportiert. Allerdings kommt es nicht vor, dass sich Urin und Sperma vermischen, da die Blasenöffnung sich während der Ejakulation fest verschließt.

Der flüssige Teil des Spermas besteht aus Flüssigkeiten, die aus der Prostata und anderen Drüsen stammen. Diese Sekrete enthalten Nährstoffe für die Samenzellen und aktivieren die Schwänzfäden der Samenzellen, damit die Spermien sich nach der Ejakulation selbstständig in der Vagina fortbewegen können.

Refexion

Überprüfe dich selbst!
Warum, denkst du, hat eine Eizelle keinen Schwanz?


Penis und Beschneidung

Der Penis

Der dritte Teil des männlichen Fortpflanzungssystems ist der Penis. Er ist das augenfälligste männliche Geschlechtsorgan und hat daher erhebliche Bedeutung als geschlechtliches Identifikationsmerkmal von Jungen.

Wusstest Du, dass der Penis eine komplexe Struktur aufweist – so wie das weibliche Geschlechtsorgan auch?

Durch den Penis kann Sperma in die Vagina der Frau transportiert werden. Er dient also ganz unmittelbar der Fortpflanzung. Für Jungen und Männer am wichtigsten ist aber zweifelsohne die Funktion des Penis als „Gefühlssensor“ beim Masturbieren und beim Sex.

Der Penis (auch Glied) besteht aus dem Penisschaft, der Harnröhre, der Eichel, der Vorhaut und dem Vorhautbändchen (Frenulum).

Der Penisschaft wird von drei schwammartigen Schwellkörpern gebildet, die sich bei sexueller Erregung mit Blut füllen. Dadurch entsteht eine Erektion; der Penis wird größer, härter und richtet sich auf. Nur so kann er in die Vagina der Frau eingeführt werden.

Die Eichel ist der Teil des Penis, der besonders empfindlich ist. Sie ist eine ebenfalls schwammartige Verdickung am vorderen Ende des Penis. Anatomisch gehört sie zum Harnröhrenschwellkörper an der Unterseite des Gliedes. Beim Steifwerden des Penis kann sich die Eichel auf ein Mehrfaches ihrer Ursprungsgröße ausdehnen. Das ist wichtig, um eine möglichst große Oberfläche für die sexuelle Stimulation (streicheln, reiben, gleiten, massieren) zu erreichen. Die Oberfläche der Eichel besteht nämlich aus einer extrem nervenreichen, feuchten Schleimhaut, die du z. B. mit den Innenflächen deiner Wangen vergleichen kannst. Außerdem nimmt die Eichel vor allem Druckreize wahr (Pressen, Kneten).

Die Eichel wird von der Vorhaut umschlossen und geschützt. Sie besteht aus zwei Hautschichten, die lose aufeinander liegen und gegeneinander verschiebbar sind. Während die äußere Vorhaut aus ganz normaler Körperhaut besteht, ist die innere Vorhaut ähnlich wie die Oberfläche der Eichel eine für sexuelle Stimulation höchst empfindliche Schleimhaut, eine sogenannte erogene Zone.

Wenn die Vorhaut nicht zurückgezogen ist, liegt ihre Innenseite auf der Eichel auf. Dadurch sind beide erogene Zonen – Eichel und die rosige, innere Vorhaut – vor dem Austrocknen, Verletzungen und Abstumpfung geschützt.

Etwa ab der Pubertät sollten Jungen ihre Vorhaut komplett hinter die Eichel zurückziehen können, zum einen, damit sie ihre Sexualität unbeschwert genießen können, zum anderen auch für eine optimale Hygiene.

Wenn du deine Vorhaut noch nicht oder nicht ganz zurückstreifen kannst, ist das kein Grund zur Panik! Dieser Zustand ist wahrscheinlich völlig normal. Lies hierzu den Abschnitt „Phimose“!

Jungs, bei denen „alles flutscht“, sollten sich regelmäßig, möglichst täglich unter der Vorhaut waschen.

Das Vorhautbändchen (Frenulum) verbindet die Unterseite der Eichel mit der Vorhaut und ist ebenfalls eine sehr empfindsame Stelle des Penis. Nach hinten setzt es sich als Penisnaht (Raphe) über den gesamten Penis, Hodensack und Damm bis zum Anus fort. Zu den Aufgaben des Frenulums gehört es, die Vorhaut immer wieder nach vorne über die Eichel zu ziehen und zu verhindern, dass die Vorhaut zu weit zurückgezogen wird.

Erogene Zonen

Gemeinsam mit dem Vorhautbändchen bilden Vorhaut und Eichel beim erigierten Penis eine große erogene Zone. Nirgends sonst sind Jungen und Männer so empfindlich für sexuelle Stimulationen, obwohl auch Wangen, Hals, Brust, Hodensack, Damm, Po und die Innenseiten der Oberschenkel erogene Zonen sind.

Wenn die Vorhaut beim erigierten Penis hinter die Eichel zurück gleitet, wendet sich die Vorhautinnenseite nach außen und gibt außerdem das Frenulum frei. Auf diese Weise verwandelt sich der gesamte vordere Teil des Penis in eine komplexe erogene Zone.

Um dir diesen Vorgang zu verdeutlichen, stelle dir einfach den etwas zu lang geratenen Ärmel eines Pullovers vor, den du aber nicht einfach nach hinten ziehst, sondern umklappst und dabei die Innenseite nach außen wendest.

Alles, was bei steifem Penis und zurückgezogener Vorhaut rosa oder rötlich-violett gefärbt ist, ist hocherogenes, für das Lustempfinden wichtiges Gewebe.

Erektion

Sicherlich hast Du schon einmal darüber nachgedacht, weshalb und wodurch der ansonsten schlaffe Penis bei Bedarf (und manchmal auch ziemlich überraschend) steif wird.

Das Steifwerden des Penis nennt man Erektion (Aufrichtung).

Ausgelöst wird dieser Vorgang durch sexuelle Erregung, also z. B. durch körperliche Reize (Streicheln, Reiben), psychische oder visuelle Reize (sexuelle Fantasien, Fotos, Videos usw. mit sexuellem Inhalt).

Vor allem die durch visuelle Reize verursachte sexuelle Erregung führt häufig dazu, dass der Penis unwillkürlich und vom Jungen unkontrollierbar steif wird.

Bei einer Erektion wird verstärkt Blut in die Penisschwellkörper gepresst und zugleich der Blutabfluss aus dem Penis gedrosselt. Du kannst das ungefähr mit dem Aufpumpen eines Fahrradreifens vergleichen.

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Damit mehr Blut in den Penis fließen kann, müssen sich bestimmte Muskeln entspannen, die normalerweise angespannt sind und die Durchblutung des Gliedes im Alltag auf das Nötige reduzieren. Das ist auch der Grund dafür, dass Jungen und Männer keinen steifen Penis bekommen, wenn sie Stress haben oder sich „anstrengen“, um eine Erektion zu bekommen. Entspannung heißt das Zauberwort! Die Penismuskulatur funktioniert etwa so wie der Schließmuskel der Blase. Auch der ist immer angespannt und entspannt sich nur beim Wasserlassen.

Orgasmus und Ejakulation

Wird der erigierte Penis durch Selbstbefriedigung oder Geschlechtsverkehr weiter stimuliert, kommt es schließlich zum Orgasmus und zur Ejakulation (Samenerguss), d. h. er entlädt das Sperma, das Samenzellen enthält. Der Orgasmus ist der Höhepunkt des Lustgefühls beim Sex; die Ejakulation hingegen ist der Ausstoß des Samens durch einen unwillkürlichen Reflex der Beckenbodenmuskulatur und der Prostata, wodurch das Sperma in mehreren kräftigen Schüben ausgestoßen wird.

Sperma

Den flüssigen Teil des Spermas bilden Sekrete, die aus der Prostata und anderen Drüsen stammen. Diese Sekrete enthalten Nährstoffe für die Samenzellen und aktivieren deren Schwanzfäden. Damit können sich die Spermien nach der Ejakulation selbstständig in der Vagina fortbewegen und eine Eizelle in der Gebärmutter der Frau befruchten.

Phimose

In der Kindheit und Jugend lässt sich die Vorhaut bei vielen Jungen noch nicht oder nur teilweise zurückstreifen, weil deren Innenseite noch mit der Eichel verklebt ist (Vorhautverklebung). Außerdem ist oft auch die Vorhautöffnung noch zu eng, so dass die Eichel nicht hindurch passt (Vorhautverengung, Phimose).

Phimose und Vorhautverklebung sind allerdings, wie wir heute wissen, keine Krankheiten, sondern natürlich und bis zur Pubertät ganz normal. Sie dienen dem Schutz der Eichel und der inneren Vorhaut in dem Lebensabschnitt, in dem ein Junge noch nicht bewusst sexuell aktiv ist.

Wenn durch Phimose und Verklebung keine Beschwerden entstehen, ist bis zur Pubertät auch keine Behandlung nötig.

Behandelt werden muss nur bei wiederholten Entzündungen, wenn der Urin nicht richtig abfließen kann oder wenn sich Vorhautverklebung und Phimose auch in der Pubertät nicht von selbst zurückbilden. Bei den meisten Jungen helfen schon spezielle Salben.

Manchmal ist eine Aufweitung der Vorhaut durch eine Operation (Vorhautplastik, Triple Inzision) nötig, bei der die Vorhaut mit all ihren Funktionen aber vollständig erhalten bleibt.

Es gibt nur ganz wenige Fälle, in denen nur eine Beschneidung Abhilfe schaffen kann, z. B. bei bestimmten, schweren Hautkrankheiten oder bei sehr starker Vernarbung der Vorhaut.

Wenn du dir unsicher bist, ob bei dir eine Phimose vorliegt und ob sie behandelt werden sollte, kannst du dich anonym z. B. hier https://www.beschneidungsforum.de/index.php?page=Board&boardID=26 oder hier: http://www.beschneidung-von-jungen.de/home/infos-fuer-jungen.html informieren.

Beschneidung

Oft heißt es, dass bei einer Phimose oder Vorhautverklebung eine Beschneidung nötig sei und viele Jungen sind auch aus diesem Grund beschnitten. Beschneidung bedeutet, dass die Vorhaut teilweise oder ganz entfernt wird.

Ohne zwingenden medizinischen Grund sollte eine Beschneidung allerdings nicht durchgeführt werden. Wie bei jeder Operation kann es dabei zu Komplikationen kommen. Aber auch ohne Komplikationen geht auf jeden Fall die Vorhaut verloren, die ein sehr sensibler und wichtiger Teil des Penis ist. Nach einer Beschneidung liegt die empfindliche Schleimhaut der Eichel frei, trocknet aus und stumpft mit der Zeit ab. Dadurch wird das sexuelle Empfindungsvermögen deutlich verringert, so dass eine stärkere Stimulation benötigt wird, um eine Erektion und einen Orgasmus zu erreichen. Die benötigte starke Stimulation ist für manche Frauen beim Geschlechtsverkehr schmerzhaft.

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Hinweis
Verdeutliche dir Folgendes:

Wenn sich der nicht beschnittene Penis beim Geschlechtsverkehr in der Vagina bewegt, gleiten gleich drei feuchte Schleimhäute aufeinander: die Eichelschleimhaut, die feuchte innere Vorhaut und die Vaginalschleimhaut der Frau. Dieses Flutschen, ein ganz natürlicher Vorgang, ist normalerweise schmerzfrei und sehr angenehm.

Fehlt die Vorhaut, trocknet die Eichel aus. Die Gleitfähigkeit hängt nun allein von der Scheidenfeuchtigkeit der Frau ab. Braucht der Junge oder Mann wegen der nicht mehr so empfindlichen Eichel zudem länger, um zum Orgasmus zu kommen, kann dies für die Partnerin unangenehm werden. Wegen dieser Auswirkungen auf die Sexualität sollten zum einen unnötige Beschneidungen vermieden werden und zum anderen bereits beschnittene Jungen und Männer über diese Besonderheit aufgeklärt sein.

In einer Gesellschaft wie in Deutschland, in der Beschneidung relativ selten ist, können Jungen und Männer unter dem veränderten Aussehen ihres Penis leiden.

Auch hierzu findest du Rat und Hilfe im Forum für Jungs.

Weltweite Beschneidungstraditionen

Weltweit betrachtet ist Beschneidung von Jungen aus kulturellen und religiösen Gründen weit verbreitet. Diese Operationen werden meistens nicht von Ärzten, sondern von traditionellen Beschneidern durchgeführt und oft auch ohne oder nur mit unzureichender Betäubung. Teilweise sind die Schmerzen als Teil einer Art Mutprobe vor dem Erwachsenwerden sogar beabsichtigt.

Üblich ist Beschneidung z. B. im Judentum und im Islam sowie bei vielen afrikanischen Stämmen. In Afrika sind die Operationsbedingungen oft besonders primitiv, so dass es zu schlimmen Komplikationen mit Entstellung oder Amputation des Penis oder sogar Todesfolge kommt. Auch in den USA werden viele Jungen gleich nach der Geburt aus sozialen Gründen beschnitten, d. h. damit ihr Penis so aussieht wie der ihres Vaters, ihrer Brüder und ihrer Freunde.

Kulturelle und religiöse Beschneidungen werden oft zusätzlich damit gerechtfertigt, dass Beschneidung gesundheitliche und hygienische Vorteile haben soll. Für solche Vorteile gibt es allerdings keine wissenschaftlichen Beweise.

Aufgrund der Nachteile einer Beschneidung und auf Basis der modernen Vorstellungen von Selbstbestimmung werden Beschneidungen an Kindern ohne medizinischen Grund inzwischen diskutiert und hinterfragt.

Auch dir würde es sicher nicht gefallen, wenn du nicht selbst darüber entscheiden könntest, ob du beschnitten wirst, wenn stattdessen deine Eltern diese Entscheidung über deinen Kopf hinweg treffen würden. Wenn du später einmal nicht glücklich damit ist, beschnitten zu sein oder sogar sexuelle Probleme deswegen hast, kannst du diese Entscheidung nicht mehr rückgängig machen.

Weibliche Genitalverstümmelung

Vielleicht hast du schon einmal davon gehört, dass in Afrika und Asien auch an den Genitalien von Mädchen Eingriffe durchgeführt werden. Man fasst diese Praktiken, die in den meisten Ländern bereits geächtet und verboten sind, mit dem Begriff weibliche Genitalverstümmelung zusammen.

Es gibt unterschiedliche Formen der weiblichen Genitalverstümmelung. Bei der extremsten Form werden die gesamten äußeren Genitalen entfernt und die großflächige Wunde bis auf ein kleines Loch vernäht, was lebenslange, schwere Beeinträchtigungen und Schmerzen für die betroffenen Frauen zur Folge hat. Bei anderen Formen wird dagegen wesentlich weniger Gewebe abgetrennt als bei der Beschneidung eines Jungen und manchmal werden auch „nur“ kleine Einschnitte oder Einstiche gemacht.

Zur weiblichen Genitalverstümmelung kannst du dich hier informieren: http://www.payer.de/entwicklung/entw16.htm#8.

Unabhängig vom Schweregrad verstoßen alle medizinisch nicht notwendigen Eingriffe an den Genitalien von Kindern gegen Menschen- und Kinderrechte und werden von den Betroffenen oft als entwürdigend und traumatisierend empfunden.

Frage

  1. Was meinst du: Welche Penisgrößen und welches Aussehen sind in welchem Alter normal?
  2. Welche sind die wichtigsten erogenen Zonen bei Jungen und Männern und wie funktionieren sie?
  3. Welche beiden Funktionen der Vorhaut hast du aus dem Text herausgelesen?
  4. Was meinst du: Welche psychischen Folgen kann eine Beschneidung für einen Jungen oder Mann haben?
  5. Wie ist deine Meinung: Gehört die Beschneidung eines minderjährigen Jungen zum Erziehungsrecht der Eltern?
  6. Ist die Beschneidung des eigenen Sohnes vielleicht Bestandteil des Rechtes auf Religionsfreiheit der Eltern?
  7. Findest du, dass Beschneidung von Jungen und Genitalverstümmelung von Mädchen unterschiedlich bewertet werden sollten? Warum bzw. warum nicht?


Die weiblichen Geschlechtsorgane

Die Geschlechtsorgane unterscheiden männliche Individuen ganz klar von weiblichen. Dennoch sind das männliche und das weibliche Fortpflanzungssystem nicht völlig unterschiedlich, da beide nach demselben Prinzip arbeiten. Jeder Teil des männlichen Fortpflanzungssystems hat – bezogen auf seine Struktur und Funktion – seine Entsprechung in einem Teil des weiblichen Fortpflanzungssystems.

Der wohl offensichtlichste Unterschied zwischen dem männlichen und dem weiblichen Fortpflanzungssystem sind die äußeren Genitalien. Im Gegensatz zu Männern befinden sich die Geschlechtsorgane bei Frauen im Körper (Unterleib). Dies hat den Zweck, den Fötus zu schützen, der im Körper heranwächst. Die äußeren Geschlechtsorgane einer Frau sind weniger markant und mit Schambehaarung bedeckt, die im Zuge der Pubertät zu wachsen beginnt.

Abbildung 8.9 zeigt die weiblichen Geschlechtsorgane. Zwei Hautfalten schützen die Vaginalöffnung und ihre Umgebung. Die äußeren Hautfalten werden äußere oder große Schamlippen (labia maiora) genannt. Die inneren Hautfalten sind schmaler, frei von Schambehaarung und werden innere oder kleine Schamlippen (labia minora) genannt.

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Zwischen den Schamlippen (Labien) liegen ein Organ und zwei Öffnungen: Die Klitoris, die Harnröhrenöffnung und die Vagina (die Öffnung, in die der Penis beim Geschlechtsverkehr eingeführt wird; diese führt von der Gebärmutter (Uterus) nach außen). Die Klitoris ist ein kleines Organ, das hochgradig empfindsam ist und während sexueller Erregung anschwillt. Bei weiblichen Individuen wird über die Harnröhre nur Urin transportiert. Sie ist unabhängig vom übrigen Fortpflanzungssystem. Nahe der Harnröhrenöffnung ist die Vaginalöffnung, die zu den inneren Geschlechtsorganen führt.

Anmerkung

Was meinst Du?
Wie urteilen manche Menschen über den Stellenwert der Jungfräulichkeit bei Männern und bei Frauen?



Ein dünner Ring aus Haut, genannt Hymen oder Jungfernhäutchen, bedeckt Teile der Vaginalöffnung. Das Hymen erfüllt allerdings keine bisher bekannte physiologische Funktion und kommt auch nicht bei anderen Spezies vor. Weil es häufig während des ersten Geschlechtsverkehrs reißt, wurde es lange Zeit als Zeichen von Jungfräulichkeit angesehen, also als Anzeichen dafür, dass bisher noch kein Geschlechtsverkehr stattgefunden hat. Allerdings kann das Hymen auch durch andere Umstände einreißen, ohne dass Geschlechtsverkehr stattgefunden hat, oder aber intakt bleiben, obwohl Geschlechtsverkehr stattgefunden hat. Tampons wirken sich aber nicht auf das Hymen aus.

Anmerkung

Wusstest Du schon?
Verglichen mit Samenzellen sind Eizellen riesig.



Betrachte die Abbildungen 8.9 und 8.10, um dich mit den Teilen des weiblichen Fortpflanzungssystems und deren Bezeichnung vertraut zu machen.

Der erste Teil des weiblichen Fortpflanzungssystems produziert und speichert ausgereifte Eizellen in den Eierstöcken. Eine Frau wird bereits mit allen Eizellen, die sie jemals haben wird, geboren. Das sind pro Eierstock etwa 400.000. Mit dem Einsetzen der Pubertät verbleiben noch rund 200.000 Eier, von denen während der fruchtbaren Zeit etwa 450 heranreifen. Allerdings werden davon nur sehr wenige jemals befruchtet (Verschmelzung von Ei- und Samenzelle).

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Vertiefung

Wusstest Du schon?
Die Eileiter sind ungefähr 10 cm lang. Im 16. Jahrhundert wurden sie von dem italienischen Anatom (jemand, der den Aufbau des Körpers von Lebewesen untersucht) Gabriello Fallopio benannt. Zu dieser Zeit ist Fallopio davon ausgegangen, dass die Eierstöcke der Belüftung der Gebärmutter dienten.



Abbildung 8.11 zeigt den Reifungsprozess einer Eizelle. Ein unreifer Follikel entwickelt sich zu einem reifen. Der ausgereifte Follikel besteht aus einer Gruppe von Zellen, die eine Eizelle enthalten, die von einer Flüssigkeit umgeben ist. Sobald der reife Follikel aufreißt, normalerweise am 14. Tag im Menstruationszyklus einer Frau, wird die Eizelle durch die Wand des Eierstocks freigesetzt. Diese Freisetzung wird Eisprung (Ovulation) genannt. Der nun leere Follikel wird corpus luteum (Gelbkörper) genannt. Der reifende Follikel produziert das Hormon Östrogen, der Gelbkörper produziert Progesteron. Östrogen und Progesteron sind die Hormone, die dazu beitragen, dass sich das weibliche Fortpflanzungssystem entwickelt und erhält. Diese Hormone machen es möglich, schwanger zu werden.

Der zweite Teil des Systems betrifft den Transport der Eizelle. Hierfür ist das Röhrensystem bei Frauen viel kürzer als bei Männern. Wenn jeden Monat beim Eisprung eine Eizelle die Wand des Eierstocks durchbricht, wird sie zunächst vom Eileiter aufgenommen. Für jeden Eierstock gibt es einen Eileiter. Der Eileiter nimmt die Eizelle auf und sendet sie in Richtung Gebärmutter, also dem Organ im Unterleib einer Frau, in dem sich ein Fötus entwickelt. Wenn eine Frau innerhalb eines Tages um ihren Eisprung ungeschützten Geschlechtsverkehr hat, kann es dazu kommen, dass die Eizelle mit einer männlichen Samenzelle verschmilzt und so befruchtet wird. Sofern es zur Befruchtung kommt, wird die befruchtete Eizelle in die Gebärmutter transportiert, wo sie sich einnistet. Sind hingegen keine Spermien da, kommt es nicht zur Befruchtung. In der Folge löst sich die Eizelle auf und wird während der Menstruation ausgeschieden.

Eine Öffnung im unteren Bereich der Gebärmutter wird Cervix oder Gebärmutterhals genannt und führt zum dritten Teil des weiblichen Fortpflanzungssystems, der Vagina. Die Vagina ist einerseits der Ort, wo die Ejakulation des Spermas stattfindet. Die Vagina ist auch der Kanal, durch den das Kind bei der Geburt kommt. Die Wände der Vagina bestehen aus Weichgewebe und können sich dehnen, um sich entweder an den Penis oder aber bei der Geburt an das Baby anzupassen.

Wie du siehst, ergänzen sich das männliche und das weibliche Fortpflanzungssystem gegenseitig für den Zweck der Fortpflanzung. Es ist ein wundervoll angelegtes System.

Aufgabe

Fragen zur Überprüfung

  1. Beschreibe drei Gemeinsamkeiten und drei Unterschiede zwischen dem männlichen und dem weiblichen Fortpflanzungssystem.
  2. Wie gelangen die Spermien aus den Hoden in den Penis? Beschreibe den Weg und erkläre die verschiedenen Teile.
  3. Was ist Sperma? Wie wird es produziert?
  4. Aus welchen Gründen ist das weibliche Fortpflanzungssystem vorwiegend im Körperinneren?
  5. Erläutere unter Verwendung der Fachausdrücke den Menstruationszyklus.
  6. Wie gelangt eine Eizelle in die Gebärmutter?

Einzelnachweise