Blutkreislauf

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Warum ist Blut lebenswichtig?

In dieser Einheit wirst du die verschiedenen Teile deines Blutkreislaufs kennenlernen. Am Anfang der Einheit wirst du dich mit Blut und dem Herzen beschäftigen. Du wirst etwas über die verschiedenen Blutgefäße lernen und herausfinden, wie dein Körper die Durchblutung kontrolliert. Die Einheit schließt mit einer Diskussion ab, wie du dein Herz und deine Blutgefäße gesund und fit halten kannst.

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Eine Stadt aus Zellen

Betrachte deinen Körper als eine Stadt aus Zellen. Jede Zelle ist wie ein kleines Haus. Ein Haus braucht Brennstoffe, Energie, Wasser und Baumaterialien. Ein Haus braucht auch ein Entwässerungs- bzw. Kanalisationssystem und eine Müllentsorgung, um Abfall loszuwerden. Auch dein Körper braucht - wie ein Haus - Materialien für seine Bedürfnisse und muss sich von produzierten Abfällen wieder befreien.

Vertiefung

Was macht ein Belieferungssystem erfolgreich? Stell dir vor, du bist für einen Paketdienst verantwortlich. Welche Dinge würden deine Arbeit erleichtern? Welche Dinge würden deine Arbeit erschweren? Was würde bei deinem Paketdienst eine wichtige Rolle spielen? Erkläre deine Ideen schriftlich in einem kurzen Text und füge Listen, Diagramme oder Zeichnungen hinzu, die für das Verständnis hilfreich sind.



Kanäle, elektrische Kabel, Telefonkabel und Autos transportieren Dinge zu Häusern, Wohnungen und Gebäuden einer Stadt und von ihnen weg. In deinem Körper werden Zellen über das Kreislaufsystem mit Blut beliefert. Blut fließt durch viele verschiedene Röhren in deinem Körper, die sogenannten Blutgefäße. Blut bringt Nährstoffe, Wasser und Sauerstoff zu jedem Zellen-"Haus". Über das Blut werden auch Abfälle, die von deinen Zellen produziert werden, wie z.B. Kohlendioxid, durch die Blutgefäße entsorgt. Kohlendioxid wird zu deiner Lunge transportiert, wo es dann ausgeatmet wird. Im Zentrum deines Blutgefäßsystems liegt das Herz – die Pumpe deines Blutkreislaufs.

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Dein Herz pumpt das Blut durch dieses Netzwerk der Blutgefäße. Dieses Gefäßsystem zusammen mit deinem Herzen wird Blutkreislauf genannt. Es wird Blutkreislauf genannt, da das Blut in einem geschlossenen Kreislauf zirkuliert. Du hast bereits gelernt, dass dein Blut den Sauerstoff aus der Lunge bezieht und dann zu allen Zellen deines Körpers transportiert. Deine Lunge gehört zu einem System, das sich Atmungssystem nennt (siehe Kapitel 4, Atmung). Was du vielleicht noch nicht weißt: Das Herz pumpt das Blut durch zwei miteinander verbundene Kreisläufe. Ein Kreislauf führt zur Lunge hin, der andere strömt durch den Rest deines Körpers. Wenn du den Blutkreislauf abbilden würdest, dann sähe er eher wie eine 8 aus als wie ein Kreis.

Du hast etwa fünf Liter Blut in deinem Körper. In deinem Blut befinden sich rote Blutkörperchen, weiße Blutkörperchen und Blutplättchen. Dein Blut enthält außerdem eine strohfarbene Flüssigkeit, das sogenannte Blutplasma. Das Blutplasma besteht zu 90% aus Wasser. Es enthält aber auch Salze, Nährstoffe, Abfallprodukte, Proteine und andere Substanzen wie Hormone. Hormone sind chemische Substanzen, die die Zellen stimulieren, sodass diese auf eine bestimmte Art reagieren. Blut transportiert Sauerstoff und all diese Substanzen zu deinen Körperzellen und wieder von ihnen weg.

Vertiefung

Wusstest du schon?
Blut ist schwerer und klebriger als Wasser. Dein Blut macht etwa 8 % deines Körpergewichts aus. Rechne einmal aus, wie viel das Blut in deinem Körper wiegt. Dann rechne aus, wie viele Liter Blut diesem Gewicht entsprechen. Nimm dabei an, dass Blut genauso viel wiegt wie Wasser, also 1 Milliliter = 1 Gramm.



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Rote Blutkörperchen

Die roten Blutkörperchen sind runde, ähnlich wie ein Donut geformte Zellen mit einem flachen Zentrum. Ein Milliliter (ml) Blut enthält etwa 5 Millionen roter Blutkörperchen. Wenn man zweitausend rote Blutkörperchen nebeneinander aufreihte, so wäre die Linie so lang wie der Durchmesser eines 2-Cent-Stücks.

Vertiefung

Wusstest du schon?
Das Blut eines Hummers ist mehr blau als rot. Es enthält kein eisenhaltiges Hämoglobin, um Sauerstoff durch den Körper zu transportieren. Stattdessen hat der Hummer ein blaues Pigment, das Hämocyanin heißt und statt Eisen Kupfer enthält.



Rote Blutkörperchen enthalten Hämoglobin, ein rotes Protein, das Sauerstoff transportieren kann. Die rote Farbe kommt vom Eisen, einem Mineral, das Teil des Hämoglobins ist. Blut ist hellrot, wenn Sauerstoff an das Eisen des Hämoglobins gebunden ist, und dunkelrot, wenn kein Sauerstoff an das Eisen des Hämoglobins gebunden ist.

Ein reifes rotes Blutkörperchen hat keinen Zellkern (Nukleus). Der Zellkern ist das Informations- und Kontrollzentrum von Zellen und ist in den meisten anderen Zellen vorhanden. Ohne einen Zellkern hat das rote Blutkörperchen mehr Platz, um eine Menge Hämoglobin zu transportieren. Durch seine flexible und flache Form kann sich das rote Blutkörperchen zusammendrücken und durch enge Kapillare, die winzigen Blutgefäße, die unsere Zellen versorgen, quetschen.

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Rote Blutkörperchen werden im Knochenmark gebildet. Knochenmark ist das schwammige Material im Inneren deiner Knochen. Im Knochenmark hat jedes unreife rote Blutkörperchen noch einen Zellkern. Der Zellkern sagt dem roten Blutkörperchen, dass es Hämoglobin produzieren soll. Die reifen, also fertigen roten Blutkörperchen verlieren ihren Zellkern, sobald sie das Knochenmark verlassen, um in die Blutgefäße des Blutkreislaufs einzutreten. Das neu gebildete rote Blutkörperchen ist wie ein Sack mit Hämoglobin. Ein rotes Blutkörperchen zirkuliert etwa 120 Tage im Blut. Nach 120 Tagen werden die einzelnen Teile des roten Blutkörperchens, auch das Eisen im Hämoglobin, recycelt. Die einzelnen Bestandteile werden vom Knochenmark wiederverwendet, um neue rote Blutkörperchen zu bilden.

Vertiefung

Wusstest du schon?
Wenn dein Blut nicht in der Lage wäre, Abfallprodukte zu entsorgen, würde der Körper sich selbst mit seinen Abfällen vergiften.



Jedes rote Blutkörperchen enthält etwa 200-300 Millionen Hämoglobinmoleküle. Hämoglobin ist ein komplexes Protein, das Eisen enthält. Eisen ermöglicht dem Hämoglobin, Sauerstoff zu binden. Diese Bindung erleichtert den Transport von Sauerstoff von den Lungen zu den Körperzellen. Wenn das Blut die winzigen Blutgefäße, die sogenannten Kapillare, erreicht, wird der Sauerstoff aus dem Hämoglobin freigesetzt. Der Sauerstoff durchdringt dann die dünne Kapillarwand und erreicht so die Körperzellen. Gleichzeitig wird Kohlendioxid aus den Zellen entlassen und strömt durch die Kapillarwand ins Blut, wo es wieder zur Lunge transportiert wird. Etwa 23% des Kohlendioxids wird über das Hämoglobin zurück zur Lunge transportiert. Der Rest reist im Blutplasma zur Lunge.

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Refexion

Überprüfe dich selbst!
Warum haben Menschen, die in extremen Höhenlagen von Gebirgen leben, mehr rote Blutkörperchen als Menschen, die auf Meeresspiegelhöhe wohnen?



Anmerkung

Was meinst du?
Manche Athleten machen ein sogenanntes "Blutdoping". Einige Wochen vor einem wichtigen Wettkampf lassen sie sich etwas von ihrem Blut abnehmen und in einem Kühlraum lagern. Ihre Körper bilden neue rote Blutkörperchen, um das entnommene Blut zu ersetzen. Kurz vor dem Wettkampf wird das vorher entnommene Blut dem Körper über eine Bluttransfusion wieder zugefügt. Dies erhöht die Anzahl der roten Blutkörperchen in ihrem Blut und somit auch die Menge an Sauerstoff, die über die Atmung aufgenommen werden kann. Warum, meinst du, machen manche Athleten das? Denkst du, dass Blutdoping legal sein sollte? Warum oder warum nicht?



Vertiefung

Wusstest du schon?

  • Der Körper produziert etwa 200 Billionen roter Blutkörperchen pro Tag.
  • Weiße Blutkörperchen leben etwa zwei Wochen.
  • Rote Blutkörperchen leben etwa vier Monate.
  • Wenn du vor dem Fernseher sitzt, braucht dein Blut etwa 35 Sekunden, um einmal durch den ganzen Körper zu zirkulieren. Wenn du Sport machst, braucht es 10 Sekunden.

Krankheiten der roten Blutkörperchen

Manchmal kann etwas mit den roten Blutkörperchen schiefgehen. Zum Beispiel können rote Blutkörperchen abnormales Hämoglobin bilden. Menschen, bei denen Blutzellen abnormales Hämoglobin bilden, haben normalerweise ein defektes Hämoglobin-Gen. Ein Gen ist ein Teil der Zelle, der Informationen über bestimmte Proteinproduktionen trägt, so wie die Bildung von Hämoglobin. Gene werden von Eltern an ihre Kinder weitergegeben. Ein bestimmter Gen-Defekt führt dazu, dass Hämoglobin produziert wird, das dazu neigt, Kristalle zu bilden. Diese scharfkantigen Kristalle machen die roten Blutkörperchen sichelförmig und zerbrechlich. Diese zerbrechlichen Zellen gehen schnell kaputt, was zur Folge hat, dass die betroffene Person nicht ausreichend gesunde, gut arbeitende rote Blutkörperchen hat. Das defekte Gen bewirkt eine Krankheit, die man Sichelzellanämie nennt.

Anämie ist der Name für einen Zustand, bei dem die betroffene Person nicht genug rote Blutkörperchen oder Hämoglobin hat. Eine Person mit Anämie wird schnell müde und kann unter anderen Symptomen leiden wie Schwindelgefühl, Kopfschmerzen und Trägheit. Diese Symptome kommen zustande, weil es nicht genug Hämoglobin gibt, um den Körper mit ausreichend Sauerstoff zu versorgen. Ärzte können einen Bluttest durchführen, um herauszufinden, ob eine Anämie vorliegt. Bei diesem Test, dem Hämatokrit-Test, wird das Volumen von roten Blutkörperchen im Blut gemessen. Dazu wird das Blut zuerst zentrifugiert. Schau dir dazu noch einmal Abbildung 5.3. an. Wenn der Hämatokrit-Wert niedrig ist, kann der oder die Betroffene zusätzliches Eisen einnehmen, um das Knochenmark bei der Produktion von roten Blutkörperchen zu unterstützen. Ein normaler Hämatokrit-Wert liegt bei 40. Das bedeutet, dass von 100 ml zentrifugiertem Blut das am Boden befindliche Blut mit den Blutzellen 40 ml und das Plasma in der oberen Schicht 60 ml ausmacht.

Weiße Blutkörperchen

Weiße Blutkörperchen werden im Knochenmark, in der Milz, in den Mandeln und in den Lymphknoten gebildet. Du wirst später mehr über das Lymphsystem und die Lymphknoten herausfinden. Jetzt ist es wichtig zu verstehen, dass Lymphknoten nicht die einzigen Orte sind, an denen weiße Blutkörperchen gebildet werden. Ein weißes Blutkörperchen hat einen Zellkern und ist größer als ein rotes Blutkörperchen. Ein zweiter Unterschied zwischen den beiden Typen ist, dass es im Blut weniger weiße als rote Blutköperchen gibt. Auf jedes weiße Blutkörperchen in deinem Blut kommen 700 rote Blutkörperchen.

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Weiße Blutkörperchen arbeiten hart, um dich gesund zu erhalten. Die meiste Zeit verbringen sie damit, im Blut zu zirkulieren und nach ungebetenen Gästen und Eindringlingen in deinem Körper zu suchen. Anders als die roten Blutkörperchen können sich die weißen Blutkörperchen eigenständig fortbewegen. Sie können mit Leichtigkeit zu Körperstellen gelangen, an denen eine Infektion bekämpft werden muss. Weiße Blutkörperchen können auch gegen den Blutstrom schwimmen. Sie können den Blutstrom sogar verlassen und an anderen Körperstellen Infektionen bekämpfen. Weiße Blutkörperchen greifen unerwünschte Organismen wie Bakterien oder eingedrungene Fremdkörper - zum Beispiel Holzsplitter - in verschiedenen Körperregionen an.

Weiße Blutkörperchen bekämpfen Infektionen auf verschiedene Weise. Eine Art und Weise, gegen Infektionen anzugehen, nennt sich Phagozytose. Eine Phagozyte oder Fresszelle ist ein spezieller Typ von weißem Blutkörperchen, der seine Form verändern kann und sich um ungebetene körperfremde Substanzen stülpen kann. Phagozytose findet dann statt, wenn eine Fresszelle eine Substanz - wie einen Virus oder ein Bakterium - "auffrisst". Weiße Blutkörperchen bekämpfen also Infektionen, indem sie Proteine freisetzen, die Erreger bekämpfen - die sogenannten Antikörper. Antikörper in deinem Blut können entweder als permanente oder als temporäre Bekämpfer von Erregern eingesetzt werden.

Einige weiße Blutkörperchen können sich daran "erinnern", wie man Infektionen bekämpfen kann, die sie in der Vergangenheit bereits bekämpft haben. Wenn also derselbe Krankheitserreger ein zweites Mal in deinen Körper dringt, können die weißen Blutkörperchen diesen Erreger bekämpfen, bevor es überhaupt zu irgendwelchen Symptomen kommt. Diese Fähigkeit, wiederholt gegen Infektionen anzukämpfen, nennt sich Immunität. Impfungen sind ein Beispiel für diesen Prozess. Impfungen beschützen dich vor bestimmten Krankheiten. Eine Impfung besteht normalerweise aus einer Injektion mit toten oder schwachen Viren oder Bakterien.

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Die schwachen oder toten Viren oder Bakterien, die durch die Impfung in deinen Körper gelangen, veranlassen eine Produktion von Antikörpern. Die injizierten Viren oder Bakterien sind aber normalerweise so schwach, dass sie keinerlei Krankheitssymptome bewirken. Die Antikörper, die durch die Impfung produziert werden, sind permanente Antikörper. Das heißt, dass sie in deinem Körper bleiben, um denselben Erreger zu bekämpfen, falls er wiederkehrt. Einige Viren, wie Erkältungs- oder Grippeviren, verändern sich so schnell, dass es unmöglich ist, einen einzigen Impfstoff zu entwickeln, der die Produktion von effektiven Antikörpern stimuliert.

Die meisten weißen Blutkörperchen leben ein paar Tage, es sei denn, sie bekämpfen eine Infektion. Weiße Blutkörperchen, die eine Infektion bekämpfen, können auch nur ein paar Stunden leben. Wenn du krank bist, produziert dein Körper mehr weiße Blutkörperchen, um die Infektion effektiver bekämpfen zu können. Die Anzahl der weißen Blutkörperchen kann während einer Krankheitsphase von 5.000 auf 25.000 Zellen pro Kubikmillimeter Blut ansteigen.

Bist du jemals mit schmerzhaften, geschwollenen Lymphdrüsen zum Arzt gegangen? Wenn du eine Infektion im Rachen hast, können die Lymphknoten in deinem Hals anschwellen und empfindlich werden. Lymphknoten sind normalerweise so groß und so geformt wie eine Bohne, und man spürt sie kaum unter der Haut. Die weißen Blutkörperchen in den Lymphknoten greifen eingedrungene Partikel wie Bakterien oder Viren an. Wenn sie diese Eindringlinge bekämpfen, können die Lymphknoten anschwellen und empfindlich oder sogar schmerzhaft sein. Durch dieses Anschwellen weißt du, wo deine weißen Blutkörperchen wahrscheinlich gerade Bakterien oder Viren bekämpfen. Lymphknoten, die normalerweise anschwellen, befinden sich in der Leistengegend und am Haaransatz hinter deinen Ohren. Die Krankheit Mumps ist ein Beispiel für geschwollene Lymphknoten.

Refexion

Überprüfe dich selbst!
Auf welche anderen Weisen hält der Körper Schmutz und Krankheitserreger ab? Über welche anderen Schutzmechanismen verfügt der Körper?



Anmerkung

Was meinst du?
Blutspenden oder Organspenden werden gebraucht, um das Leben von kranken oder verletzten Menschen zu retten. Blut kann nur ein paar Wochen lang gelagert werden. Deshalb wird ständig neues Blut gebraucht. Die Organe von gesunden Menschen, die früh sterben, können Leben retten. Es werden aber nicht genug Blutspenden oder Organspenden gemacht, um den Bedarf zu decken. Wie, meinst du, können Ärzte Menschen über die Bedeutung von Blut- und Organspenden aufklären?

Blutgruppen

Manchmal, wenn jemand durch einen Unfall oder eine Operation viel Blut verloren hat, braucht er oder sie eine Bluttransfusion. Eine Bluttransfusion ist ein Prozess, bei dem Blut, das vorher von einem anderen Menschen gespendet wurde, in den Körper eines Menschen übertragen wird, der das Blut braucht. Bluttransfusionen sind nur dann erfolgreich, wenn die Blutgruppen von Spender und Empfänger kompatibel sind. Die Kompatibilität wird von bestimmten Proteinen in der Zellmembran beeinflusst. Diese Proteine in der Membran der Blutzelle bestimmen, welche Blutgruppe verschiedene Menschen haben. Die Proteine, die bei der Bestimmung der Blutgruppe eine Rolle spielen werden Protein A und Protein B genannt. Menschen mit Protein A haben Blutgruppe A. Menschen mit Protein B haben Blutgruppe B. Menschen mit beiden Proteinen haben Blutgruppe AB. Wenn man keine der beiden Proteine hat, hat man die Blutgruppe 0.

Protein Blutgruppe
A A
B B
A + B AB
Weder A noch B 0



Vertiefung

Wusstest du schon?

Bei einer Bluttransfusion wird das Blut von einer Person (Spender) zu einer anderen (Empfänger) übertragen. Die Inkas in Peru haben bereits vor Hunderten von Jahren Bluttransfusionen durchgeführt. Manchmal hat es funktioniert und manchmal nicht. Bis 1901 wusste noch niemand, warum das so ist. Ein australischer Arzt fand heraus, dass bestimmte Proteine in den Zellmembranen von Blutkörperchen für die Ausprägung unterschiedlicher Blutgruppen bei Menschen verantwortlich sind. 



Was passiert, wenn du eine Bluttransfusion mit Blutgruppe B jemandem überträgst, der Blutgruppe A hat? Das Immunsystem des Empfängers sieht das B-Protein als Fremdkörper an und greift die gespendeten Blutzellen an. Die Reaktion auf diese falsche Transfusion kann sehr ernst sein und unter Umständen tödlich enden. Deshalb wird vor einer Blutübertragung immer die Blutgruppe bestimmt.

Frage
Kennst du deine Blutgruppe? Schau nach, ob sie vielleicht auf der vorletzten Seite deines gelben Impfpasses eingetragen ist.

Blutplättchen

Jeden Tag werden deine kleinen Blutgefäße verletzt und fangen an zu bluten. Manchmal kannst du die Blutung sehen, aber manchmal findet die Blutung auch innerhalb deines Körpers statt und du bekommst nichts davon mit. Obwohl das Blut flüssig gehalten werden muss, damit es durch deinen Körper fließen kann, muss es einen Mechanismus geben, bei dem Löcher in den Blutgefäßen gestopft werden können, damit du nicht zu viel Blut verlierst.

Eine Blutung der Hauptadern kann lebensbedrohlich sein. Jeder hat nur etwa 4-5 Liter Blut. Deshalb ist es sehr wichtig, eine Blutung der Hauptadern zu kontrollieren und medizinische Hilfe zu rufen. Um die Blutung einer großen Wunde zu stoppen, musst du die Ränder der Wunde fest zusammendrücken und den Druck auf die Wunde konstant halten, damit so wenig Blut wie möglich aus dem Körper fließt. Die Wunde sollte mit einem Kleidungsstück oder Verband bedeckt werden. Während du den Druck auf die Wunde aufrechterhältst, soll jemand den Notarzt rufen.

Die "Löcher" von Wunden zu stopfen, damit die Blutung aufhört, ist die Aufgabe der Blutplättchen in deinem Blut. Blutplättchen sind kleiner als rote Blutkörperchen. Dein Blut enthält mehr Blutplättchen als weiße Blutkörperchen. Aber es hat weniger Blutplättchen als rote Blutkörperchen. Du hast gelernt, dass weiße Blutkörperchen im Knochenmark gebildet werden. Einige Zellen des Knochenmarks bilden ebenfalls Blutplättchen. Aber Blutplättchen sind keine Zellen. Sie sind kleine Zellfragmente, die die nötigen chemischen Substanzen beinhalten, um das Blut gerinnen zu lassen. Blutplättchen haben ihren Namen durch ihre Form bekommen. Sie sehen aus wie kleine ovale Teller. Sie bleiben bis zu einer Woche im Blut, es sei denn, sie werden gebraucht.

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Wenn ein Blutgefäß verletzt wird, bewirkt die Blutgerinnung, dass die Blutung aufhört. Wenn kleine Blutgefäße verletzt werden, fangen sie an zu bluten. Die Gefäße ziehen sich zusammen, sobald die Blutung anfängt. Dieses bewirkt, dass der Blutfluss aus dem Blutgefäß heraus verlangsamt wird. Die Blutplättchen treten mit der Verletzung des Blutgefäßes in Kontakt. Sobald sie mit der Wunde in Berührung kommen, fangen die Blutplättchen an, sich zu verändern. Sie werden klebrig und bleiben aneinander hängen. Mehr und mehr Blutplättchen bleiben aneinander kleben, bis sie einen Pfropf formen. Die Blutplättchen setzen auch chemische Substanzen frei, die eine Reihe von Reaktionen auslösen, mit der die Blutgerinnung wieder gestoppt wird. Bei der Blutgerinnung ist ein Protein namens Fibrinogen beteiligt. Fibrinogen ist ein Protein, das im Blut zirkuliert. Es verändert sich während der Blutgerinnung und wird zu der Proteinfaser Fibrin umgewandelt. Die Proteinfasern bilden ein Netz, das die Blutzellen einfängt und so die Blutung stoppt. Hast du jemals gesehen, dass sich auf deiner Haut eine Kruste bildet, wenn du dich verletzt hast? Die Kruste war einmal das vom Fibrin gebildete Netz. Eine Kruste bildet eine Barriere, die Krankheitserreger und Schmutz von der Wunde fernhält. Sie bildet die Basis für das Wachstum des neuen Gewebes.

Aufgabe

Blut-Eindrücke
Was weißt du jetzt über das Aussehen und die Arbeitsweise von Blut? Male ein Bild von Blut mit allen seinen Bestandteilen. Dein Ziel soll sein: Wenn Menschen dein Bild anschauen, sollen sie etwas über die verschiedenen Bestandteile und Funktionen von Blut lernen können.

Homöostase erhalten

Erinnerst du dich daran, dass Homöostase ein Zustand ist, in dem die inneren Bedingungen deines Körpers im Gleichgewicht gehalten werden, damit all deine Körperzellen gut und effektiv arbeiten können? Wie also schaffen es die verschiedenen Bestandteile des Blutes, die Homöostase im Körper aufrechtzuerhalten? Jeder Bestandteil des Blutes hilft dabei, auf die verschiedenen Veränderungen innerhalb und außerhalb deines Körpers zu reagieren. Blut hilft deinem Körper dabei, effizient zu arbeiten, indem es den Austausch von Nährstoffen, Abfällen und Gasen erhöht oder reduziert. Dein Körper kann mehr weiße Blutkörperchen bilden, um Infektionen zu bekämpfen. Dein Körper kann auch ausreichend Blutplättchen herstellen, damit du nicht verblutest. Du bist dir nicht über all die Dinge, die dein Blut für dich macht, im Klaren, da alles automatisch abläuft und einfach so funktioniert - ohne dass du darüber nachdenken musst. Aber du kannst deinem Blut dabei helfen, seine Arbeit besser zu erledigen, indem du Risikofaktoren ausschließt, die wir in Kapitel 5.7 dieser Einheit besprechen werden.

Um seine Arbeit zu leisten, muss das Blut durch den Körper zirkulieren können. Ohne die Kraft deines Herzens könnte das Blut dies nicht tun. In Kapitel 5.2 wirst du mehr über das Herz und seine Arbeitsweisen erfahren.

Refexion

Überprüfe dich selbst!

  • Wie kannst du deinem Blutkreislauf dabei helfen, deine Körpertemperatur zu regulieren?
  • Ein Unfallopfer befindet sich in der Notaufnahme und braucht dringend Blut. Seine Blutgruppe ist A. Welche Blutgruppe(n) sind damit kompatibel?



Aufgabe

Künstliches Blut
Was ist künstliches (synthetisches) Blut? Warum tun sich Wissenschaftler so schwer damit, Blut synthetisch zu entwickeln? Suche in Büchern und im Internet nach Informationen über künstlich hergestelltes Blut. Was könnten Vorteile von künstlichem Blut sein?



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Das Lymphsystem

Obwohl dein Blut in einem geschlossenen Kreislauf in deinem Körper zirkuliert, kann immer ein bisschen Flüssigkeit austreten. Meistens tritt Flüssigkeit aus den kleinsten Blutgefäßen, den Kapillaren, aus, wo der Gas- und Nährstoffaustausch stattfindet. Wurdest du jemals von einer Biene gestochen? Normalerweise schwillt die Haut um den Stich herum an und wird rot. Die Schwellung wird durch eine Ansammlung von Flüssigkeit zwischen den Zellen außerhalb der Blutgefäße bewirkt und heißt Ödem.

Wohin geht die Flüssigkeit, die aus den Blutgefäßen austritt? Überschüssige Flüssigkeit geht über ein System, das Lymphsystem oder lymphatische System, zurück zum Herzen. Die Lymphknoten sind Teil deines Lymphsystems. Sie spielen eine wichtige Rolle bei der Bekämpfung von Infektionen. Du wirst mehr über Lymphgefäße erfahren, wenn du mehr über das Immunsystem lernst. Lymphgefäße transportieren kein Blut. Stattdessen beinhaltet das Lymphsystem eine Flüssigkeit, die sich Lymphe nennt. Lymphe besteht aus Wasser, Salzen, Nährstoffen, Abfallprodukten, weißen Blutkörperchen, Proteinen und anderen chemischen Substanzen. Wenn du fetthaltige Lebensmittel gegessen hast, wird deine Lymphe milchig weiß. Lymphflüssigkeit transportiert die verdauten Fette aus deinem Darm zu deinem Blut. Wenn dein Körper nicht ausreichend Fette aus deinem Darm absorbiert, ist die Lymphflüssigkeit matt gelb gefärbt.

Lymphgefäße verlaufen genau dort, wo auch Blutgefäße entlangführen. Die Lymphgefäße sammeln Flüssigkeit auf, die aus den Blutgefäßen heraustritt und die Räume zwischen den Zellen auffüllen. Das Lymphsystem bringt diese überschüssige Flüssigkeit zurück in deinen Blutkreislauf. Die dünneren Lymphgefäße transportieren die Flüssigkeit in immer größer werdende Gefäße, bis diese in einem dicken Hauptgefäß enden. Dieses große Lymphgefäß nennt sich Brustlymphgang. Der Brustlymphgang entleert sich in eine Vene am unteren Ende deines Halses und leitet so die Flüssigkeit in dein Blutgefäßsystem zurück.

Es gibt einige wichtige Unterschiede zwischen dem Lymphgefäßsystem und dem Blutgefäßsystem. Denk dran, dass dein Blutgefäßsystem ein geschlossener Kreislauf ist. Dein Lymphsystem ist ebenfalls ein geschlossener Kreislauf. Denk ebenfalls daran, dass das Herz das Blut durch dein Blutgefäßsystem pumpt. Es pumpt keine Lymphe durch das Lymphsystem. Stattdessen helfen deine Muskeln dabei, die Lymphe durch die Lymphgefäße zu bewegen. Wenn deine Muskeln sich zusammenziehen und entspannen, pressen sie Lymphflüssigkeit durch die Lymphgefäße.

Vertiefung

In deiner Schule zirkulieren Informationen. In deinem Körper zirkuliert Blut. Vergleiche die beiden Methoden der Übertragung in deiner Schule und in deinem Körper und stelle Gemeinsamkeiten und Unterschiede heraus. Welche Informationen machen die Runde? Wie wird Information am besten absorbiert? Welche Methoden führen zu den besten Ergebnissen? Wie steuern Schüler zu dem Informationsfluss bei? Ist die Schule wie dein Körper – bewegt sich das System nur in eine Richtung? Fertige ein Diagramm von den unterschiedlichen Zirkulationsweisen verschiedener Informationen an. Vergleiche die Informationszirkulation deiner Schule schriftlich mit der deines Blutkreislaufs.



Aufgabe

Fragen zur Überprüfung

  1. Welche sind die fünf Unterschiede zwischen roten und weißen Blutkörperchen?
  2. Wie transportieren rote Blutkörperchen Sauerstoff? Was passiert, wenn rote Blutkörperchen nicht richtig geformt sind oder es nicht genug von ihnen gibt?
  3. Was ist Blutplasma? Was machen Bestandteile des Blutplasmas?
  4. Wenn dein Arzt feststellt, dass die Anzahl deiner Blutplättchen gering ist, womit solltest du vorsichtig sein? Warum?
  5. Beschreibe zwei Funktionen des Lymphsystems.

Einzelnachweise