Computerspielsucht

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Was ist Computerspielsucht?

Unter Computerspielsucht versteht man den zwanghaften Drang, sich regelmäßig und exzessiv mit dem Internet zu befassen.

Die Zahlen

Eine Untersuchung für die Jahre 2007 und 2008 hat gezeigt: In Deutschland gibt es bei den Fünfzehnjährigen etwa 13 000 computerspielabhängigen Jungen und 1 300 Mädchen. [1]

Eine andere deutsche Untersuchung aus den Jahren 2010 und 2011 hat ergeben: In der Altersgruppe der 14- bis 24-Jährigen ist die Verbreitung der Internetsucht am größten: 2,4 Prozent abhängige und 13,6 Prozent problematische Internetnutzer. In der Altersgruppe der 14- bis 16-Jährigen wurden deutlich mehr internetabhängige Mädchen (4,9 %) als Jungen (3,1 %) gefunden. Die auffälligen Mädchen nutzen vor allem soziale Netzwerke wie Facebook und eher selten Onlinespiele. Die Jungen nutzen seltener soziale Netzwerke und häufiger Onlinespiele. Die Forscher vermuten, dass Mädchen und junge Frauen besonders empfänglich sind für die Bestätigungen, die man in sozialen Netzwerken findet, und dass sie deswegen leichter davon abhängig werden als Jungen. [2]

Ursachen

Besonders gefährdet sind Kinder und Jugendliche, die außerhalb der elterlichen Kontrolle uneingeschränkten Zugang zu Computerspielen haben und täglich mehrere Stunden am Computer spielen. Die betroffenen Kinder versuchen oft, über das Spielen am Computer ihren Problemen zu entkommen. Stress in der Schule oder mit den Eltern und Orientierungslosigkeit im Heranwachsendenalter sind häufig Ursachen hierfür. Im Mittelpunkt der Entwicklungsphase des Kindes steht das Finden der eigenen Position in der Gesellschaft und das Planen der persönlichen Zukunft. An dieser Stelle kann die Flucht vor Problemen in die Ordnung virtueller Welten verheerende Folgen haben. Meist ist der Rückzug in die virtuelle Welt des Internets ein Flüchten vor den Problemen des Alltags der Betroffenen. Sie kommen nicht mit dem realen Leben zurecht, haben Probleme mit Partnerschaften, in der Schule oder dem Beruf. In der Ersatzwelt des Internets werden sie nicht mit ihren Ängsten und Unsicherheiten konfrontiert und können sich ausleben, können das tun und sein, was ihnen in der realen Welt nicht möglich ist. Sie bekommen dort die Anerkennung und Bestätigung, die ihnen im realen Leben versagt bleibt. Hinter der Computerspielsucht verbergen sich meist psychische Probleme, Ängste, soziale Unsicherheiten, mangelndes Selbstvertrauen, Depressionen, teilweise auch Langeweile usw.

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Wer ist besonders anfällig für Computerspielsucht?

Für Computerspielsucht besonders empfänglich sind vor allem Menschen, die sich schwertun, mit anderen in Kontakt zu treten, die unter einer starken sozialen Angst leiden und / oder im realem Leben keine Anerkennung und Bestätigung finden. Bei den Betroffenen handelt es sich also um Jugendliche, die im realen Leben nicht klarkommen.

Merkmale der Computerspielsucht:

  • Ein Großteil der Tageszeit wird mit Computerspielen verbracht (20 Stunden und mehr pro Woche).
  • Man verliert die Kontrolle über die Zeit.
  • Man steigert die tägliche Dosis ständig, um die gleiche Befriedigung zu erhalten.
  • Man hat Entzugserscheinungen wie Nervosität, Schweißausbrüche, Angst und Schlaflosigkeit.
  • Man vernachlässigt seine sozialen Kontakte, geschäftliche und schulische Verpflichtungen und Interessen.
  • Man schränkt die Nutzung nicht ein, obwohl es negative Auswirkungen auf Gesundheit, Kontakt, Schule, Familie und Freunde gibt - man denkt unentwegt an das Spiel.

Therapieansätze für die Computerspielsucht

  • Zeitpläne erstellen, um die Spielstunden zu verringern (Wecker neben den Computer stellen)
  • Ein alternatives Freizeit- und Sozialverhalten aufbauen
  • Soziale Ängste, Hemmungen und seelische Probleme, die sich hinter der Computerspielsucht verbergen, bearbeiten und überwinden
  • Sich bewusst wieder für genügend langen Schlaf und gesunde, regelmäßige Ernährung entscheiden



Bei der Behandlung der Computerspielsucht leistet die Verhaltenstherapie wertvolle Dienste. Die Anzeichen für eine Sucht dürfen nicht auf die leichte Schulter genommen werden. Wenn man auf normalem Weg keinen Zugang mehr zu seinem Kind hat, gibt es mittlerweile in vielen Städten Suchtberatungsstellen, die sich auch mit dem Thema Mediensucht befassen und Hilfestellung geben.

Tipps für Eltern zum kontrollierten und bewussten Umgang mit dem Medium

  • Spielen Sie gemeinsam mit dem Kind und nehmen Sie an den Erfahrungen, die es im Spiel gemacht hat, teil.
  • Zeigen Sie Interesse. Nur so können Sie sich ein differenziertes Bild vom Spielverhalten Ihres Kindes machen.
  • Lassen Sie sich erklären, was ihr Kind im Spiel tut, worauf es beim Spiel ankommt und spielen Sie gegebenenfalls selbst.
  • Legen Sie feste Spielzeiten und eine Spieldauer fest. Zu empfehlen ist es, dass 1,5 Stunden pro Tag nicht überschritten werden und dass zwischen den Spieltagen immer auch computerspielfreie Tage liegen.
  • Stellen Sie Regeln für den Medienkonsum auf, z.B.: Wenn das Kind fernsieht, darf es nicht am Computer spielen.
  • Bieten Sie Ihrem Kind alternative Möglichkeiten an, Erfolgserlebnisse zu haben. Diese können sein: Sport, Musik oder andere Hobbys, die nichts mit Computer zu tun haben.
  • Achten Sie darauf, dass die Spiele für das Alter ihres Kindes geeignet sind.
  • Beachten Sie die Kennzeichen der USK auf den Spielverpackungen.
  • Informieren sie sich über den Inhalt der Spiele. Die Kennzeichen der USK dienen dazu, Kinder vor einer Jugendgefährdung zu schützen. Diese beinhalten jedoch keine Aussage über die pädagogische Eignung von Spielen.
  • Achten Sie darauf, dass ihr Kind keine Spiele spielt, die es nicht vorher mit Ihnen besprochen hat, insbesondere dann, wenn Sie keine Informationen zu den Alterskennzeichnungen und den Spielinhalt haben.

Was fördert die Computerspielsucht?

Im Spielen erleben die Betroffenen, dass sie beliebt und wichtig sind. Sie erleben, dass sie etwas bewirken, etwas steuern können und dass sie Kontrolle haben. Ihr Spielverhalten wird belohnt, weil sie das, wonach sie sich sehen, bekommen: Kontrolle, Anerkennung und Wertschätzung. Dies fördert die Spielsucht und macht abhängig.

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Woran erkenne ich, ob mein/e Freund/in suchtgefährdet ist?

  • Positive Auswirkung auf die Stimmung bis hin zu Euphorie bei Ausübung des Computerspiels
  • herausragender Stellenwert im Leben des Betroffenen, sodass Fühlen, Denken und Handeln davon dominiert werden
  • der unwiderstehliche Wunsch nach Ausübung
  • Rückfallneigungen bei dem Versuch zu pausieren
  • Kontrollverlust, sobald mit dem Problemverhalten begonnen wird
  • Rückzug aus den anderen Lebensberichten, z.B. bricht der Kontakt zu Freunden ab oder bisher ausgeübte Hobbys werden vernachlässigt oder aufgegeben.

Hier kannst du dich zum Thema Computer- und Internetsucht testen[3]:
https://www.ins-netz-gehen.de/check-dich-selbst/bin-ich-suechtig

Computerspielsucht/Ärztliche Meinung

Immer wieder ist in den letzten Jahren von Internetsucht oder Computerspielsucht, insbesondere bei Kindern, die Rede. Die Mediziner schlagen Alarm. In Amsterdam eröffnete europaweit die erste Klinik für Computerspielsüchtige und in Berlin forscht man nach den Ursachen und nach den Ausmaßen der Computerspielsucht. "Exzessives Computerspielen aktiviert vermutlich gleiche Strukturen im Hirn wie stoffliche Drogen". Das extreme Computerspielen kann zu einer Sucht werden, die auf vergleichbaren Mechanismen wie Alkoholabhängigkeit beruht. Die Forscher kamen zu dem Ergebnis, dass jeder 10. Computerspieler die Kriterien für eine Abhängigkeit erfüllt.

Aufgabe

"Quadrataugen?"
Jede/r Schüler/in schreibt anonym auf ein Blatt Papier, wie viele Stunden täglich vor diversen Bildschirmen verbracht werden. Anschließend werden alle Zettel eingesammelt und die Zahlen addiert. Danach wird die ermittelte Summe durch die Anzahl der Schüler/innen dividiert. Die ermittelte Zahl gibt den Klassendurchschnitt der Stunden wieder, die jede/r Schüler/in täglich vor dem Bildschirm verbringt.
⇒ Diese Zahl sollte für eine Klassendiskussion herangezogen werden.

Einzelnachweise

  1. Rehbein, Florian, Kleimann, Matthias, Mößle, Thomas (2009):Computerspielabhängigkeit im Kindes ‐ und Jugendalter Empirische Befunde zu Ursachen, Diagnostik und Komorbiditäten unter besonderer Berücksichtigung spielimmanenter Abhängigkeitsmerkmale. http://www.kfn.de/versions/kfn/assets/fb108.pdf S. 45 (Zugriff: 25.12.13)
  2. Die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Vorstellung der PINTA-Studie, Pressemitteilung, 26.9.2011; http://www.drogenbeauftragte.de/presse/pressemitteilungen/2011-03/pinta-studie.html (Zugriff: 27.12.13)
  3. Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung: Selbsttest zu Computerspiel- und Internetsucht