Die Biodiversität

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Was ist Biodiversität?

Was ist eine vom Aussterben bedrohte Art? Was kannst du tun, um zu verhindern, dass eine Art verschwindet oder ausstirbt? Das sind Fragen, die Naturschutzbiologen versuchen zu beantworten. Naturschutzbiologie ist ein Forschungsbereich, in dem Wissenschaftler nach Wegen suchen, wie man die Artenvielfalt erhalten kann.

"Was ist das Leben? Es ist das Funkeln eines Glühwürmchens in der Nacht. Es ist der Atemzug eines Büffels in der Winterzeit. Es ist der kleine Schatten, der über das Gras huscht und sich selbst im Sonnenuntergang verliert."


Biodiversität

Was ist Biodiversität? Das Wort Diversität bedeutet Vielfalt. Diversität bezieht sich darauf, wie sich Dinge unterscheiden. Stell dir vor, du hast eine Kiste voll mit lila Buntstiften; die Farben in dieser Kiste sind nicht vielfältig. Wenn du jetzt aber eine Kiste mit Buntstiften hättest, die alle eine andere Farbe haben, wäre deine Kiste sehr vielfältig. Das Wort biologisch bezieht sich auf das Leben oder Vorgänge, die damit zu tun haben. Dementsprechend bedeutet Biodiversität die Vielfalt des Lebens, das in einem bestimmten Gebiet existiert.

Naturschutzbiologen befassen sich mit drei Ebenen von Biodiversität: Habitat-Diversität, Artenvielfalt und genetische Vielfalt.

Erinnere dich daran, dass Habitate oder Lebensräume die Orte sind, die all die Ressourcen enthalten, die ein Organismus zum Leben braucht. Das Habitat eines Wasserfroschs wäre demzufolge beispielsweise ein Teich.

Eine Art ist eine Gruppe von Organismen, die einander so sehr ähneln, dass sie sich fortpflanzen können und Nachkommen produzieren, die wie sie selbst sind. Wasserfrösche, Fruchtfliegen und Hunde sind drei verschiedene Arten.

Gene sind in nahezu jeder lebenden Zelle enthalten und tragen genetische Informationen von einer Generation zur nächsten. Gene sind für die meisten Merkmale oder Eigenschaften von Individuen oder Arten verantwortlich. Verschiedene Gene sorgen dafür, dass das Fell eines Hundes braun oder schwarz wird, dein Haar gelockt oder glatt ist oder dass die Blätter an einem Baum in deinem Garten grün oder eher gelblich sind.

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Aufgabe

Zähle deine Habitate
Wie viele Habitate oder Lebensräume kannst du in der Schule finden? Zähle alle Habitate, die du in deiner Schule finden kannst. Notiere sie auf einem Blatt oder in dein Logbuch. Beschreibe, wodurch sich die Habitate voneinander unterscheiden.



Lass uns nun die verschiedenen Ebenen der Biodiversität erforschen, die du um deine Schule herum finden kannst. Denke zuerst an die Vielfalt an Lebensräumen um das Gebäude herum. Ist dort auf einer freien Fläche ein Lebensraum für Gras, Löwenzahn und Ameisen, wie beispielsweise ein Sportplatz? Gibt es dort Wälder oder Parkanlagen, die ein Habitat für Vögel, Eichhörnchen, Kaninchen und Füchse bieten? Vielleicht entdeckst du sogar, dass die Abwasserrohre im Heizungskeller ein perfekter Lebensraum für Silberfische sind. Silberfische siehst du jedoch nur, wenn du sehr schnell schaust, nachdem du das Licht eingeschaltet hast. Eine freie Fläche, ein Wald und ein Abwasserrohr unterscheiden sich sehr stark voneinander und bieten dennoch jeweils ein Habitat für unterschiedliche Arten.

Aufgabe

Einheimische Arten
Benutze dasselbe Blatt, auf dem du schon angefangen hast, die verschiedenen Lebensräume um deine Schule herum aufzuschreiben. Schreibe die Arten der Organismen auf, die dir einfallen oder die du in jedem Habitat beobachten kannst. Wenn du damit fertig bist, schau dir deine Liste erneut an. Gibt es unter diesen Arten welche, die in mehr als einem Habitat leben? Denke jetzt über die Artenvielfalt nach, die du in den verschiedenen Habitaten um deine Schule herum finden kannst. Wahrscheinlich gibt es viele verschiedene Arten in jedem einzelnen dieser Lebensräume. Zu einigen dieser Arten können Gras, Löwenzahn, Bäume, Ameisen, Vögel, Kaninchen, Füchse, Tiere, die ihr in eurer Klasse haltet, Silberfische, Spinnen und Schaben gehören. Kannst du noch weitere finden? Vergiss zum Beispiel nicht die Art, die neben dir sitzt.



Lass uns jetzt die genetische Vielfalt einer Spezies um deine Schule herum erforschen. Wahrscheinlich ist es einfacher, sich auf eine Art zu konzentrieren und darüber nachzudenken, wie sich Einzelne dieser Art von anderen unterscheiden. Lass uns dich, deine Mitschülerinnen und Mitschüler und deinen Lehrer oder deine Lehrerin aussuchen!

Was unterscheidet dich von den Menschen um dich herum? Was unterscheidet die Menschen um dich herum von allen anderen? Haben einige schwarze Haare? Haben andere blonde Haare? Hat vielleicht irgendjemand braune oder rote Haare? Die Haarfarbe ist ein Beispiel für genetische Vielfalt bei Menschen. Welche anderen Merkmale für genetische Vielfalt fallen dir ein? Nachdem du verschiedene Merkmale gefunden hast, die Menschen voneinander verschieden machen, überlege dir Merkmale, in denen sich Menschen gleichen. Welche Merkmale haben alle Menschen gemeinsam?

Lass uns nun ein größeres Gebiet als das um deine Schule herum erforschen. Stellen wir uns gemeinsam eine Reise zum Kongo vor, einem Strom in West- und Zentralafrika, um die verschiedenen Ebenen von Biodiversität zu erforschen. Während wir über das Gebiet fliegen, kannst du viele unterschiedliche Arten von Habitaten sehen. Die Habitat-Diversität der Kongo-Flussregion umfasst Sümpfe, Grassavannen, tropische Trockenwälder, tropische Regenwälder, menschliche Siedlungen und den Strom Kongo, der auch Zaïre-Fluss genannt wird.

Sobald wir gelandet sind und uns die Organismen einmal genauer ansehen, stellen wir fest, dass es eine große Artenvielfalt in den jeweiligen Habitaten gibt. Der tropische Regenwald ist ein riesiges Habitat, das Millionen von verschiedenen Arten beheimatet. Einige davon sind Wildschweine, Treiberameisen, afrikanische Elefanten, Myrianthus arboreus (ein Baum mit essbaren Früchten), Ducker (rehähnliche Tiere), Lemuren und Gorillas.

Vertiefung

Wusstest du schon?
Die Erdoberfläche ist nur zu 2 % mit Regenwäldern bedeckt. Gleichzeitig sind dort aber mehr als die Hälfte der Wildpflanzen und Tierarten der Welt beheimatet.



Während wir unseren Weg durch den Regenwald entlang des Kongostroms fortsetzen, fällt uns eine Gruppe Gorillas auf. Hin und wieder wird ein Gorilla mit einem Gen geboren, das dafür sorgt, dass in dessen Körper kein Melanin produziert wird. Melanin ist ein Pigment, das für die Färbung von Haaren, Haut und Augen zuständig ist. Einen Gorilla, in dessen Körper kein Melanin produziert wird, nennt man Albino. Gorillas, die Albinos sind, haben weißes Fell und rosafarbene Augen. Normalerweise haben Gorillas ein dunkles Fell. Diese Albinos sind also ein außergewöhnliches Beispiel für die genetische Vielfalt, die unter Gorillas auftritt.

Ein Grund, biologische Diversität zu bewahren, ist der derzeitige und zukünftige wirtschaftliche Wert von biologischer Vielfalt: Alle unsere heimischen Nutzpflanzen und Nutztiere stammen von wilden Arten ab. Forscher untersuchen häufig die wild wachsenden Formen unserer Nutzpflanzen, um herauszufinden, ob sie ertragreichere Varianten für Landwirte züchten können. Beispiele für eine optimierte oder ertragreichere Züchtung sind beispielsweise schädlingsresistente Kartoffeln oder dürrebeständiger Weizen. Da wir nicht wissen, welche wilden Arten uns in Zukunft noch nützlich sein können, wollen wir aber auch heute schon keine Arten verlieren.

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Wilde Arten sind eine wichtige Quelle für Medikamente. Fast ein Drittel der Medikamente wird aus verschiedenen Pflanzen- und Pilzarten gewonnen. Niemand weiß, wann neue Medikamente entdeckt werden. Pharmaunternehmen testen aber ständig wilde Pflanzen auf ihren medizinischen Wert. Zwei Medikamente, die die Behandlung von Leukämie revolutioniert haben, werden aus einer wenig bekannten Pflanze gewonnen, dem Madagaskar-Immergrün. Diese siehst du in Abbildung 2.43

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Ein weiterer Grund, alle Arten zu bewahren, ist die Ästhetik. Ästhetik ist die Lehre vom Schönen. Die Ästhetik der Natur bezieht sich auf die Tatsache, dass Anblicke und Klänge in der Natur für uns schön und angenehm sind. So ist es beispielsweise schön, draußen verschiedene Pflanzen- und Tierarten zu haben. Viele Menschen genießen es, im Wald zu spazieren, am Strand zu schlendern oder einen Berg zu erklimmen, um sich an der Vielfalt der Natur zu erfreuen. In den USA geben mehr als 30 Millionen Menschen an, Vogelbeobachter zu sein. Etwa eine von drei Familien füttert aus Spaß Vögel. Rechnet man alle Familien zusammen, geben diese jährlich mehr als eine halbe Milliarde Dollar dafür aus! Wäre die Artenvielfalt von Vögeln nicht naturgemäß interessant, würden Millionen Menschen nicht so viel Freude daran haben, Vögel zu beobachten.

Anmerkung

Was meinst du?
Denkst du, dass es für Menschen wichtig ist, andere Arten vor dem Aussterben zu bewahren? Schau dir noch einmal die angegebenen Gründe an. Welche anderen Gründe fallen dir darüber hinaus noch dafür ein, Biodiversität zu bewahren?



Ein anderer Grund, warum es wichtig ist, Biodiversität zu bewahren, ist Ethik. Viele Menschen glauben, dass alle Arten ein Recht darauf haben zu existieren, ungeachtet der Tatsache, ob sie dabei menschliche Bedürfnisse befriedigen oder nicht. Haben wir das Recht, beispielsweise die Lebensräume der Fledermäuse zu zerstören? Haben wir das Recht, alle Blauwale zu jagen und letztlich auszurotten?

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Aufgabe

Fragen zur Überprüfung

  1. Was ist Biodiversität?
  2. Was sind die drei Ebenen von Biodiversität?
  3. Was sind Naturschutzbiologen und was machen sie?
  4. Wie beeinflussen Menschen Biodiversität?
  5. Erläutere drei Gründe, warum es wichtig ist, Biodiversität zu bewahren.

Einzelnachweise