Abhängigkeit

Zigarette zwischen Fingern.jpg
Vertiefung

Wusstest du schon?
Es gibt Suchtformen, die an einen Stoff gebunden sind, und andere, die das nicht sind. Die meisten Menschen denken, dass man Alkohol oder andere stoffliche Drogen nehmen muss, um süchtig zu werden. Jedoch hast du bestimmt auch schon einmal von der Spielsucht, der Computersucht oder der Magersucht gehört.



Vertiefung

Sucht ist der umgangssprachliche Begriff für verschiedene medizinisch-psychologische Krankheitsbilder. Eine Sucht (Abhängigkeitssyndrom) umschreibt also eine Abhängigkeit, die substanzgebunden (Nikotin, Alkohol, Drogen) und nicht-substanzgebunden (Impulskontrollstörung, Zwangsstörung oder Verhaltenssucht) sein kann.



In der Medizin spricht man heute meist nicht mehr von Sucht, sondern verwendet den Begriff Abhängigkeitssyndrom.

Um gesellschaftliche Vorverurteilungen von Erkrankten zu vermeiden und um deutlich zu machen, dass es sich beim Abhängigkeitssyndrom um eine Krankheit handelt, werden die Begriffe "Sucht" und "Süchtiger" vermieden.

Allgemeine Abhängigkeit

Rauschmittel können sowohl stofflich (Alkohol, Medikamente, Drogen...) als auch nichtstofflich (kaufen, arbeiten, Internet ...) sein. Es besteht immer eine psychische, manchmal zusätzlich eine körperliche Abhängigkeit, d.h., es treten beim Absetzen des Rauschmittels Entzugserscheinungen in Form verschiedenartiger Beschwerden auf.

Pillen.jpg

Welche Phasen hat eine Abhängigkeit?

Üblicherweise ist eine Suchterkrankung durch drei Phasen gekennzeichnet:

  1. Einleitungsphase: Erster Kontakt mit dem Rauschmittel, positives Erleben (entweder durch Herbeiführung angenehmer oder Ausschalten unangenehmer Gefühle), aussteigen können, aber (noch) nicht wollen.
  2. Kritische Phase: Gewöhnung an das Suchtverhalten, ausweichendes Verhalten gegenüber der Umwelt. Nicht aussteigen können und es auch nicht wollen.
  3. Chronische Phase: Abhängigkeit/Sucht = absoluter Kontrollverlust, aussteigen wollen, aber nicht (mehr) können.



Der Ausstieg erfordert den festen Willen und die Bereitschaft des Betroffenen und ist oft durch Rückschläge gekennzeichnet.

Wenn von Abhängigkeit die Rede ist, bezieht man sich auf die 3. (chronische) Phase.

Der Konsum wird zum Zwang. In dieser Phase wird das wahre Leid dieser Erkrankung deutlich: Man kann nicht mehr ohne die Stoffe oder das Verhalten leben, von denen man abhängig ist.

Wenn aus Konsum Zwang wird

Es ist die Phase, welche das wahre Leid dieser Erkrankung offenbart, denn der anfänglich als positiv empfundene Effekt des Rauschmittelkonsums wird als Zwang erlebt - Wirkungsverlust und Dosissteigerung.

Gleichzeitig bildet er für den Betroffenen den einzigen Lebensinhalt. Der allmähliche Wirkungsverlust der Droge führt oft zur Dosissteigerung und damit tiefer in die Abhängigkeit. Das ist ein Teufelskreis.

Da der süchtige Mensch in einem Teufelskreis gefangen ist, dem er allein nicht mehr entkommen kann, ist Hilfe von außen zum Ausstieg unerlässlich. Allerdings schlägt sie nur dann an, wenn sie von dem Betroffenen selbst gewollt ist und angenommen wird. In Fällen körperlicher Abhängigkeit ist außerdem ein Entzug notwendig, welcher fachmännischer Unterstützung und Betreuung bedarf. Dafür braucht es Mut zur Wahrheit, weil man sich erst einmal eingestehen muss, dass man süchtig ist.

Genauso wenig wie die Entwicklung der Abhängigkeit nicht von heute auf morgen erfolgt ist, so kann auch der Ausstieg nicht innerhalb kürzester Zeit geschafft werden. Deshalb kann eine längerfristige (psychologische) Betreuung auf diesem Weg ein entscheidender Faktor zum Erfolg sein.

Teenager und Alkohol.png



Vertiefung

Was geschieht mit dir bei einer Abhängigkeit?
Dein Körper und deine Psyche verlangen nach dem Rauschmittel. Wenn du es nicht konsumierst, gerätst du in eine Mangelsituation. Abhängige wollen den Zustand des Mangels unbedingt ausgleichen. Es entsteht die Abhängigkeit vom Rauschmittel oder Suchtverhalten.



Suchtkreislauf.png

Endorphinausschüttung

Endorphin ist ein Glückshormon. Eine Endorphinausschüttung bewirkt ein Glücksgefühl. Bei Endorphinmangel treten Mangelerscheinungen auf, das heißt: Um das Glücksgefühl zu wiederholen, nimmt man das Rauschmittel wieder zu sich.

Stoffliche Abhängigkeit

Was sind psychisch beeinflussende (psychotrope) Substanzen?

Psychotrope Substanzen sind Stoffe, die die Psyche des Menschen beeinflussen. Solche Substanzen können eine zum Teil schwere körperliche oder psychische Abhängigkeit hervorrufen, z.B.:



Manche Konsumenten nehmen mehrere Drogen gleichzeitig ein. Das macht die Wirkung der Substanzen unberechenbar.

Wie kann eine stoffliche Abhängigkeit festgestellt werden?

Wenn der Verdacht auf Abhängigkeit besteht, sollten Fachleute zur Begleitung herangezogen werden! Einige einfache Fragen können bei der Klärung behilflich sein, ersetzen aber keine Beurteilung durch einen Experten:

  1. Starkes, oft unüberwindbares Verlangen, die Substanz einzunehmen
  2. Schwierigkeiten, die Einnahme zu kontrollieren (was den Beginn, die Beendigung und die Menge des Konsums betrifft)
  3. Körperliche Entzugssymptome
  4. Benötigen immer größerer Mengen, damit die gewünschte Wirkung eintritt
  5. Fortschreitende Vernachlässigung anderer Verpflichtungen, Aktivitäten, Vergnügen oder Interessen (das Verlangen nach der Droge wird zum Lebensmittelpunkt)
  6. Fortdauernder Gebrauch der Substanz(en) wider besseres Wissen und trotz eintretender schädlicher Folgen



Werden drei der sechs Fragen mit "Ja" beantwortet, kann man vom Abhängigkeitssyndrom sprechen. Wer beispielsweise ab und zu starkes Verlangen nach einer Substanz oder einem Verhalten hat (Frage 1) sowie darüber hinaus über körperliche Entzugserscheinungen klagt, wenn er sein Verlangen nicht stillen kann (Frage 3), aber keines der anderen vier Merkmale zeigt, leidet dieser Definition zufolge noch nicht an einem Abhängigkeitssyndrom.

Wie wirken psychotrope Substanzen?

Die chemische Struktur der Stoffe ist sehr verschieden. Aufgrund der unterschiedlichen Struktur binden sie an unterschiedlichen Rezeptoren im Gehirn an. Rezeptoren sind wie Antennen zu verstehen, die auf den Nervenzellen angebracht sind. Hier lösen die Substanzen dann Signale aus. Wie eine Droge wirkt, ist von ihrem Wirkmechanismus abhängig.

Heroin bindet an Opioid-Rezeptoren an, die für das Gefühl der Euphorie nach einer großen Anstrengung und für die Unterdrückung von Schmerzen wichtig sind. Entsprechend "glücklich machend" fühlt sich ein "Schuss" Heroin an.

Heroin.jpg



Der Cannabiswirkstoff THC (Tetrahydrocannabinol) aktiviert die Endocanabinoid-Rezeptoren und sorgt so dafür, dass sich Nerven leichter erregen lassen. Sinneseindrücke verändern sich, Nichtigkeiten bekommen Bedeutung.

Haschisch.jpg



Jungehanfpflanze.jpg



Alkohol dagegen beeinflusst die GABA-Rezeptoren, die die Aktivität bestimmter Nerven herunterregulieren. Zuerst sind davon Kontrollzentren des Gehirns betroffen, es kommt zu einer Enthemmung, man fühlt sich frei, der Stress, die Schüchternheit, die Angst sind nicht mehr so wichtig. Dann lassen sich die Muskeln nicht mehr exakt steuern, die Sprache wird verwaschen, der Gang unsicher. Auf Dauer dämpft Alkohol das ganze Erleben bis zur Bewusstlosigkeit.

Nikotin wirkt über Acetylcholin-Rezeptoren aktivierend auf die Nervenzellen, die Aufmerksamkeit steigt, man ist kurzfristig wacher und leistungsfähiger. Ähnlich verhält es sich beim Kokain.

Die biochemischen Wirkungen der Drogen sind unterschiedlich. Letztlich gibt es aber Verbindungen zwischen den jeweils beeinflussten Nervenschaltkreisen. So kommt es, dass beispielsweise Alkohol indirekt dieselben Rezeptoren aktiviert, über die auch Haschisch und Heroin wirken. Das trägt zur positiven Stimmung im Rausch bei. Entscheidend ist, dass alle Drogen letztlich eine Nervengruppe aktivieren, die zentral für die Steuerung des Verhaltens ist.

Wirkungsverlust und Dosissteigerung

Der Konsum bildet für den Betroffenen gleichzeitig den einzigen Lebensinhalt. Der allmähliche Wirkungsverlust der Droge führt oft zur Dosis-Steigerung und damit tiefer in die Abhängigkeit - ein Teufelskreis ist in Gang gesetzt. Da der süchtige Mensch in diesem Teufelskreis gefangen ist, dem er allein nicht mehr entkommen kann, ist Hilfe von außen zum Ausstieg unerlässlich. Allerdings schlägt diese Hilfe nur dann an, wenn sie von dem Betroffenen selbst gewollt ist und angenommen wird. In Fällen körperlicher Abhängigkeit ist außerdem ein Entzug notwendig, welcher fachmännischer Unterstützung und Betreuung bedarf.

Ist Cannabis eine Einstiegsdroge?

Oft wird Cannabis als Einstiegsdroge bezeichnet, weil die Gefahr besteht, von Cannabis zu anderen, stärkeren Drogen zu wechseln. Diese Gefahr ist vorhanden, doch die Wahrscheinlichkeit ist eher gering. Ob der Cannabiskonsum zur Sucht und dann auch zum Konsum stärkerer Drogen führt, liegt in der Persönlichkeit des Konsumenten begründet.

Es gibt unterschiedliche Konsummuster:

Weiches Konsummuster Hartes Konsummuster
Konsummuster Probier- oder Gelegenheitskonsum Gewohnheitskonsum
Häufigkeit des Konsums Einmal pro Jahr bis 2-3-mal im Monat Fast täglicher Konsum, mehrmals täglich
Konsumintensität Kleine Dosis Hohe Dosis
Konsumform Als Joint geraucht In der Purpfeife (Bong o.Ä.)
Bedeutung des Konsums für den Konsumenten Keine besondere Bedeutung, keine großen Investitionen (finanziell und zeitlich) Fester Alltagsbestandteil
Konsum weiterer Drogen Keine anderen Drogen oder Mischungen von Drogen Andere Drogen werden auch konsumiert (bevorzugt Alkohol)



Beim harten Konsummuster besteht die Gefahr, die Abhängigkeit auch auf andere Drogen auszuweiten.

Was tun bei Abhängigkeit?

Genauso wenig wie die Entwicklung der Abhängigkeit von heute auf morgen erfolgt ist, kann auch der Ausstieg nicht innerhalb kürzester Zeit geschafft werden. Deshalb kann eine längerfristige (psychologische) Betreuung auf diesem Weg ein entscheidender Faktor zum Erfolg sein.

Die einzelnen Stufen der Verhaltensänderung sind:

Sorglosigkeit ("precontemplation") Keine Absicht, das Verhalten in den nächsten sechs Monaten zu verändern
Bewusstwerden ("contemplation") Es wird daran gedacht, das Verhalten in den nächsten sechs Monaten zu verändern
Vorbereitung ("preparation") Erste Schritte zur Veränderung wurden eingeleitet, Zielverhalten wird in den nächsten 30 Tagen angestrebt
Handlung ("action") Zielverhalten wird seit weniger als sechs Monaten gezeigt
Aufrechterhaltung ("maintenance") Zielverhalten wird seit mehr als sechs Monaten beibehalten
Stabilisierung ("termination") Wie Aufrechterhaltung, keine situative Versuchung bzw. Rückfallgefahr mehr vorhanden



Hilfe gibt es von vielen Einrichtungen. Suche nach Angeboten in deiner Region.

Aufgabe

Fragen zur Überprüfung

  1. Wie unterscheiden sich Drogen in ihrer Wirkung?
  2. Was sind Phasen einer Abhängigkeit?
  3. Welche Hilfe können Abhängige in Anspruch nehmen? (Suche nach Angeboten in der Umgebung)
  4. Was kann zu einer Abhängigkeit/Sucht führen?



Psychische Abhängigkeit

Psychische Begleiterkrankungen

Häufige psychische Begleitkrankheiten sind Angststörungen, Depression, Anpassungsstörungen sowie Persönlichkeitsstörungen und Psychosen. Oft werden diese Symptome durch einen verminderten Dopaminspiegel hervorgerufen, der durch Selbstmedikation mit Drogen kurzzeitig kompensiert wird. Daher haben Menschen, die psychische Störungen aufweisen, ein höheres Risiko, eine Drogenabhängigkeit zu entwickeln. Die Befriedigung der Abhängigkeit nimmt im Leben der Betroffenen einen immer größeren Raum ein. Die Aufmerksamkeit der Konsumierenden wird von der Motivation zum Substanzkonsum zunehmend auf Konsum und Beschaffung der psychoaktiven Substanz und das anschließende Verweilen im Rauschzustand verlagert. Daraufhin werden andere Aktivitäten, Interessen und Verpflichtungen vernachlässigt. Die Persönlichkeit oder die Persönlichkeitsentwicklung kann erheblich beeinträchtigt werden.

Therapie

Die klassische Therapie bei einem Abhängigkeitssyndrom hat den dauerhaften Verzicht auf die Substanz zum Ziel, die die Abhängigkeit erzeugt. Sie umfasst meist folgende Punkte:

  • körperlicher Entzug der abhängig machenden Substanz
  • psychotherapeutische Behandlung in einer Fachklinik
  • Einbeziehung der Angehörigen/Bezugspersonen
  • Mitarbeit in Selbsthilfegruppe
  • Neuere Ansätze, vor allem in der Therapie von Alkoholkranken, streben das Ziel des Wiedererlangens der Fähigkeit zum kontrollierten Konsum an. Man spricht von "kontrolliertem Trinken".
  • In der Behandlung Opiatabhängiger kann die Verabreichung eines Substitutionsmittels im Rahmen einer Therapie zu einer Schadensbegrenzung führen.



Abgrenzung zu nicht-stofflicher Abhängigkeit

Nicht stoffgebundene Abhängige können ihrem zwanghaften Verhalten ähnlich ausgeliefert sein wie Substanzabhängige. Diese Verhaltenssüchte werden in immer neuen Varianten nach der jeweiligen Handlung benannt:



Ludopata gz.jpg



Arbeiten, sammeln, kaufen, spielen, essen oder Sexualität: Fast jede Form menschlichen Interesses kann zu Verhaltensweisen führen, denen ein Krankheitswert zukommt. Diese umgangssprachlich als Süchte bezeichneten Syndrome werden aber nicht als Abhängigkeitssyndrom bezeichnet. Man spricht von Verhaltensabhängigkeiten; ausgeprägte Persönlichkeitseigenschaften wie Machtstreben oder Bindungsbedürfnis werden als Bestandteil von Persönlichkeitsstörungen angesehen.

Aufgabe

Fragen zur Überprüfung

  1. Kannst du bei dir oder Freunden Anzeichen für eine (stoffliche oder nichtstoffliche) Abhängigkeit erkennen?
  2. Schreibe dir oder deinem/deiner Freund/in einen Brief, in dem du die Anzeichen einer Abhängigkeit auflistest (und deren Phasen), welche Auswirkungen zu befürchten sind und auch Ratschläge gibst, was in diesem Fall zu tun wäre, bzw. an wen man sich wenden kann.

Einzelnachweise